15:05 25 November 2020
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    Welche Absicht verfolgt US-Präsident Donald Trump mit der Entlassung seines Verteidigungsministers Mark Esper? Diese Frage lässt Raum für viele Spekulationen. Sicherheitsexperte, Oberstleutnant a.D. Jürgen Rose, befürchtet im Sputnik-Interview, dass Trump eine offene Konfrontation mit dem Iran einleiten könnte, um seine Macht zu sichern.

    „Der Iran steht seit 1979 im Fadenkreuz als Feindbild für die USA. Da ist so viel Konfliktpotenzial im Raum, dass jeder sehr schnell zum Verdacht gelangen kann, dass die Möglichkeit besteht, dass Trump in der Endphase dieses Problem noch angehen will. Wenn er das Problem mit dem Iran löst, dann wäre es sein Vermächtnis. Und wenn ihm das nicht gelinge, dann hätte er Joe Biden ein gigantisches Problem hinterlassen - einen brennenden Mittleren Osten“, sagt Jürgen Rose, Oberstleutnant a.D. der Bundeswehr, im Sputnik-Interview.

    Mit dieser Befürchtung ist der Militärexperte vom „Darmstädter Signal“ (Arbeitskreis aktiver und ehemaliger Offiziere, Unteroffiziere und Zivilbeschäftigter der Bundeswehr, die sich der Friedensbewegung verbunden fühlen – Anm. d. Red.) nicht allein. Zwei Beamte des Pentagons haben der „New York Times“ zufolge behauptet, dass Trump nach der Neubesetzung des Postens durch eine loyalere Person „offene oder geheime Operationen gegen den Iran“ einleiten könnte.

    Die Geschichte zeige: „Staatsführer, die im Inneren ihrer Staaten unter Druck geraten waren, griffen in der Vergangenheit häufig dazu, den Konflikt nach außen zu verlagern“, erklärt der ehemalige Bundeswehroffizier.

    Diese hätten militärische Auseinandersetzungen vom Zaum gebrochen, um von den inneren Problemen abzulenken und die zerstrittene Bevölkerung angesichts des äußeren Feindes zu einigen, so Rose.

    Der Konflikt

    Der scheidende US-Präsident hat kurz nach der verlorenen Wahl seinen Verteidigungsminister Mark Esper entlassen. In einer schroffen Formulierung teilte der US-Präsident auf Twitter mit: „Mark Esper ist gekündigt“, dankte ihm aber für seinen Dienst. Das Amt soll kommissarisch Christopher Miller übernehmen. Miller war bisher Direktor des Nationalen Antiterror-Zentrums. Gerüchte über eine Entlassung Espers gab es seit Monaten. Allerdings war so ein Schritt im Nachgang der Wahl - insbesondere im Fall eines Sieges Trumps - erwartet worden.

    Hintergrund waren Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd. Trump inszenierte sich damals als Hardliner und drohte, die Unruhen im Land notfalls mit militärischer Gewalt zu beenden. Dafür hätte er den „Insurrection Act“ von 1807 aktivieren müssen, der es dem US-Präsidenten erlaubt, unter bestimmten Umständen das US-Militär im Inland einzusetzen. Esper hatte sich gegen einen Einsatz des US-Militärs zum Stopp der Unruhen ausgesprochen und war damit klar auf Distanz zu Trump gegangen.

    Interview mit Jürgen Rose zum Nachhören:

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    Tags:
    USA, Iran, Jürgen Rose, Mark Esper