08:34 14 August 2020
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    Der israelische Außenminister Israel Katz hat im Vorfeld des Weltforums der Holocaust-Opfer in Jerusalem in einem Interview für RIA Novosti erzählt, dass man in seinem Land den Besuch des russischen Präsidenten Wladimir Putin hoch zu schätzen weiß, und versprochen, Versuche zur Heroisierung von Antisemiten zu bekämpfen.

    Zudem bewertete der die Koordinierung der bilateralen militärischen Aktivitäten in Syrien und erklärte, warum russischen Staatsbürgern oft die Einreise nach Israel verweigert wird.

    - Herr Minister, gibt es einen vereinigenden Faktor für Russland und Israel in ihrem gleichen Umgang mit den Ergebnissen des Zweiten Weltkriegs?

    - Israel schätzt die Rolle der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg hoch ein. Wir wissen und werden nie vergessen, dass die Rote Armee Auschwitz befreit hat. Wir legen viel Wert auch auf den Beitrag anderer Länder der Anti-Hitler-Koalition zum gemeinsamen Sieg. Wir vergessen nicht, dass an den damaligen Gefechten Hunderttausende Juden aus verschiedenen Ländern der Welt kämpften, unter anderem etwa eine halbe Million in den Reihen der Roten Armee. Zudem denken wir auch an jüdische Partisanen, an rebellierende Einwohner von Ghettos und Konzentrationslagern, wie auch an andere Teilnehmer der antifaschistischen Widerstandsbewegung.

    - In Jerusalem wird ein Denkmal für Opfer der Leningrad-Blockade eingeweiht. Was halten Sie davon?

    - Die Einweihungszeremonie findet am 23. Januar statt. Israel weiß die große Rolle der Roten Armee im Sieg gegen das faschistische Deutschland und in der Befreiung der Gefangenen von Auschwitz und anderen Konzentrationslagern hoch zu schätzen. Wir legen auch viel Wert auf die Teilnahme Präsident Putins an den Veranstaltungen zu diesem Jahrestag. Wir wissen von den Schrecken der Leningrad-Blockade und von der Riesenzahl ihrer Opfer, unter denen es auch viele Juden gab. Wir sind stolz, dass der russische Präsident Wladimir Putin und unser Ministerpräsident Benjamin Netanjahu in Jerusalem, unserer Hauptstadt, das Denkmal für die Opfer der Blockade sowie für die Verteidiger der Stadt an der Newa eröffnen werden.

    - Wie schätzen Sie die Beziehungen zwischen Russland und Israel ein? Wie  wichtig sind dabei die vertrauensvollen persönlichen Beziehungen zwischen Wladimir Putin und Benjamin Netanjahu?

    - Ich schätze die Entwicklung der Beziehungen zwischen Israel und Russland positiv ein. Die häufigen Besuche Premier Netanjahus in Moskau zeugen vom hohen Niveau der gegenseitigen Verständigung unserer Spitzenpolitiker und dementsprechend der Verständigung unserer Staaten und Völker.

    - Wie schätzen Sie das aktuelle Niveau des Antisemitismus in der Welt und in Europa ein?

    - Dass zu den Veranstaltungen zum 75. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz in Jerusalem Spitzenpolitiker von mehr als 40 Ländern kommen, ist ein deutliches Signal für die Position der internationalen Spitzenpolitiker gegen den Antisemitismus. Das ist auch die Erinnerung, dass die Vernichtung der Juden in Europa von der antisemitischen Propaganda der Nazis „eingeleitet“ wurde.

    - Was sagen Sie zu Versuchen zur Heroisierung von Politikern der Kriegszeit, die Juden töteten  der antisemitischen Ideologie folgten, die inzwischen in einigen Ländern Osteuropas zu beobachten sind?

    - Der Kampf gegen den Antisemitismus bildet das Fundament, auf dem der Staat Israel besteht. Auch 75 Jahre nach dem Holocaust sehen wir leider Äußerungen des Antisemitismus in der ganzen Welt. Wir werden gegen diese Erscheinungen und auch gegen Versuche zur Heroisierung antisemitischer Führer weiter kämpfen.

    - Welche Fragen finden Sie besonders akut für die aktuellen russisch-israelischen Beziehungen – auf Gebieten wie Politik, humanitäres Wesen und Sicherheit?

    - Es sind verschiedene Richtungen wichtig. Die Beziehungen zwischen unseren Staaten entwickeln sich auf vielen Gebieten. Unter anderem ist wichtig das Thema Tourismus zwischen Israel und Russland. Der Tourismus treibt die Wirtschaft unseres Landes voran und ist ein Faktor für Verbesserung der Verständigung unserer Völker. 2019 haben mehr als 320 000 russische Touristen Israel besucht. Für uns ist es wichtig, dass unsere ausländischen Gäste ihre Zeit in Israel möglichst genießen. Für uns ist auch wichtig, das Problem zu lösen, das mit dem illegalen Aufenthalt ausländischer, insbesondere russischer, Touristen in unserem Land verbunden ist. Solche Fälle werden in letzter Zeit immer häufiger registriert. Das ist der Hauptgrund, aus dem wir uns vergewissern müssen, dass die Russen zu uns tatsächlich als Touristen kommen. Falls wir Grund haben, zu vermuten, dass sie mit anderen Absichten kommen, müssen wir ihnen die Einreise verwehren. Genauso wie andere Länder, auch Russland, ergreifen wir Maßnahmen, um zu verhindern, dass nach Israel Ausländer kommen, um illegale Arbeitsmigranten zu werden. Es ist wichtig, dass unsere Länder auch in diesem Bereich einen erfolgreichen sachlichen Dialog führen und hoffentlich eine akzeptable Lösung finden werden, die diese Erscheinung beschränken und zur Entwicklung des Tourismus beitragen wird.

    - Wie ist das aktuelle Niveau des militärtechnischen Zusammenwirkens Israels und Russlands in Syrien?

    - Es gibt ein bestimmtes Systems zur Koordinierung der Aktivitäten, um Konfrontationen zwischen den Militärstrukturen Israels und Russlands in Syrien zu verhindern. Die Koordinierung erfolgt unter Kontrolle der Spitzenpolitiker beider Länder. Das ist eine sehr wichtige Kooperation im Interesse beider Seiten.

    - In Israel findet bald die Parlamentswahl statt. Werden die Beziehungen mit Russland nach Ihrer Auffassung nach der Wahl der neuen Knesset nachhaltig bleiben?

    - Ja. Die Beziehungen unserer Länder stützen sich auf den gegenseitigen Respekt und die gemeinsamen Interessen. Wichtig ist auch, dass es in Israel viele russischsprachige Bürger gibt. Sie tragen zu den engen kulturellen und historischen Verbindungen unserer Staaten und Völker bei.

    - Was sollte aus Ihrer Sicht getan werden, um die Entwicklung von Atomwaffen im Iran zu verhindern, die Teheran nach Auffassung der israelischen Militäraufklärung schon in einem Jahr bekommen könnte?

    - Am wichtigsten ist, den Iran auch weiter möglichst unter Druck zu halten. Wir werden es dem Iran nicht gestatten, seine eigenen Atomwaffen zu entwickeln. Wir lassen es nicht zu, dass Teheran in Syrien Fuß fasst und uns bedroht.

    * Die in diesem Artikel vorgebrachten Ansichten müssen nicht denen der Sputnik-Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Zweiter Weltkrieg, Holocaust, KZ Auschwitz-Birkenau, Auschwitz, Außenministerium Israels, Israel Katz