10:30 27 November 2020
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    Mit einem Kurzfilmwettbewerb will der Kultursender Arte jungen Regisseurinnen zu mehr Sichtbarkeit verhelfen. Doch die Ausschreibung „Unbeschreiblich weiblich“ ist alles andere als gendergerecht. Nun haben sich zwei Filmemacherinnen in einem offenen Brief an den Sender gewendet.

    Auf den ersten Blick liest sich die Ausschreibung des deutsch-französischen Senders eigentlich ganz positiv und einsichtig. Fakt sei, dass Arte viel zu wenig Dokumentarfilme von Frauen zeige, wird gleich zu Beginn eingeräumt. Ganz besonders gelte das für die Hauptsendezeit. Dabei würden doch so viele talentierte und engagierte Filmemacherinnen an den Journalismus- und Dokumentarfilmschulen ausgebildet.

    Offenheit und Neugierde seien seit jeher Anliegen des Europäischen Kultursenders, auch deshalb scheine die Darstellung einer möglichst großen Bandbreite an Sichtweisen unerlässlich. Mit dem neu ausgerufenen Wettbewerb erhielten junge Regisseurinnen die Möglichkeit, die Welt auf ihre ganz spezifische Weise zu erzählen, und seien aufgerufen, einen kurzen Dokumentarfilm zum Thema „Unbeschreiblich weiblich“ einzureichen.

    „Diskriminierende Initiative“

    Für die Adressatinnen stellt sich die Sache offenbar anders dar. In einem offenen Brief an Arte kritisieren die Filmemacherinnen Pary El-Qalqili und Biene Pilavci die Ausschreibung als „diskriminierende Initiative“, die wohl kaum etwas an der unzureichenden Repräsentation von Regisseurinnen ändern werde.

    Die Erkenntnis, dass Frauen in der deutschen Film- und Fernsehbranche benachteiligt werden, sei nicht neu, so die Verfasserinnen. Doch welche Maßnahmen habe Arte ergriffen? Der Sender habe einen Wettbewerb ausgeschrieben, für den Filmemacherinnen einen Kurzdokumentarfilm einreichen sollen. Das bedeute, das Material werde unentgeltlich produziert. Mit dem Thema „Unbeschreiblich weiblich“ würden die Teilnehmerinnen zudem von vornherein in ihrem Schaffen in enge erzählerische Grenzen gezwängt. Der Gewinnerin winke ein Entwicklungsvertrag für ein 52-minütiges Format – das sei keine Förderung struktureller Gleichberechtigung, schon gar nicht in der Haupteinschaltzeit. Damit, dass sich die Ausschreibung explizit an Nachwuchs-Regisseurinnen richte, würden zudem Generationen qualifizierter Regisseurinnen ignoriert.

    „(Selbst)ausbeuterische Arbeitsweise“

    Aus diesen Gründen fordern die Verfasserinnen des offenen Briefes von Arte die sofortige Überarbeitung der Ausschreibung mit dem Betreff: „Regisseurin gesucht.“

    Darüber hinaus bekräftigen sie die Forderungen nach struktureller Gleichberechtigung, der Einführung einer 50/50 Gender-Quote für alle Sendeplätze und Filmproduktionen, transparente Maßnahmen aller Redaktionen, um Gender-Gleichberechtigung umzusetzen, Gender-Monitoring von allen redaktionellen Entscheidungen sowie verpflichtende Fortbildungen zu Feminismus- und Gender-Gleichberechtigung für alle Arte-Redakteure und Programmverantwortlichen.

    „Wir erwarten des Weiteren, dass Arte als europäischer Kultursender mit Vorbildfunktion Verantwortung für die Produktionsbedingungen übernimmt. Regie ist nicht unser Hobby, sondern unser Beruf. Die Ausschreibung fördert eine (selbst)ausbeuterische Arbeitsweise, von der erneut diejenigen ausgeschlossen sein werden, die sich ein selbstfinanziertes Filmprojekt nicht leisten können“, heißt es abschließend.

    Den offenen Brief von El-Qalqili und Pilavci haben inzwischen 675 Filmschaffende unterzeichnet, darunter solche Größen der Branche wie Doris Dörrie, Connie Walther, Esther Gronenborn, Alireza Golafshan, Albrecht Schuch, Frederike Lau, Julia Oelkers und Barabara Teufel.

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    Tags:
    Gendergleichheit, Gender, arte, Kunst, Regisseur, Film, Feminismus