19:13 08 Dezember 2019
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    „Kaiser“ Franz Beckenbauer exklusiv: „Fairness gegenüber allen Menschen“

    © AFP 2019 / Ina Fassbender
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    Am Rande des Internationalen Kindersozialprogramms von Gazproms „Football for Friendship“ in Madrid hat sich Sputnik mit der Fußball-Legende Franz Beckenbauer unterhalten, der in diesem Jahr als Hauptredner und Global Ambassador des Events auftrat.

    Vom 28. Mai bis 2. Juni fand in Madrid das internationale Kindersozialprojekt „Football for Friendship“ statt. Das von Gazprom realisierte Projekt fördert seit 2013 Kinder mit Hilfe mehrerer Sport- und Bildungsveranstaltungen. An dem Projekt nahmen Kinder und Jugendliche aus aller Welt teil, darunter auch Kinder mit geistigen oder körperlichen Behinderungen.

    Welche sozialen Prozesse beeinflussen den Profifußball heute am meisten? Ist bzw. kann Fußball zu einem Spiel der Chancengleichheit werden?

    Franz Beckenbauer: Im Vergleich zu früher ist im Fußball heutzutage sicherlich mehr Geld im Spiel, was einiges bewirkt hat. Doch man muss aufpassen, diese Entwicklung nicht zu übertreiben. Fußball ist ein Sport, bei dem jeder, egal welcher Herkunft, die gleichen Chancen hat, und deshalb soll es auch ein Spiel für Jedermann bleiben.

    Wie verändert sich die internationale Fußballwelt heute und was bestimmt die Zukunft dieses Sports?

    Die Fußballwelt steht im ständigen Wandel. Seit meiner aktiven Profikarriere hat sich bis heute sehr viel verändert – natürlich auch viel Positives. Aber in Zukunft muss es wieder mehr um den Fußball selbst, die Fans und die Sportler gehen.

    Was würden Sie an der Arbeit oder Struktur internationaler Fußballorganisationen ändern? Denken Sie, dass es im professionellen Fußball zu viel Druck gibt?

    Die Aufstellung des internationalen Fußballs kann sich im Großen und Ganzen sehen lassen. Sicherlich gibt es immer wieder gute Vorschläge, wie und was strukturell verändert werden könnte. Doch man sollte nicht zu viel verändern. Der Fußball ist ein Sport mit einfachen Regeln und soll auch weiterhin für alle verständlich und erlebbar bleiben.

    In welchen Ländern entwickeln sich Ihrer Meinung nach Sportarten und Fußball im Jugendbereich derzeit besonders aktiv?

    Gerade in den sogenannten Entwicklungsländern tut sich sehr viel im Fußball und dabei auch im Nachwuchsbereich. Früher haben die Großen alles dominiert. Heute kann auch immer eine vermeintlich kleine Nation die Großen schlagen. Der Abstand im Jugend- als auch im Spitzenfußball ist weltweit kleiner geworden.

    Warum widmet Ihrer Meinung nach fast jede Nation dem Fußball so viel Aufmerksamkeit? Warum ist dieses Spiel so beliebt?

    Fußball verbindet und ist sehr beliebt in der Bevölkerung, denn jeder versteht die Regeln. Zudem kann jeder den Sport aktiv ausüben, denn das Einzige was man zum Spielen braucht, ist ein Ball und ein Tor – sei es ein echtes oder auch nur ein markiertes mit beispielsweise zwei Schuhen. Dies macht den Fußball so beliebt.

    In der Tat sind die meisten Fußballvereine der Welt multinational. Haben Sie jemals als Spieler oder Trainer erlebt, dass dies die Zusammenarbeit erschwert hat, oder sprechen alle Spieler auf dem Fußballplatz sozusagen die gleiche Sprache?

    Beim professionellen Fußball spielt Verständigung untereinander natürlich eine wichtige Rolle. Doch der Fußball verbindet und darüber kann man sich verständigen, egal welche Sprache man spricht.  Genau das stellt auch F4F unter Beweis.

    Was ist Ihrer Meinung nach das Ziel des Programms Football for Friendship?

    Das F4F Projekt ermöglicht Jugendlichen aus verschiedenen Herkunftsländern und mit den unterschiedlichsten Sprachen, mittels des Sports gegenseitige Verständigung und Respekt trotz aller Unterschiede zu lernen. Bei "Football for Friendship" geht es auch darum, Kindern beizubringen, nationale und ethnische Grenzen zu überwinden, einen gesunden Lebenswandel zu pflegen, Teamwork zu schätzen sowie gemeinsam zu gewinnen und zu verlieren. Diese Werte Kindern aus der ganzen Welt zu vermitteln ist ein guter Zweck, den ich sehr gerne unterstütze.

