13:02 04 Dezember 2020
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    Das französische Satiremagazin „Charlie Hebdo“ hat einer dänischen Partei Medienberichten zufolge den Gebrauch von Karikaturen über den islamischen Propheten Mohammed verweigert.

    Die Chefin und Gründerin der Nye Borgerlige („Neue Bürgerliche“), Pernille Vermund, gab am 29. Oktober auf Facebook bekannt, die Partei wolle in den wichtigsten Zeitungen Dänemarks Anzeigen mit den Karikaturen bringen, die der französische Lehrer Samuel Paty im Unterricht gezeigt habe. Die Partei wolle somit ihre Solidarität mit den Opfern islamistischer Gewalt sowie die Unterstützung für Meinungsfreiheit zum Ausdruck bringen.

    Ablehnung seitens „Charlie Hebdo“

    Die Zeichner von der „Charlie Hebdo“ weigerten sich nach Angaben der Zeitung „Ekstra Bladet“, der Nye Borgerlige die Rechte für die Mohammed-Karikaturen freizugeben.

    „Nach Besprechungen mit den Cartoonisten hat die ‚Charlie Hebdo‘ keine solche Vereinbarung mit dieser politischen Partei erreicht, deren Ansichten man überhaupt nicht teilt“, zitiert das Blatt am Montag die PR-Abteilung der französischen Satirezeitschrift.

    Reaktion der Partei

    Laut einem Sprecher der Nye Borgerlige, Lars Kaaber, will sich die Partei dennoch weiter um die Rechte bemühen.

    „Das ist schade. Wir hoffen aber immer noch, den Zugang zu den Zeichnungen zu bekommen, und wir denken, wir werden das auch schaffen“, so der Sprecher laut Medien.

    Kaaber vermutete, dass es sich um ein Missverständnis handle. Die Partei habe sich wahrscheinlich „so schlecht auf Französisch geäußert“, dass die „Charlie Hebdo“-Redaktion gedacht habe, die Partei wolle die Rechte für die Zeichnungen selbst bekommen und nicht einfach eine Erlaubnis, die Bilder einmal zu verwenden.

    Neue Bürgerliche

    Die Nye Borgerlige wurde am 24. November 2015 von ehemaligen Mitgliedern der Konservativen Volkspartei, Pernille Vermund und Peter Seier Christensen, initiiert. Bei der Wahl 2019 zum dänischen Parlament Folketing konnte die Partei mit 2,4 Prozent der Wählerstimmen in das Parlament einziehen und stellen dort vier Abgeordnete von insgesamt 179.

    Die Partei ist marktliberal und fordert einen vollkommenen Asylstopp. Die Überzeugung der Nye Borgerlige ist es, bessere Sozialsysteme durch Privatisierung und Dezentralisierung zu bekommen; und indem nur dänische Staatsbürger vom Wohlfahrtsstaat abgesichert seien, soll dabei auch Steuergeld gespart werden.

    Anschläge nach Veröffentlichung von Karikaturen

    Mitte Oktober war in einem Pariser Vorort ein Geschichtslehrer von einem mutmaßlichen Islamisten auf offener Straße mit einem Messer enthauptet worden. Der Lehrer hatte im Unterricht zur Erklärung der Meinungsfreiheit umstrittene Mohammed-Karikaturen aus dem Satiremagazin „Charlie Hebdo“ gezeigt.

    Der französische Präsident Emmanuel Macron verteidigte die Veröffentlichung von den Karikaturen als Meinungsfreiheit und stellte Maßnahmen im Kampf gegen „islamistischen Separatismus“ vor.

    Am 29. Oktober hatte ein mutmaßlicher 21-jähriger Islamist aus Tunesien in der Kirche Notre-Dame in Nizza eine Frau geköpft und zwei weitere Menschen getötet, bevor er von der Polizei angeschossen wurde. Frankreich hat nach dem Angriff die höchste Terrorwarnstufe ausgerufen.

    Erst wenige Tage nach der Messerattacke in Nizza kam es in Lyon zu einem Angriff auf einen griechisch-orthodoxen Priester. Ein Unbekannter schoss mit einem Jagdgewehr auf den 52 Jahre alten Geistlichen. Die Schüsse sollen den Priester in den Unterleib getroffen haben.

    mo/mt

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    Tags:
    Charlie Hebdo, Dänemark