07:21 16 Juni 2019
SNA Radio
    Sahra Wagenknecht (Die Linke)

    Brandt-Berater Müller: „Rot-rot-grün und Sahra Wagenknecht als Kanzlerin“

    © AP Photo / dpa / Britta Pedersen
    Interviews
    Zum Kurzlink
    Liudmila Kotlyarova
    3515231

    In der jüngsten YouGov-Umfrage von Anfang Juni hat sich die Mehrheit der Deutschen für eine Neuwahl des Bundestags ausgesprochen. Seitdem wird in der Bevölkerung weitgehend über eine Rot-Rot-Grüne Koalition spekuliert. Der Ex-Berater von Willy Brandt und Helmut Schmidt, Albrecht Müller, teilte Sputnik seine Wunschkonstellation mit.

    „Eine Fortsetzung der heutigen Koalition nach 2021 will niemand – nicht die Bürgerinnen und Bürger, nicht die Union – und wir Sozialdemokraten schon gar nicht“, hatte kürzlich Finanzminister Olaf Scholz (SPD) gesagt. Rund 52 Prozent stimmten bei der Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov für eine vorgezogene Neuwahl, wobei nur 27 Prozent sich eine Fortsetzung des Bündnisses von Union und SPD wünschten. Von den befragten SPD-WählerInnen sind sogar 58 Prozent für ein Ende der großen Koalition und nur 26 dagegen.

    >>> Andere Sputnik-Artikel: Wird Annalena Baerbock die nächste Kanzlerin? <<<

    Sollte die Neuwahl stattfinden, dann könnte sich der renommierte Politologe und Ex-SPD-Politiker Albrecht Müller auch ein rot-rot-grünes Bündnis vorstellen. „Die SPD hätte allerdings auf diese Idee noch 2005 kommen können, als sie noch eine Mehrheit hatte. Heutzutage ist es eher eine spielerische Variante“, sagt Müller gegenüber Sputnik.

    Jedoch schadet der SPD laut dem Experten die totale Profillosigkeit sowohl in der Sozialpolitik als auch bei Klimafragen. Es scheint aber doch etwas Gemeinsames selbst mit den Grünen zu geben. „Lange vor den Grünen hatte die SPD ein klares ökologisches Profil, das von Kanzler Schmidt  ab 1974 leider zerstört wurde“, erwähnt Müller. Die SPD sei einst eine Friedenspartei gewesen mit Profil "mehr Lebensqualität", dem wirtschaftlichen und zugleich klimafreundlichen Wachstum, in der ökologischen Erneuerung.

    Die Linken-Chefin Katja Kipping hat bereits erfreut auf die Debatte über Rot-Rot-Grün im Bund reagiert. „Ich freue mich, wenn sich die SPD mit uns auf diesen Weg begibt und würde es begrüßen, wenn sich nach den Grünen in Bremen auch die Grünen im Bund zu dieser Vision bekennen“, sagte Kipping dem „Handelsblatt“. Auch Sahra Wagenknecht, Fraktionschefin der Linken im Bundestag, sandte Koalitionssignale in Richtung der SPD.

    „Ich würde mir eine Einigung von SPD, Linken und Grünen wünschen und auch, dass dieses Bündnis dann Sahra Wagenknecht zur Spitzenkandidatin für die Kanzlerschaft machen würde. Dann gäbe es eine Erfolgschance“, sagt Müller weiter.

    Das wäre seiner Meinung nach dann der erste Schritt zur Vereinigung der SPD und der „Linken“, selbst wenn die heutigen Führungspersonen der SPD eher „von Grauen gepackt werden, wenn sie ihren Namen hören“. Laut Müller  reagieren sie da irrational. Der frühere SPD- und dann Linkspartei-Chef Oskar Lafontaine hat übrigens schon eine Fusion von Sozialdemokraten und Linkspartei befürwortet.

    >>> Andere Sputnik-Artikel: Richtung SPD: Wagenknecht sieht Chancen für eine Koalition im Bund <<<

    Liest man die Stellungnahmen der jungen Deutschen zum Austritt aus der SPD, fällt einem ein konkretes Argument besonders auf. Je mehr man sich mit den innerparteilichen Strukturen der SPD befasse, desto deutlicher werde es, wie viel Macht der konservative Seeheimer Kreis in der Partei habe, und dass es ihm wohl eher um Posten und Macht um jeden Preis gehe, so die Botschaft. Albrecht Müller stimmt da völlig zu. Es gebe vermutlich zu wenig Leute, denen es um die Inhalte gehe.

    Im kürzlichen Gespräch mit dem Journalist und Buchautor Gabor Steingart hat auch Sahra Wagenknecht betont, sie würde sich wünschen, dass in den einzelnen Parteien stärkere Persönlichkeiten wären, denen es zumindest auch um die Inhalte gehe. Was die heutige SPD angeht, würde Müller sich also eine progressive Partei mit Respekt zur Tradition und Wollen zum liberalen Recht, aber auch mit Zugewandtheit zu den "kleinen Leuten" und anderen Völkern wünschen. Die Regierung muss laut Müller auch ihre Zuwanderungspolitik mindestens in Bezug auf die EU korrigieren.

    „Wir können den anderen Völkern wie dem Balkan die gut ausgebildeten Leute nicht mehr wegnehmen, das ist unsolidarisch. Die SPD muss Europa solidarisch aufbauen lassen und dafür sorgen, dass wir in allen Ländern Wachstum und Fortschritt haben und nicht nur in Deutschland.“

    Alles andere wäre seiner Meinung nach egoistisch.

    >>>Andere Sputnik-Artikel: Fusion von SPD und Linke? Lafontaine gibt Richtung vor<<<

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Bevölkerung, Deutsche, Parteienlandschaft, Parteien, Deutschland, Rot-Rot-Grün, Bundesregierung, Koalition, SPD, Albrecht Müller, Oskar Lafontaine, Sahra Wagenknecht