16:16 25 November 2020
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    Wissenschaftler dürfen unbequeme Thesen aufstellen. So sollte es zumindest sein. Doch an deutschen Hochschulen kann offensichtlich nicht mehr unbefangen gearbeitet werden. Schon fragwürdige Kategorisierungen als „rechts“ ersticken Diskurse. Weichspülen und Mainstream scheinen das Gebot der Stunde. Dagegen wehren sich nun deutsche Uni-Professoren.

    Sie wollen die Meinungsfreiheit schützen und eine der wichtigsten Voraussetzungen wissenschaftlichen Arbeiten sicherstellen: Die freie Debatte. Denn die scheint nicht mehr möglich an deutschen Universitäten.

    Neue Organisation zum Schutz der Meinungsfreiheit

    Einem Bericht der „Welt am Sonntag“ (WamS) zufolge wollen Universitätsprofessoren in Deutschland eine Organisation zur Unterstützung von Wissenschaftlern gründen, die wegen ihrer Thesen unter Druck geraten.

    Klima vorauseilenden Gehorsams

    Das Gründungsteam beklagt mangelnde Meinungsfreiheit, politischen Druck und Einschüchterung an den Hochschulen selbst: Es sei ein Klima vorauseilenden Gehorsams entstanden.

    So würden etwa Studien nicht geschrieben, Projekte nicht beantragt, Vorträge nicht gehalten und auch Stellen nicht besetzt. Oft genüge schon der Verdacht, sich mit Thesen und Arbeiten nicht der Kollegenmehrheit anzuschließen, um unter Druck zu geraten, so der Hamburger Rechtsphilosoph Reinhard Merkel.

    Wer nicht den Mainstream reproduziere, gerate immer häufiger existenzbedrohend unter Druck. Zahlreiche Wissenschaftler sprächen von einer „Kultur des ängstlichen Rückzugs", es herrsche ein feindliches Klima.

    Abweichler als Bedrohung

    Die Abweichler würden als Bedrohung wahrgenommen und nicht etwa als Bereicherung. „Das Risiko veranlasst Wissenschaftler zur Selbstzensur und zum Rückzug aus öffentlichen Debatten", so Ethnologin Susanne Schröter von der Universität Frankfurt am Main.

    Auch der Deutsche Hochschulverband (DHV) mahne vor Einschränkungen der Meinungsfreiheit an Universitäten. Die Toleranz gegenüber anderen Meinungen werde kleiner, so DHV-Präsident Bernhard Kempen. Es gäbe eine „Entwicklung, niemandem eine Ansicht zuzumuten, die als unangemessen empfunden werden könnte" – so heißt es in der bereits im vergangenen Jahr vom Verband verabschiedeten „Resolution zur Verteidigung der freien Debattenkultur an Universitäten“.

    Alles was nicht links ist, ist rechts?

    In den vergangenen Jahren hätten sich nach Angaben der „WamS“ Fälle gehäuft, in denen Wissenschaftler daran gehindert worden seien, sich wie gewünscht zu äußern. Fast alle beträfen Fälle, in denen ein Diskurs, der als „rechts“ bezeichnet wird, verhindert werden sollte. Und das könne sogar bereits mit Äußerungen geschehen, die nicht ausdrücklich linke Positionen verteidigten.

    NS-Vergangenheit

    Dabei soll es sich um ein historisch begründetes Phänomen handeln, so der Bonner Wissenschaftshistoriker Rudolf Stichweh. Deutschland habe wegen seiner nationalsozialistischen Vergangenheit die Neigung, „rechtsintellektuelle Positionen“ möglichst nicht salonfähig werden zu lassen. Die wissenschaftliche Kultur der Deutschen neige daher stärker zum liberalen und linken Rand des politischen Spektrums. Konservative oder gar rechtsintellektuelle Positionen seien an den deutschen Universitäten kaum vertreten, so Stichweh. Im Gegensatz zu französischen Unis, wo sowohl Rechtsintellektuelle wie Linksintellektuelle Platz fänden.

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    Wissenschaft, Hochschule, Zensur, Debatten, Deutschland, Universität, Meinungsfreiheit