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    Zehn Jahre mit Kreml-Blick im Fenster: Österreicher über sein Leben im Kulthaus

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    Von Nikolaj Jolkin
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    Das Österreichische Kulturforum und „Moskino“, das städtische Netzwerk von Kinos, die noch zu Sowjetzeiten gebaut worden sind und sich inzwischen zu kommunalen Kulturzentren entwickelt haben, haben in Moskau ein Filmprojekt gestartet. Sein Zweck ist, den Stadtbewohnern das informelle Moskau zu zeigen.

    Deshalb werden auf der Webseite iamthecity.moscow Amateurvideofilme zusammengetragen, die in verschiedenen Stadtbezirken, angefangen von späten 1980er Jahren bis heute gedreht wurden. Auf diese Weise wird ein Videobildnis der Stadt entstehen, gestaltet von ihren Bewohnern, eine Art private Geschichte Moskaus. Der Film soll Ende Oktober im Kinonetzwerk „Moskino“ anlaufen.

    Das Projekt „Ich bin Moskau“ lehnt sich an das Projekt des österreichischen Film-Museums „Am Rand: die Stadt“ an. Auf Filmband aufgenommene Familienchroniken, mit Smartphones gedrehte Videos und Aufnahmen von Überwachungskameras werden unter der künstlerischen Leitung von Gustav Deutsch und Hanna Schimek zu einer Dokumentarserie zusammengestellt, die davon handelt, wie sich Wien und seine Bürger in den letzten Jahrzehnten verändert haben.

    Jelisaweta Koslowa, die Regisseurin des geplanten Films, meint, „wenn einfache Leute sich oder alles, was sie um sich sehen, aufnehmen, dann entstehen innige Filme“. Sie rechnet damit, einige Tausend Arbeiten in Empfang zu nehmen. „Die Hauptsache ist, dass es nicht eine Million wird“, fügt sie lächelnd hinzu.

    Der Direktor des Österreichischen Kulturforums Moskau, Simon Mraz, ist der Meinung, dass es sich dabei nicht um eine Replik des Wiener Projekts handelt, sondern um die Produktion eines eigenen Moskauer Films, der ein Stückchen Moskauer Geschichte festhalten soll. „Es ist ja interessant, wie etwa in Moskau Schnee von Hochhäusern geräumt wird. Jetzt mag dies keiner beachten, in 50 Jahren wird es aber ein spannendes Bild sein, wie es jetzt spannend ist, den ersten Zeppelin über Wien zu beobachten.“

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    Moskau sei ein Stück seiner Heimat geworden, räumte er im Sputnik-Gespräch ein, weil er hier schon zehn Jahre lebe und die Entwicklung der Stadt miterleben könne. Seine Arbeit sei es aber, Österreich mit seinen Kunstideen, wie etwa dieses Filmprojekt, aber auch Künstler nach Moskau zu bringen. „Außerdem habe ich die Chance, viele interessante Leute in Moskau kennenzulernen, darunter auch junge Künstler. Es gibt hier immer etwas zu entdecken.“

    Nach den Lieblingsorten in Moskau gefragt, antwortete Simon Mraz, dass er Plätze möge, wo es Kunst gebe: die Tretjakow-Galerie, das Puschkin-Museum oder NIIDAR, das ehemalige Institut für Radio, wo Künstler günstige Ateliers mieten. In mehreren Fußgängerzonen bewundert er Straßencafés wie in Paris: „Sie gibt es nur, weil man die Gehsteige breiter gemacht hat.“

    Noch vor drei oder fünf Jahren sei man auf einem schmalen Betonstreifen gegangen, so Mraz, „und alles hat gehupt, und überall sind hundert Autos gestanden. Es gibt natürlich immer Stau in einer Großstadt. Wenn man hier aber lange Zeit lebt, merkt man, dass sich etwas verändert, besonders in Wohnbezirken, wo die meisten Menschen leben. Die Architektur der 60er, 70er oder 80er Jahre ist künstlerisch und kulturgeschichtlich interessant.“

    Mraz fährt fort: „Auch große Parks, wie der Gorki Park oder das Ausstellungsgelände WDNCh wurden mit großem Aufwand renoviert. Und dort gehen Tausende und aber Tausende Moskauer spazieren, weil es sehr schön ist. Eine große Entdeckung von mir ist aber, dass es in vielen Moskauer Wohnbezirken auch eigene schöne Grünanlagen gibt.“

    Das Haus an der Uferstraße (auch Haus am Kai) wurde 1928-1931 in Moskau direkt neben dem Kreml errichtet. Die Wohnungen waren für die Unterbringung von Regierungsmitgliedern, Parteifunktionären, hochrangigen Offizieren der Roten Armee, Künstlern und deren Familienmitgliedern vorgesehen. Während der Repressalien in den 1930er Jahren wurden Hunderte Hausbewohner verhaftet und zum großen Teil als Staatsfeinde hingerichtet. Die Ereignisse kamen in dem Buch „Das Haus an der Moskwa“ zum Ausdruck; Autor war Juri Trifonow, der Sohn eines der Opfer. Heute wird das Architekturdenkmal aus der Stalin-Ära immer noch als Wohnhaus genutzt.

    Gedenktafel für Artjom Mikojan Flugzeugkonstrukteur des weltberühmten MiG-Düsenjägers
    © Sputnik / Nikolaj Jolkin
    Gedenktafel für Artjom Mikojan Flugzeugkonstrukteur des weltberühmten MiG-Düsenjägers
    Gedenktafel für Michail Tuchatschewski, Marschall der Roten Armee, Vizeverteidigungsminister, wurde am 11. Juni 1937 neben weiteren hohen Militärs von einem Sondergericht in Moskau wegen der „Verschwörung“ gegen die sowjetische Machtspitze zum Tode verurteilt und hingerichtet.
    © Sputnik / Nikolaj Jolkin
    Gedenktafel für Michail Tuchatschewski, Marschall der Roten Armee, Vizeverteidigungsminister, wurde am 11. Juni 1937 neben weiteren hohen Militärs von einem Sondergericht in Moskau wegen der „Verschwörung“ gegen die sowjetische Machtspitze zum Tode verurteilt und hingerichtet.
    Gedenktafel für Alexander Alexandrow, Gründer des Gesangs- und Tanzensembles der Sowjetarmee.
    © Sputnik / Nikolaj Jolkin
    Gedenktafel für Alexander Alexandrow, Gründer des Gesangs- und Tanzensembles der Sowjetarmee.
    • Im Museum „Das Haus an der Moskwa“
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    Tags:
    Kulturaustausch, Film, Produktion, Kultur, Interview, Josef Stalin, Sowjetunion, UdSSR, Österreich, Moskau, Russland
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