07:38 26 April 2018
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    Börse in China

    Kurssturz in China: Viel Lärm um Wachstumsabflachung

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    Der jüngste Börsencrash in China hat viel Nervosität an Finanzmärkten in anderen Ländern ausgelöst – zu Unrecht, meinen Analysten. Mit sieben Prozent in diesem Jahr bleibt China immer noch eines der am schnellsten wachsenden Wirtschaften.

    „Der Kurssturz an den chinesischen Börsen ist nicht durch Fundamentaldaten bewirkt. Es sind Bewegungen, die mit der ökonomischen Realität nichts zu tun haben“, meint Prof. Dr. Christian Dreger vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin. Im Gespräch mit Sputniknews begründete er die jüngsten Entwicklungen an den chinesischen Börsen mit internen Gründen: „Es ist seit langem bekannt, dass die chinesische Wirtschaft nicht mehr so stark wie früher wachsen wird. China versucht, sein Wachstum umzusteuern, auf ein konsumbasiertes Wachstumsmodell überzugehen.“

    Die internationalen Börsen sind hochgradig miteinander vernetzt. Das war eben der Grund, warum Finanzmärkte in anderen Ländern so empfindlich auf den Sturz in China reagiert haben. Ein weiterer Auslöser sei die Erkenntnis, dass die Schwellenländer nicht mehr ein Motor der Weltwirtschaft seien, meint Christian Dreger.  Dabei stehe China hier noch gut da. Man habe lediglich eine gewisse Abflachung des Wachstums, aber keine große.

    Investoren sollten sich umschauen

    „Aktienkurse können natürlich nicht in den Himmel wachsen. In China hat man viel spekuliert, und jetzt hat es eine Korrektur gegeben“, meint  Paul Fischer, Wirtschaftsberater und Publizist. Trotzdem warnt er die Investoren davor, alles auf eine Karte zu setzen: „Man muss sich natürlich um andere Märkte kümmern. Den Firmen empfehlen wir immer, dass man sich antizyklisch verhält. Wenn eine Währung sich abwertet – wie es jetzt beim Rubel oder dem Yuan der Fall ist – dann kann man in dieser Situation investieren. Dann sollte man noch schneller bestimmte Entscheidungen umsetzen und sich nicht mehr zurückhalten, aber das tun natürlich die wenigsten.“

    Im Interview für Sputniknews betonte Paul Fischer auch die Rolle der Politik bei der Aufrechterhaltung der Stabilität. Denn es seien die Unternehmen, die der Schlüssel zum Erfolg seien. „Wenn es ihnen nicht gut geht, dann geht es der ganzen Volkswirtschaft nicht gut. Viele Politiker haben das noch nicht erkannt. Was sie auch noch nicht erkannt haben, ist, dass der Westen es alleine auch nicht schaffen kann. Man muss unbedingt anderen Ländern die Chance geben, sich weiter zu entwickeln. Dadurch entstehen Märkte und dadurch haben unsere Unternehmen hier im Westen Möglichkeiten zu wachsen. Diese Zusammenhänge zu verstehen ist also fundamental. Man kann keinen zwingen zu verstehen, aber die Ökonomie wird jetzt diese Herrschaften, die das nicht verstehen, einholen. Es ist sehr wichtig, dass man da anfängt, in diese Richtung zu denken und zu handeln. Die BRICS-Staaten zusammen mit der EU und den USA haben eine wichtige Rolle zu spielen, um Stabilität in diese globale wirtschaftliche Situation zu bringen, damit es auch weniger Krisen gibt“,  mahnte Paul Fischer.

     

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    Tags:
    Yuan, Börsen, Wirtschaftskrise, Paul Fischer, Christian Dreger, China