20:28 16 August 2018
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    Ein Unterricht an der Moskauer Lomonossow-Universität

    Russland bietet 15.000 Ausländern Studium zum Nulltarif an

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    Die Föderale Agentur für internationale Zusammenarbeit, Rossotrudnitschestwo, will mehr Ausländer zu einem gebührenfreien Studium nach Russland locken. Die Leiterin der Behörde, Ljubow Glebowa, erläuterte gegenüber RIA Novosti, warum junge Ausländer zum Studium nach Russland kommen sollten.

    Die Leiterin der Agentur Rossotrudnitschestwo, Ljubow Glebowa, sprach mit der Korrespondentin von RIA Novosti, Julia Ossipowa, darüber, wie Russland die Zahl der ausländischen Studenten erhöhen will.

    Frau Glebowa, wie viele Ausländer kommen jährlich nach Russland, um eine gebührenfreie Hochschulausbildung zu bekommen?

    In den letzten drei Jahren lädt Russland jedes Jahr jeweils 15.000 Ausländer zu einem absolut gebührenfreien Studium an russischen Hochschulen. An diesem Prozess beteiligen sich mehr als 400 russische Universitäten.
    2016 gibt es zum ersten Mal eine absolut offene Aufnahme. Nachdem analysiert worden war, wie dies bei den Kollegen in anderen Ländern erfolgt, starteten wir in diesem Jahr ein offenes Antragsverfahren in elektronischer Form. An der Aufnahme hat sich nicht viel geändert, sie ist nur viel einfacher und transparenter geworden – ein einheitliches „Fenster“ zur Eingabe der Daten, schnelles Auswahlverfahren. Mit dem Informationsportal werden die vielen zwischengeschalteten Personen aus dem Prozess beseitigt.

    Staatsbürger aus 198 Ländern können Anträge für ein Studium an russischen Universitäten in verschiedenen Fachbereichen einreichen, von medizinischen bis zu technischen, darunter Kernphysik. Ein einzelner Bereich ist für Russisten, Linguisten und Philologen bestimmt. Alles, was mit der russischen Sprache verbunden ist, ist derzeit im Ausland sehr gefragt.

    Was muss ein ausländischer Staatsbürger tun, um in die staatliche Quote in Russland zu kommen?

    Er muss sich ich auf der Webseite www.russia.study anmelden. Das Verfahren dauert etwa 20 Minuten, es gibt zwei einfache Schritte – der ausländische Staatsbürger bestätigt seine Identität, danach wird die E-mail-Adresse eingegeben. Sofort kommt eine Bestätigung. Die E-Mail ist notwendig, um anschließend einen schnellen und zuverlässigen Kontakt mit dem potentiellen Bewerber aufzunehmen. Ob er darauf schnell reagieren wird, hängt von seinem eigenen Interesse an der Ausbildung ab.

    Nach der Verifizierung hat der Bewerber Zugang zu einem Formular, wo er eigene Daten, Informationen über Bildung und persönliche Erfolge, den gewünschten Fachbereich sowie ein Motivationsschreiben eingibt. Das Formular gelangt dann in eine einheitliche Liste im Land. Danach erfolgt in dem jeweiligen Land eine vorläufige Auswahl der Bewerber.

    Könnte es sein, dass einige nicht besonders begabte ausländische Staatsbürger aussichtsreichen russischen Jugendlichen die Studienplätze wegnehmen? Ist ein Auswahlverfahren vorgesehen?

    In den meisten Ländern gibt es Vertretungen von Rossotrudnitschestwo – russische Wissenschafts- und Kulturzentren, deren Vertreter auf Grundlage einiger Parameter – gutes Abitur, Teilnahme an Wettbewerben und weitere Erfolge des Bewerbers – eine vorläufige Einschätzung der Bewerber ermöglichen. Besonders erfolgreiche und begabte Jugendliche werden zu einem direkten bzw. Fern- Aufnahmegespräch eingeladen. Im Fall Syrien ist zum Beispiel jetzt nur ein Fern-Auswahlformat möglich. Wir warten auf Studenten aus Syrien, und werden uns freuen, sie an russischen Hochschulen zu sehen.

    Die endgültige Auswahl erfolgt durch eine Kommission, zu der Vertreter der russischen Wissenschafts- und Kulturzentren, Botschaften, lokale Bildungsministerien und Gesellschaftsorganisationen gehören. Derzeit führen wir Gespräche mit den Universitäten, damit ihre Mitarbeiter ebenfalls zur Kommission gehören.
    2016 ist ein Pilotjahr. Das Auswahlverfahren wird ein Aufnahmegespräch bzw. ein Test sein. Doch bereits im nächsten Jahr ist der Übergang zu einem vollwertigen Bewertungssystem vorgesehen, auf Grundlage der Wettbewerbe und Tests. In Bezug auf jedes Land wird ein einzelnes Ranking gebildet. Ein weiteres Auswahlelement werden Wettbewerbe sein, die von russischen Hochschulen in anderen Ländern durchgeführt werden. Jetzt arbeitet Rossotrudnitschestwo daran, diese adäquat und entsprechend aufeinander abgestimmt zu erstellen.

    Was können Bewerber tun, wenn sie das Auswahlverfahren nicht bestehen?

    Selbst wenn irgendeinem ausländischen Staatsbürger keine Quote im Rahmen der Aufnahme von 15.000 Menschen angeboten wird, wird ihm angeboten werden, per Vertrag an russischen Hochschulen zu studieren. Angesichts der Tatsache, dass das Studium an vielen russischen Hochschulen nicht besonders teuer ist (an vielen Hochschulen – 1000 bis 1500 Euro pro Jahr), kann für viele auch ein solches Format von Interesse sein.

