01:55 11 Dezember 2019
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    Irans Ölminister exklusiv: „Geistertankschiffe gibt es tatsächlich“

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    Am Rande der „Russischen energetischen Woche“ hat der iranische Ölminister Bijan Namdar Zangeneh in einem Exklusivinterview für Sputnik über alternative Wege für den Ölexport unter Umgehung der US-Sanktionen – jenseits der Straße von Hormus – gesprochen und die künftigen Ölpreise für die Brent-Sorte prognostiziert.

    - Die USA machen sich große Sorgen um die fehlende Transparenz der Wege, auf denen iranisches Öl transportiert wird, denn iranische Schiffe schalten angeblich ihre Transponder aus oder geben falsche Informationen über ihre Fracht an. Den Amerikanern zufolge verkauft der Iran unter Umgehung der internationalen Sanktionen sein Öl heimlich – mit „Geisterschiffen“. Stimmt das etwa? Setzt der Iran „Geistertanker“ ein?

    - Wir greifen auf alle möglichen Methoden zurück und tun alles, was für den Ölexport nötig ist – und geben nicht auf. Da sind alle Mittel gut. Es ist unser gutes Recht, unser Öl ins Ausland zu verkaufen.

    - Welche Pläne hat der Iran zur Entwicklung seiner Ölbranche? Der Leiter des Konzerns NIORDC kündigte an, dass im Norden des Landes, am Kaspischen Meer, Öl- und Chemiebetriebe gebaut werden. Iranische Umweltexperten warnen allerdings, dass die Situation mit den Abfällen in den am Kaspisee liegenden Provinzen inzwischen kritisch sei. Ist das wirklich so? Würde der Bau einer Ölraffinerie am Kaspisee nicht zu einer Umweltkatastrophe führen?

    - Wir haben keine große Nachfrage, was den Bau eines solchen Betriebs in der Nähe des Kaspischen Meeres betrifft. Denn dort wird vorerst kein Öl gewonnen. Außerdem können wir unwahrscheinlich Öl aus den südlichen Gebieten an das Kaspische Meer befördern. Deshalb ziehen wir es vor, neue Ölbetriebe im Süden des Landes zu bauen. Aber am Kaspisee planen wir den Bau von zwei Öl- und Chemiebetrieben, die sicher sein und allen Umweltanforderungen zu 100 Prozent entsprechen werden.

    Im Allgemeinen hat die Öl- und Chemieindustrie im Iran ein akzeptables Niveau erreicht – ihre Produkte bringen einen Erlös von etwa 18 Milliarden Dollar. Wir rechnen damit, dass die Einnahmen aus der Öl- und Chemiebranche in den kommenden zwei Jahren 25 Milliarden Dollar und in sechs Jahren 37 Milliarden Dollar jährlich erreichen werden.

    - Angesichts der angespannten Situation in der Straße von Hormus – des wichtigsten Ölexportwegs in der Welt – kündigte der Iran Mitte August an, dass er schon in zwei Jahren – also 2021 – sein Öl unter Umgehung der Straße von Hormus exportieren könnte. Könnten Sie über dieses Projekt ausführlicher berichten?

    - Ja, zu diesem Zweck bauen wir gerade ein neues Ölterminal in Makran, einem Stadtviertel von Dschask, dessen Exportkapazität bei einer Million Barrel pro Tag liegen wird. Im selben Bezirk wird auch eine Ölleitung gebaut. Wir hoffen, dass die Bauarbeiten mit Gottes Hilfe 2021 abgeschlossen werden, so dass das Projekt in Betrieb genommen wird.

    - Der Iran baut das alles aus eigener Kraft oder will er Investitionen heranziehen?

    - Wir setzen nur unsere eigenen Ressourcen ein, begrüßen aber auch Investitionen, unter anderem aus Russland.

    - Und was können Sie zu den Perspektiven der Preise für die Ölsorte Brent sagen? Wie ist Ihre Prognose?

    -  Niemand kann die Ölpreise vorhersagen. Was wir sagen, das sind alles nur Vermutungen. Die Ölpreise hängen vor allem von der Nachfrage und dem Angebot sowie von etlichen anderen Faktoren, unter anderem von der Politik und von sozialen Fragen ab. Die Brent-Sorte wird ungefähr auf demselben Niveau bleiben. Meines Erachtens wird es keinen großen Preisanstieg geben.

    - Und könnte der Iran auf den Markt irgendeine neue Ölsorte bringen, die mit der Zeit neben den Sorten Brent, WTI und Dubai Crude gehandelt werden könnte?

    - Nein, ich habe so etwas nie gesagt. Das ist ein sehr langer und umständlicher Prozess, bis das Öl seinen eigenen Standard bekommt. Es ist sehr schwer, das zu erreichen.

    Zum Abschluss teilte Bijan Namdar Zamgeneh bei der Frage nach iranischem Benzin mit, dass es Teheran gelungen sei, seine Abhängigkeit vom Ölexport zu überwinden – trotz der 2012 verhängten Sanktionen. Jetzt verkaufe die Islamische Republik wieder ihr Benzin ins Ausland. Der Export solle demnächst auf drei Millionen Tonnen monatlich aufgestockt werden.

    * Die in diesem Artikel vorgebrachten Ansichten müssen nicht denen der Sputnik-Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Ölexport, USA, Bijan Namdar Zangeneh, Öltanker, Iran