    Wer hat die Herausbildung Ihrer Werte und Ihre Professionalität als junger Spieler beeinflusst? Haben Sie schon in der Kindheit Vorbilder/Sportidole gehabt?

    Früher war es um einiges schwieriger seinen Vorbildern zu folgen. Es gab nur wenige Informationen und im Vergleich zu heute natürlich auch nur sehr begrenzte Berichterstattung. Doch mein persönliches Vorbild war damals Fritz Walter, der Kapitän der deutschen Weltmeistermannschaft von 1954 in Bern, die das Finale völlig überraschend gegen Ungarn gewonnen hatte. Er war als Persönlichkeit nicht nur auf, sondern auch neben dem Platz ein wahres Vorbild.

    Welche menschlichen Qualitäten/Eigenschaften zeichnen einen herausragenden Kapitän und einen herausragenden Trainer aus, und unterscheiden sich diese Qualitäten?

    Es geht in beiden Funktionen vor allem um Teamwork. Der Trainer gibt die Strategie vor, der Kapitän setzt sie dann mit den Spielern auf dem Platz um. Der Trainer, der Kapitän und die Mannschaften können Erfolge jedoch nur immer gemeinsam durch enge Zusammenarbeit erreichen.

    Welche Gefühle haben Sie am häufigsten nach einem Match erlebt? Was ist Ihrer Meinung nach wichtiger: Kinder Selbstkritik oder Toleranz gegenüber sich selbst und ihren Kameraden zu vermitteln?

    Ich habe sowohl Siege als auch Niederlagen erlebt – beides gehört zum Fußball dazu. Damit verbunden sind natürlich unterschiedliche Gefühle. Selbstkritik ist dabei natürlich wichtig um sich stetig zu verbessern. Toleranz gegenüber seinen Mitspielern ist jedoch mindestens genauso wichtig, denn Fußball ist schließlich ein Mannschaftssport, in dem man Ziele nur gemeinsam erreichen kann und dies erfordert Respekt gegenüber allen Mitspielern.

    Was macht die deutsche Fußballnationalmannschaft seit vielen Jahren zu einer der stärksten Fußballmannschaften der Welt?

    Vor allem Kontinuität und ihre Mentalität macht sie stark. Natürlich gibt es immer mal wieder ein auf und ab, dies ist immer auch abhängig von den jeweiligen Generationen. Doch insgesamt sind die Deutschen mit ihrer gewissenhaften Art und ihrem Trainingsfleiß oft vorne mit dabei.

    Welche Werte des Football for Friendship Programs würden Sie für einen Profifußballer als am Wichtigsten betrachten?

    Das Programm vermittelt eine Vielzahl an bedeutenden Werten. Fairness gegenüber allen Menschen, nicht nur auf, sondern auch neben dem Platz halte ich jedoch für besonders wichtig.

    Welcher Spieler in der ganzen Fußballgeschichte hat Ihrer Meinung nach die Werte des Programms am besten verkörpert?

    Als ich damals zu Cosmos New York wechselte, durfte ich noch eine Saison gemeinsam mit Pelé spielen. Ich halte ihn nach wie vor nicht nur für den besten Fußballer aller Zeiten, sondern auch für ein echtes Vorbild und eine einzigartige Persönlichkeit.

    Jeder weiß, dass Profisport traumatisch ist. Ist es möglich, einem jungen Fußballer beizubringen, die Linie zu ziehen, an der ihn das Spiel physisch stärkt und wo dies nicht der Fall ist?

    Wie im echten Leben gibt es auch im Fußball Sieg und Niederlage. Gerade in emotionalen Situationen ist es jedoch nicht immer so einfach mit Niederlagen umzugehen – doch auch das muss man als Sportler lernen und geht im Zweifel gestärkt aus diesen Niederschlägen hervor.

    Welche Aufgaben sehen Sie für sich als Global Ambassador des Programms?

    Als weltweiter Botschafter des Projekts F4F möchte ich gerne die  Werte, die den Fußball ausmachen, wie etwa Fairness, Chancengleichheit, Leidenschaft und Toleranz gegenüber anderen an Kinder und Jugendlichen aus aller Welt weitergeben und hierfür die Kraft des Fußballs nutzen.

    * Die in diesem Artikel vorgebrachten Ansichten müssen nicht denen der Sputnik-Redaktion entsprechen.

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    RIA Novosti, Sputnik, Sport, Legende, Fußballer, Fußball, Nationalelf, Deutschland, Franz Beckenbauer