13:51 24 September 2018
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    Sojus-Schiff beim Andockmanöver an ISS

    „Nach Hause fliegen“: Haben Amis russische Sojus-Kapsel absichtlich beschädigt?

    © Foto: Roscosmos/Alexander Misurkin
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    Eine interessante Version für die Ursache des im August festgestellten Lecks im russischen Raumschiff Sojus MS-09 hat die Zeitung „Kommersant“ in ihrer Mittwoch-Ausgabe veröffentlicht. Das Raumschiff ist derzeit an der internationalen Raumstation ISS angekoppelt. Die Zeitung zitiert russische Ermittler.

    Vor etwa zwei Wochen wurde ein Leck an der russischen Raumkapsel Sojus MS-09 entdeckt und geflickt. Gerätselt wird weiter über die Ursache des Risses. Eine Untersuchungskommission der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos schließt nicht aus, dass US-Astronauten das Loch absichtlich gebohrt haben. Der Grund könne sein, dass so eine frühere Heimreise erzwungen werden sollte, weil einer der Kollegen an Bord krank ist.

    Die russische Sonderkommission hat die US-Weltraumbehörde Nasa gebeten, Aufnahmen von den Videokameras der Astronauten und Angaben zu ihrem derzeitigen Gesundheitszustand zu übermitteln. Sollte Roskosmos mit dem Verdacht richtig liegen, würden die russisch-US-amerikanischen Beziehungen im Weltraum stark belastet.

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    Die Sonderkommission will Informationen aus der ersten Etappe der Untersuchung sowie neue Fakten analysieren, wie es zur Dekompression der Raumkapsel kam. Roskosmos-Chef Dmitri Rogosin sagte am Rande des Östlichen Wirtschaftsforums in Wladiwostok, dass die bisherigen Ergebnisse bislang kein objektives Bild liefern. „Die Situation ist deutlich komplizierter, als wir zuvor angenommen haben“, so Rogosin. Roskosmos gab keine weiteren Kommentare ab.

    Der Vorfall auf der Internationalen Raumstation (ISS) ereignete sich in der Nacht auf 30. August, als an Bord angekoppelten Raumschiffs Sojus-MS-09 der Druck sank. Es wurde ein 1,5 mm großer Riss entdeckt.
    Russische Raumfahrer hatten auf Anordnung der Leitzentrale noch am selben Tag den Riss mit einem Spezialstoff abgedichtet. Über die Ursache wurde viel spekuliert. Das reichte vom Aufprall eines Mikrometeoriten bis zu Produktionsfehler und der Variante, dass der Riss bereits auf der Erde verursacht worden sei.

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    Die russischen Raumfahrer teilten mit, dass an der Stelle des Mikrorisses Spuren eines nicht fabrikmäßigen Klebestoffs entdeckt wurden. Laut einer Quelle aus der Untersuchungskommission ist es kaum glaubwürdig, dass der Riss durch fahrlässige Arbeiten bei der Produktion bzw. Montage der Raumkapsel entstanden sei. Anhand von Dokumenten, der Befragung der Mitarbeiter der Raumfahrtzentrale und der von den Kosmonauten zugesandten Fotos wurde festgestellt, dass dieses Loch im All entstanden ist – als das Schiff an die ISS andockte.

    Bei der Analyse kamen die Experten zum Schluss, dass das Loch auch nicht beim ersten Ankopplungsversuch entstanden war. Es sind einige Spuren zu sehen, die bei der Berührung des Bohrers entstanden. Laut Teilnehmern der Untersuchung konnte das geschehen, weil es beim Bohren keinen Druck gab, was für Arbeiten im Weltall typisch ist.

    „Unser Sojus-Schiff steht am Modul Rasswet – direkt an der Schleuse mit dem US-Abschnitt der ISS“, sagte eine Quelle. „Der Zugang zu unserem Schiff ist nur nach Erlaubnis unseres Kommandeurs möglich. Dass die Amerikaner sich unerlaubt Zugang verschafften, kann nicht ausgeschlossen werden.“

    Die Roskosmos-Kommission findet folgende Version am wahrscheinlichsten: Die US-Astronauten haben das Leck in der Raumschiffkapsel absichtlich verursacht, um eine frühere Heimreise für einen kranken US-Astronauten zu provozieren. Die russische Behörde wandte sich bereits an die Nasa mit der Bitte, bei der Untersuchung Hilfe zu leisten. Es wurden die Videoaufnahmen sowie alle medizinischen Angaben der Astronauten angefragt. Die Chancen, sie zu erhalten, sind jedoch sehr gering, weil diese Informationen zum Arztgeheimnis gehören, so ein Experte.

    „Doch wenn sie sich weigern, zu helfen, werden irgendwelche Fragen über ihre Beteiligung am Vorfall bereits überflüssig sein“, so der Experte. Sollte sich diese Version bestätigen, werden schwierige Zeiten für die Raumfahrt beginnen. Diese Frage wird wahrscheinlich beim Treffen zwischen Roskosmos-Chef Rogosin und NASA-Chef Jim Brandenstein am 11. Oktober auf dem Kosmodrom Baikonur erörtert werden.

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    Tags:
    Sojus, die Internationale Raumstation ISS, NASA, Roskosmos, USA, Russland