13:32 04 Dezember 2020
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    Der Historiker Yuval Harari gilt als Stimme der Vernunft, die man immer dann befragt, wenn es eine neue Krise auf unserem Planeten gibt. Zur aktuellen Corona-Krise sagt der Bestsellerautor: „Die größte Gefahr von Covid-19 liegt im wirtschaftlichen und politischen Bereich, nicht im medizinischen.“ Dazu warnt er vor der Überwachung durch Regierungen.

    Der israelische Menschheitshistoriker Yuval Harari Harari, Jahrgang 1976, lehrt an der Hebräischen Universität Jerusalem. Er hat die internationalen Bestseller „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ und „Homo Deus – Eine Geschichte von morgen“ verfasst. Er gilt als intellektueller Celebrity und globale Stimme der Vernunft. In einem Interview mit der Tageszeitung „Die Welt“ warnt er nun, dass die größte Gefahr von Covid-19 nicht im medizinischen, sondern im wirtschaftlichen und politischen Bereich liege:

    „Die Folgen der Pandemie könnten katastrophal sein, und das über einen langen Zeitraum hinweg,“ so Harari. „Sie könnten ganze Regionen zusammenbrechen lassen, etwa Südamerika, und neue Überwachungstechnologien begünstigen. Länder, die an sich über die Rechte ihrer Bürger wachen, legalisieren jetzt ihren Gebrauch. Es könnte sein, dass man sich in 50 Jahren weniger an das Virus erinnert als an den Moment, als die Überwachung aller durch die Regierung begann.“

    Allgegenwärtige Sensoren und allmächtige Algorithmen können die Bürger überwachen

    Der Philosoph und Zukunftsforscher äußert auch im Gespräch mit der „Frankfurter Rundschau“ seine Befürchtung, dass sich ein mögliches Überwachungsregime im Kampf gegen die Epidemie etablieren könnte. Das wäre auch in demokratischen Gesellschaften denkbar:

    „Die Natur der Überwachung verändert sich gerade. Sie geht förmlich unter die Haut. Regierungen können jetzt allgegenwärtige Sensoren und allmächtige Algorithmen nutzen, um die Bürger zu überwachen. Das fängt mit der Gesundheitskontrolle an, wenn die Körpertemperatur angestiegen ist; was passiert dann mit dem Blutdruck, mit dem Herzen? Dadurch erhält man Anzeichen, ob jemand krank ist oder nicht. Wenn wir über die richtigen Überwachungsmittel verfügen, lässt sich nicht nur feststellen, ob einer krank, sondern ob er wütend, glücklich oder besonders an einer Person interessiert ist.“

    Das seien ganz neue Dimensionen. Die Technik mache es heute zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte möglich, alle Leute permanent zu überwachen. Die Corona-Krise könnte eine wichtige Wende, eine Scheidelinie in der Geschichte der Überwachung bedeuten.

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    Tags:
    Überwachung, Privatsphäre, Coronavirus