15:37 10 Juli 2020
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    Das Blutplasma von Menschen, die nach der Covid-19-Erkrankung wieder genesen sind, könnte das Leben anderer Patienten retten. Morena Colombi, die erste Frau, die im italienischen Brianza an Coronavirus erkrankt war und geheilt wurde, überlegte nicht lange, bevor sie ihr Plasma gespendet hat, um anderen Menschen zu helfen.

    In der aktuell kritischen Situation, in die Italien und die ganze Welt geraten sind, könnten und sollten gerade solche großen Gesten die Lage verbessern.

    Morena Colombi lebt unweit von Mailand, wo das Coronavirus besonders stark wütet. Sie wurde von Ärzten aus Bergamo aufgerufen, ihr Plasma zu spenden – für Patienten, deren Krankheit einen besonders schweren Verlauf nimmt. Während Forscher an einem Impfstoff gegen Covid-19 arbeiten, ist das Plasma der geheilten Patienten eines der zugänglichen Behandlungsmittel.

    Colombi sprach in ihrem Interview mit Sputnik über ihre eigene Erfahrung im Kampf gegen Covid-19 und auch darüber, wie das Plasma entnommen wird.

    - Wie verlief Ihre Coronavirus-Erkrankung?

    - Die ersten Symptome hatte ich am 14. Februar – ich hatte Schüttelfrost, fühlte mich sehr müde, hatte Halsschmerzen und Husten. Zunächst griff ich auf ganz übliche Arzneimittel zurück, aber die Symptome hielten an. Am 17. Februar suchte ich meinen Arzt auf, und auch er verschrieb mir übliche Medikamente gegen Grippe – das war erst der Anfang der ganzen Tragödie. Ich war eine der ersten Patientinnen mit dem Coronavirus in der Provinz Mailand.

    Am 20. Februar erreichte das Fieber 38,5 Grad, der Husten wurde stärker, und einen Tag später rief ich verschiedene Telefonnummern an, die man in der Notsituation anrufen kann. Ich erreichte aber niemanden – alle Linien waren besetzt. Deshalb rief ich ein Krankenhaus in Mailand an, in dem ich vor einigen Jahren mit einer sehr schweren Lungenentzündung behandelt worden war. Man schlug mir vor, in die Notaufnahme zu kommen, und deshalb begab ich mich in die Notaufnahme des Krankenhauses Treviglio. Ich arbeite bei einer Firma, deren Mitarbeiter oft ins Ausland reisen, und jemand von ihnen war gerade aus China zurückgekehrt. Im Krankenhaus beschloss man, dass ich dort bleiben sollte – und ich wurde in einem isolierten Zimmer untergebracht. In der Nacht wurden mir Blut- und Urinproben entnommen. Am selben Abend verlor ich den Geschmacks- und auch den Geruchssinn.

    - Und Ihr Coronavirus-Test war positiv, richtig?

    - Gegen 03.00 Uhr nachts kam meine Ärztin zu mir und sagte, mein Covid-19-Test sei positiv, so dass ich in die Infektionsabteilung eines Krankenhauses in Bergamo gebracht werde. In Bergamo verbrachte ich zwei Tage, mein Zustand blieb stabil, ich konnte relativ gut atmen, und so wurde ich wieder nach Hause geschickt, wo ich allerdings in Isolierung bleiben musste. Zwei Wochen später begann der „Resthusten“ bei mir, und ich hatte immer noch Fieber. Am 17. März rief man mich vom Krankenhaus in Bergamo an und fragte, ob ich wieder Blutproben abgeben könnte. Denn man wollte wissen, ob mein Plasma und meine Antikörper im Blut für die Behandlung anderer Corona-Patienten auf der Intensivstation verwendet werden könnten.

    - Wie wird das Plasma entnommen?

    - In die Leistenschlagader wird ein Katheter eingeführt, und es wird Blut entnommen und gefiltert (es werden das Plasma und die Antikörper entnommen) – und ohne das Plasma wieder in den Körper eingeführt. Die Operation verläuft unter Betäubung - tut also nicht weh. Eine Bluttransplantation ist nicht nötig. Mir wurden etwa 700 Milliliter Plasma entnommen. Dann wird der Katheter wieder entfernt und die Blutung wird gestoppt (es ist immerhin eine Arterie). Die ganze Operation dauert etwa vier Stunden. Am Ende hilft es, Menschenleben zu retten, damit sie die Intensivstation wieder verlassen können.

    - Bedeutet das, dass Menschen, die nach der Coronavirus-Erkrankung wieder gesund werden, andere Menschenleben retten können?

    - Ja, und das ist sehr wichtig. Ich habe auf meiner Facebook-Seite einen Aufruf veröffentlicht: Wenn Sie einen Anruf von Ärzten bekommen, stimmen Sie zu – das tut nicht weh. Sie werden nur vier Stunden im Krankenhaus verbringen, aber damit könnten Sie helfen, andere Leben zu retten. Die Menschen brauchen nach der Intensivbehandlung Antikörper, um das Virus zu bekämpfen.

    - Wie gelingt es der Regierung aus Ihrer Sicht, das Problem zu lösen?

    - In den vergangenen Wochen ziemlich gut, würde ich sagen. Möglicherweise hätte man diese Maßnahmen viel früher ergreifen müssen, um die jetzige Situation zu verhindern. Ich akzeptiere die Beschränkungen, auch wenn ich verstehe, wie schwer es ist, in den eigenen vier Wänden zu bleiben. Ich sitze schon seit dem 14. Februar zu Hause. Ich ging nur zum Einkaufen nach draußen, aber sonst bleibe ich schon seit zwei Monaten in den eigenen vier Wänden. Leider bleibt die Isolation aktuell unsere einzige Waffe, denn es gibt vorerst keine Impfstoffe, und wir wissen nicht, wer krank ist ohne Symptome zu haben. Ich denke, man sollte alle Einwohner auf das Coronavirus testen, um zu erfahren, wer sich angesteckt hat. Diese Krankheit tötet sehr schnell die Lunge. Und das Alter der Patienten spielt keine so große Rolle.

    - Was möchten Sie vielleicht zum Abschluss sagen?

    - Die soziale Isolierung ist enorm wichtig, auch wenn sie für uns Menschen untypisch ist. Sie ist dringend nötig, wenn wir das Problem lösen wollen, wenn wir den Ärzten in der ganzen Welt helfen wollen. Die Krankenhäuser sind überfüllt, es mangelt an Personal. Wir sollten uns an die Empfehlungen, die wir bekommen, halten. Und wenn man Sie bittet, Ihr Plasma zu spenden, dann stimmen Sie bitte zu! Das tut nicht weh, glauben Sie mir – und ich habe große Angst vor Spritzen. Denn so können Sie anderen helfen.

    * Die in diesem Artikel vorgebrachten Ansichten müssen nicht denen der Sputnik-Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Plasma, Coronavirus, Italien