23:00 11 Juli 2020
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    Die Gastronomie, der Einzelhandel und andere Geschäfte leiden unter den Corona-Beschränkungen. In Berlin bieten ein paar Freiwillige auf der Online-Plattform „helfen.berlin“ deswegen Gutscheine für „Lieblingsorte“ an. In unter vier Wochen ist dabei die Summe von einer Million Euro zusammengekommen. Ein Gespräch mit Gründer Karsten Kossatz.

    - Karsten, wir haben vor circa drei Wochen gesprochen, wie geht es den Berliner Ladenbetreibern im Shutdown?

    Es ist eine Durststrecke. Die laufenden Kosten gehen weiter und so langsam wollen alle wieder öffnen und die Stammgäste wollen auch so langsam wieder Sachen von ihren Lieblingsorten haben. Viele beginnen auch mit dem Außerhausverkauf, oder mit der Lieferung. Bei einigen Buchläden kann man jetzt Bücher bestellen, die dann geliefert werden oder vor die Tür gelegt werden. Da sind die Lieblingsorte ganz erfinderisch, merken wir gerade.

    - Erzähl uns doch mal: Was ist seitdem passiert bei euch auf helfen.berlin passiert?

    Als wir vor nicht mal vier Wochen an den Start gegangen sind, hatten wir uns als internes Ziel gesetzt: Wenn wir 20.000 Euro für unsere Lieblingsorte zusammen kriegen, dann klingt das nach viel und dann ist das ein Erfolg unserer Aktion. Inzwischen haben die Berlinerinnen und Berliner mehr als eine Million Euro in Gutscheine für ihre Lieblingsorte investiert. Das ist einfach so unglaublich viel Geld und unglaublich viel Unterstützung. Man kann nur sagen, dass wir in einer extrem tollen und solidarischen Stadt leben. Wir hätten es nie im Leben für möglich gehalten, dass das Ganze so erfolgreich wird.

    ​- Das ist eine Menge Geld, bei fast 2400 Orten circa 415 Euro pro Lokal, aber so gleich wird das Geld nicht verteilt sein, wie groß ist da die Spanne?

    Die Spanne ist tatsächlich relativ groß. Unsere Aktion lebt nur dadurch, dass die Lieblingsorte auch ihren Stammkunden und Stammgästen sagen, dass man jetzt Gutscheine für sie kaufen kann. Das machen eben viele auch nicht. Es gibt aber auch einige, die das hervorragend machen, die konnten teilweise tatsächlich einige tausend Euro zusammenbringen. Andere sind sehr zurückhaltend mit ihrer Kommunikation und verkaufen dann auch nichts, oder nur sehr wenig. Wir können auf unserer Plattform tatsächlich nur das Angebot dafür schaffen und am Ende muss das jeder selbst so aktiv wie möglich für sich bewerben.

    - Darfst Du über die Spitzenreiter reden oder verstößt Du denn gegen das Steuergeheimnis?

    Ich kann vor allem sagen, dass es Restaurants sind, die da Spitzenreiter sind. Das sind vor allem Restaurants, die sich schnell gekümmert haben, die ihre Pressekontakte haben spielen lassen, über die berichtet wurde, die auch auf Social Media ganz aktiv waren und das eben allen ihren Stammgästen gesagt haben. Es gibt aber auch einige Clubs, die natürlich dadurch, dass sie so viele Geringspender haben, trotzdem relativ weit vorne sind

    - Wie ist denn da die Reaktion, wenn Ihr sagt: „Hier, wir haben wieder Geld für Euch gesammelt?“

    Die sind auf jeden Fall extrem dankbar, dafür, dass sie jetzt eben Liquidität bekommen. Sind dann natürlich ihren Stammkunden und Stammgästen dankbar und werden das natürlich in der Zukunft zum Ausdruck bringen, wenn die dann diese Gutscheine einlösen. Das sind genau die Leute, die eben zur Rettung dieser Lieblingsorte beigetragen haben. Das ist wahnsinnig schön und vor allem ist es auch ein psychologisches Zeichen, welches an die Lieblingsorte gesendet wird, dass wir sie brauchen, und dass wir nicht wollen, dass sie aufgeben in dieser schweren Zeit.

    - Aber es wird nicht erwartet, dass die Restaurants dann die ersten zwei Wochen nach dem Shutdown nur für Gutscheine arbeiten müssen?

    Davon gehe ich nicht aus. Im Moment redet man ja viel über ‚flatten the curve‘. Ich glaube das kann man auch auf die Gutscheine beziehen. Einige Gutscheine werden tatsächlich nie eingelöst werden und die anderen werden einfach peu à peu eintrudeln. Das heißt, dass die Lieblingsorte über ein paar Monate Umsatzeinbußen haben werden, was aber längst nicht so schlimm ist, wie über ein paar Monate gar kein Einkommen zu haben.

    - Wegen „Flatten the Curve“: Am Mittwoch beraten Kanzlerin Merkel und die Länderchefs über eine Lockerung der Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen, wie blickt Ihr in die Zukunft?

    Ich kann da so wenig wie alle anderen in die Zukunft blicken. Mich würde es aber tatsächlich freuen, wenn wir ab der nächsten Woche eine schrittweise Lockerung bekämen. Man muss es aber einfach auch so sehen, die sprechen da mit den absoluten Experten und die Empfehlungen dieser Experten, die wiegen sehr schwer und es ist auch wichtig, dass man sich daranhält, weil wir das nur gemeinsam so schaffen können. Wenn wir mal der Dinge harren, die da so kommen und abwarten was die Experten sagen.

     

    Das komplette Interview mit Karsten Kossatz zum Nachhören:

    * Die in diesem Artikel vorgebrachten Ansichten müssen nicht denen der Sputnik-Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Nachtclub, Gastronomie, Shutdown, Wirtschaft, Covid-19, Coronavirus, Berlin