02:43 25 Juni 2018
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    Flüchtlingsboot im Mittelmeer

    52 Millionen junge Menschen aus Afrika auf dem Weg nach Europa? – Buchautor warnt

    © REUTERS / Yannis Behrakis
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    Der äthiopisch-deutsche Publizist Prinz Asfa-Wossen Asserate kritisiert die europäische Afrika-Politik scharf. Er warnt im Sputnik-Interview vor einer Völkerwanderung von Afrika nach Europa, wenn die Europäische Union (EU) ihre Politik nicht ändert. Flüchtlingsabkommen mit afrikanischen Staaten bringen aus seiner Sicht keine Lösung.

    Flaggen der Türkei und der EU
    © AFP 2018 / Bulent Kilic
    Asfa-Wossen ist Bestsellerautor („Die neue Völkerwanderung – Wer Europa bewahren wollen, muss Afrika retten“ 2016) und Großneffe des letzten Kaisers von Abessinien, dem Gebiet des heutigen Äthiopiens und Eritrea. Im Interview mit Sputnik-Korrespondent Bolle Selke forderte er, dass die EU den afrikanischen Potentaten endlich Grenzen aufzeigen solle. Deutlich kritisierte er die bisherige europäische Politik: „Europa hat mit seiner Entwicklungspolitik der letzten vierzig Jahre versagt. Es ist uns trotz vieler Milliarden nicht gelungen, die Afrikaner zu einer Entwicklung zu bringen, so dass sie in ihren eigenen Ländern ein menschenwürdiges Dasein führen konnten.“

    Wenn die westlichen Staaten weiter untätig blieben, würden „über 52 Millionen Jugendliche aus dem Osten, aus dem Westen und aus dem Süden Afrikas“ in die nordafrikanischen Maghreb- Staaten kommen, warnte der Prinz. Von Nordafrika aus würden die Migranten dann versuchen, „diese lächerlichen 16 Kilometer, die uns von Afrika trennen, zu bewältigen“.

    Migration nutzt afrikanischen Staaten

    Der Buchautor forderte auf, über die Fluchtursachen reden und die Frage zu stellen, „wer ist eigentlich dafür verantwortlich, dass Millionen Afrikaner sich zur Zeit auf dieser Völkerwanderung befinden“. Die Antwort ist für ihn klar: „Die afrikanischen Gewaltherrscher, die nicht in der Lage sind, ihr eigenes Volk dahingehend gut zu regieren, dass sie in ihren eigenen Ländern bleiben können. Diese afrikanischen Diktatoren werden zum größten Teil von europäischen Steuergeldern alimentiert.“ Die EU müsse ihre bisherige „sogenannte Realpolitik der letzten 40 Jahre“ ändern und eine gemeinsame europäische Afrikapolitik umsetzen. Sonst  würden „diese Millionen früher oder später mit den Füßen abstimmen und zu uns kommen".

    Asfa-Wossen Asserate
    Asfa-Wossen Asserate

    Die EU habe gar keine Alternative als zu einer gemeinsamen europäischen Afrikapolitik zu finden. Für den Prinz aus Äthiopien sind  Flüchtlingsabkommen mit nordafrikanischen Staaten „absolut blauäugig und naiv“: „Wenn es denn gelingen sollte, dass man zwischen 40 und 50 Millionen Euro gibt, dann werden die afrikanischen Gewaltherrscher natürlich sagen: Wir nehmen das schöne Geld der Europäer, aber viel werden wir nicht tun. Denn sie wären ja auch bekloppt, wenn sie wirklich alles möglich tun würden, um diese afrikanische Migration aufzuhalten. Sie bekommen ja Milliarden von denen, die in Europa und in Amerika gelandet sind, durch Überweisungen derer, die in der westlichen Welt Zuflucht gefunden haben. Da wird natürlich niemand etwas in irgendeiner Art und Weise gegen unternehmen wollen."

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    Publizist, Flüchtlinge, Migrationskrise, Flüchtlingskrise, Interview, EU, Äthiopien, Europa, Afrika, Deutschland