02:57 17 November 2019
SNA Radio
    PEGIDA-Demo in Dresden am 22, Dezember 2014

    Pegida-Phänomen in deutscher Presse: Keine Lügen, sondern Freiheit

    © REUTERS / Hannibal Hanschke
    Interviews
    Zum Kurzlink
    Von
    Pegida und Anti-Pegida (52)
    379194
    Abonnieren

    „Es war sicherlich am Anfang so, dass Pegida Schwierigkeiten hatte, seine Botschaft in die Öffentlichkeit zu bringen“, äußerte Wolfgang Donsbach, Medienexperte vom Institut für Kommunikationswissenschaft der Technischen Universität in Dresden, im Gespräch mit Hendrik Polland.

    Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes (PEGIDA)
    © REUTERS / Hannibal Hanschke
    „Pegida wurde gleich als eine rechte, rassistische Organisation dargestellt. Das darunter auch einige legitime Forderungen waren, zumindest der Ausdruck von legitimen Ängsten der Bevölkerung, das war am Anfang schwer der Presse zu entnehmen“, so Donsbach. Dass das Pegida-Bündnis in Dresden wöchentlich mehr Menschen anzieht, sei einfach zu erklären: „Es wurde intensiv berichtet über Pegida. Dann sind noch mehr Menschen auf die Straßen gegangen, weil sie sagen: 'Ja, so denke ich auch. Endlich drückt das einer mal aus.'“ 

    Die intensive Berichterstattung hat inzwischen auch ihre Akzentuierungen. Nachdem in Europa das freie Pressesystem erkämpft worden ist, berichten Journalisten „stark aus ihrer Perspektive“. Die Perspektive des kleinen Mannes komme dann manchmal etwas zu kurz, betont  Donsbach. 

    „Die Diskrepanz kommt dann zum Vorschein, wenn Journalisten über Politik, Leben und Kultur berichten. Das ist dann entfernt von dem, was die Menschen selbst erleben und wie sie selbst empfinden. Ich glaube, dass das zu einer Spannung führt. Weshalb man das in den Ausdruck der Lügenpresse gipfeln lässt. Das ist natürlich keine Lügenpresse, die wir in Deutschland haben. Wir haben ein freies Pressesystem.“ 

    Das freie Pressesystem setzt einen Meinungskampf voraus, der gerade bei den Berichten über Pegida deutlich zum Ausdruck gekommen ist. Die Seiten unterstellen sich gegenseitig Verfälschungen, wobei diese eher mit der journalistischen Verkürzungsnot zu tun haben, erklärt Donsbach: „Das sind keine Verfälschungen, die aus einer Ideologie heraus passieren. Das ist Folge der Notwendigkeit zum einen und zum anderen Folge der Public Relations, der Öffentlichkeitsarbeit von denjenigen, die auf einem bestimmten Gebiet tätig sind.“ Es geht also darum, sich mit seinen Begrifflichkeiten in einer öffentlichen Auseinandersetzung durchzusetzen, „Luft über den Stammtischen zu bestimmen“, sagt Donsbach. Ob aber die Medien daher automatisch als vierte Gewalt, also manipulativ zu bezeichnen sind, müsse man im Einzelfall prüfen.

    * Die in diesem Artikel vorgebrachten Ansichten müssen nicht denen der Sputnik-Redaktion entsprechen.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Themen:
    Pegida und Anti-Pegida (52)

    Zum Thema:

    Anti-islamische Stimmung macht sich breit in Deutschland
    Tags:
    PEGIDA, Deutschland, Dresden