    In welcher Etappe schließen sich die Universitäten an? Wie gelangt ein Bewerber an eine konkrete Hochschule?

    Nachdem ein ausländischer Staatsbürger ausgewählt wird, wählt er sechs Hochschulen, an denen er studieren möchte und erstellt selbst eine Rangliste aus ihnen. Danach eröffnet jede Universität ihr eigenes E-Profil und entscheidet sich für einen Bewerber. Falls er nicht an die Hochschule gelangt, die in seiner Liste ganz oben war, werden seine Angaben an die zweite Hochschule aus der Liste weitergegeben. Somit kann der Bewerber bis zur sechsten Hochschule aus der Liste kommen. Selbst wenn ihn keine der sechs Hochschulen auswählt, bietet das Bildungsministerium eine alternative Variante des Studiums an einer anderen Hochschule. Glauben Sie mir, niemand aus dieser Kette wird vergessen.

    Wie denken Sie, wird Russland sein in der Welt hohes Ansehen als Land mit einem starken Hochschulsystem weiter behalten können? Welche Motive haben die Menschen, die nach Russland kommen, um einen Hochschulabschluss zu bekommen?

    Erstens bietet Russland eine gute Ausbildung in den Ingenieur-Fachrichtungen, Naturwissenschaften, Mathematik, Philologie und Russistik. Sehr populär ist im Ausland die medizinische Ausbildung. Eine ähnliche Situation ist in den Kulturwissenschaften zu erkennen – russische Musik, Theater, Kino sorgen weiterhin für großes Interesse bei Ausländern. Obwohl es in der russischen Bildung schwere Zeiten gegeben hat, wird sie weiterhin in der Welt hoch geschätzt – als fundamental, verwurzelt und fächerübergreifend.

    Zudem sind das Leben und das Studium in Russland günstiger als beispielsweise in Europa. Außerdem ist Russland für viele Länder eine Führungsfigur. Viele Menschen, die jetzt in verschiedenen Ländern führende Posten besetzen, studierten in Russland. Sollten ihre Kinder bald Studenten werden, blicken sie mit Interesse in Richtung der russischen Bildung und verstehen sehr gut, dass die Ausbildung in Russland einen weiten Horizont, nützliche Bekanntschaften und richtige Richtlinien gibt. Das betrifft nicht nur die GUS-Länder, sondern auch die Entwicklungsländer Asiens und Afrikas, einzelne europäische Länder sowie die Länder Lateinamerikas.

    Welchen Nutzen bringt dieses Projekt Ihres Erachtens der russischen Seite?

    Erstens würde es den Universitäten und Russland ermöglichen, die eigene Zukunft zu sichern, richtige Investitionen zu tätigen. Gute ausländische Studenten, die eine russische Ausbildung bekommen haben, bleiben nach der Rückkehr in ihr Land loyal gegenüber der Russischen Föderation. Falls sie sich in die Wissenschaft vertiefen, bauen sie enge Beziehungen zu den russischen Bildungs- und Wissenschaftsorganisationen aus. Die motiviertesten Studenten bleiben in Russland und arbeiten hier weiter. Wir locken Spezialisten nach Russland, die für unsere Wirtschaft und das Bildungssystem notwendig sind.

    Zudem erstrecken sich die Quoten für gebührenfreie Bildung an russischen Hochschulen nicht nur auf Bachelor-, sondern auch auf Master- und Promotions-Studium. Das ist bereits ein Zeichen der akademischen Mobilität, Element des Studentenaustausches. Die Hochschulen knüpfen Kontakte auf internationaler Ebene. Was ausländische Studenten betrifft, die nicht gemäß der Quote, sondern per Vertrag zu studieren beginnen – das ist ein ziemlich spürbarer Gewinn für die Universitäten.

    Um in Russland zu studieren, ist Russisch notwendig – das ist keine einfache Sprache. Wird es eine sprachliche Unterstützung für ausländische Studenten geben?

    An vielen russischen Hochschulen gibt es spezielle Vorbereitungsfakultäten. Einige ausländische Staatsbürger, die nicht Russisch sprechen (jedes Jahr sind das rund 4.000 Menschen), befassen sich ein ganzes Jahr mit der sprachlichen Vorbereitung. Für jede Person werden bis zu 100.000 Rubel pro Jahr ausgegeben. Der Staat verliert Geld, Menschen etwas Zeit. Deswegen plant Rossotrudnitschestwo in Zukunft zusammen mit den russischen Hochschulen die Bildung sogenannter „externer“ Vorbereitungsfakultäten in verschiedenen Ländern der Welt, um dort Zentren für die russische Sprache und Testzentren einzurichten.

    Gibt es viele Interessierte an dem russischen Angebot des gebührenfreien Studiums an russischen Hochschulen?

    Zurzeit gibt es viele Menschen, die in Russland studieren wollen – sie rufen uns an, stellen Fragen in sozialen Netzwerken, melden sich auf dem Portal an. Bislang sind die Staatsbürger der GUS-Länder am aktivsten, was zu erwarten war, weil sich Informationen über die Aufnahme der Studenten im russischsprachigen Raum sehr schnell verbreiteten. Die Aufnahme ausländischer Staatsbürger zum gebührenfreien Studium an russischen Hochschulen ist ein jährliches und langfristiges Projekt. Das ist ein effektives außenpolitisches Instrument des Staates, weshalb man in der Zukunft die Zahl der Quoten erhöhen will.

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