12:16 31 Oktober 2020
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    Marlene Kaplan ist ehemaliger Rettungshelfer und heute Mediziner an einer New Yorker Klinik, das Covid-19-Erkrankte behandelt. Mitte März wurde er selbst infiziert und verabschiedete sich per Botschaft von seinen Kindern, weil er zu diesem Zeitpunkt nicht sicher war, ob er die Lungenerkrankung überleben wird. RIA Novosti hat mit ihm gesprochen.

    In dem Interview spricht Kaplan über den Verlauf der Krankheit, das Risiko einer erneuten Infizierung, über prognostizierte Opferzahlen, warum das Virus für Menschen mit einer starken Immunität gefährlicher sein könnte, ob Masken helfen und ob man Alkohol als Vorbeugungsmaßnahme konsumieren soll.

    - Einige Ärzte sind der Meinung, dass die Corona-Epidemie in den USA ihren Höhepunkt erreicht hat. Teilen Sie diese Meinung?

    - Ich bin mir sicher, dass der Höhepunkt entweder erst begonnen hat oder demnächst kommen wird.

    - Warum sind Sie dieser Ansicht?

    - Ich gehe von der Zahl der bevorstehenden Infizierten aus. Gewöhnlich kommen die mit stärkeren Covid-19-Symptomen ins Krankenhaus. Es sind immer mehr Menschen, die im Krankenhaus gegen die Infektion kämpfen und sterben. Zudem sterben Menschen, die trotz schweren Verläufen zu Hause bleiben, die nicht ins Krankenhaus gelangen konnten.

    Ich denke, dass uns noch viele Tode bevorstehen.

    - Ich weiß, dass Sie auch krank waren…

    - Ja, am 16. März bekam ich Symptome.

    - Wo und wie haben Sie sich mit dem Coronavirus angesteckt?

    - Ich arbeitete im Krankenhaus. In der Woche vor dem 16. März war alles gut. Wir bekamen Patienten, bei denen wir Temperatur, Blutdruck, Puls maßen, alles war in Ordnung. Doch es stellte sich heraus, dass Menschen ansteckend sein können, bevor sie ernsthafte Symptome bekommen. Wir hatten zumindest einen Patienten, der in Ordnung war, ohne Maske mit uns redete. Es gab sehr nette Patienten, sie kauften Kaffee für uns. Und nach ein bzw. zwei Tagen erfuhren wir, dass sie schon mit Corona-Symptomen in einem anderen Krankenhaus und positiv getestet worden waren.

    So wurden wir vielleicht von Patienten infiziert, die während unserer Begegnung selbst nicht wussten, dass sie infiziert waren.

    - Können Sie Ihre Symptome beschreiben? Wie verlief die Krankheit?

    - Am ersten Tag hatte ich morgens Bauchschmerzen, fühlte mich nicht wohl. Ich wusste nicht genau, was der Grund war. Ich dachte, ich habe etwa falsches gegessen. Ich hatte Schmerzen, aber sie waren nicht besonders stark. Ich maß die Temperatur, es waren 37-37,5 Grad. Ich ging ins Bett. Am nächsten Tag hatte ich meine Schicht. Gegen 23:30 Uhr bin ich aufgewacht, ich zitterte, klapperte mit den Zähnen. Die Temperatur war auf 39,5 Grad gestiegen.

    Ich rief bei meiner Arbeit an und sagte, dass ich Fieber habe und nicht zur Arbeit komme. Mein Chef sagte: „Komm´ nicht, geh´ in die Notfallstation und mache einen Covid-19-Test.“

    Drei Tage lang hatte ich Fieber. Nach sechs Stunden wirkten die fiebersenkenden Mittel nicht mehr, die Temperatur stieg wieder auf 39-39,5 Grad. Am dritten Tag sank die Temperatur auf 38-38,5. Doch zugleich spürte ich etwas höher von der Rückenmitte unglaublich starke Schmerzen. Als ob mich jemand mit einem Baseballschläger geschlagen hätte. Ich ging durch die Wohnung, stützte mich an Wänden und Möbeln ab, um nicht zu fallen. Am vierten Tag sank die Temperatur auf 38 Grad. Ich nahm keine fiebersenkenden Mittel mehr ein, dachte, es ist nicht mehr nötig. Die Rückenschmerzen waren nicht mehr so stark. Doch an dem Tag verlor ich komplett den Geruchs- und Geschmacksinn. Ich hätte eine Zwiebel nicht von einem Apfel bzw. Knoblauch unterscheiden können. Ich schmeckte und roch nichts.

    Am fünften Tag sank die Temperatur auf 37-37,3 Grad. Die Rückenschmerzen wurden durch Brustkorbschmerzen abgelöst. Jedes Mal, wenn die Schmerzen kamen, hatte ich das Gefühl, als ob mir jemand in den Bauch schlägt, mir stockte der Atem. Ich hatte kein Fieber mehr. Allerdings begann ich, das Antibiotikum Azithromycineinzunehmen, weil mein Immunsystem erschöpft war. Es hat zwar nicht gegen das Virus geholfen, doch ich nahm es ein, um keine sekundäre Infektion zu bekommen, weil die Immunität zu schwach war.

    Vom fünften bis zum siebten Tag kamen die Schmerzen wellenartig. Am siebten Tag war ich sehr erschöpft wegen der Versuche, normal zu atmen. Seit drei Tagen hatte ich Atemprobleme. Ich bemerkte beim Gang von der Küche ins Zimmer, dass ich für einen Augenblick mein Bewusstsein verlor und beinahe gegen die Wand geknallt wäre. Als das geschah, nahm ich den Pulsoxymeter, den ich zu Hause hatte, und sah, dass die Sauerstoffsättigung bei 88-89 Prozent lag, das ist zu wenig. Der Puls lag bei 100; das ist sehr viel für mich, gewöhnlich sind es knapp unter 60 – ich treibe Sport. Ich konnte nicht einatmen. Ich spürte, dass es mir schlechter ging und rief die Ambulanz. Sie legten mir eine Sauerstoffmaske an, machten Bluttest, Fluorographie. Auf den Bildern waren Abschnitte mit Infiltraten zu sehen, was gewöhnlich bei Pneumonie vorkommt. Ich hatte also eine Lungenentzündung. Ich verbrachte die Nacht im Krankenhaus.

    Am achten Tag wurde geprüft, wie ich im Raum normal atme. Das Niveau lag bei 95-96 Prozent. Ich wurde nach Hause geschickt, mir wurde gesagt, dass ich keiner Gefahr ausgesetzt bin. Zu Hause versuchte ich, mich nicht übermäßig zu belasten und die ganze Zeit zu schonen. Am neunten Tag ging es mir viel besser. Der Geruchs- und Geschmacksinn kam zurück. Am zehnten Tag hatte ich keine Symptome mehr. Vom 11. bis 13. Tag kam die Kraft wieder. Am 14. Tag ging ich zur Arbeit.

    - Hatten Sie in Ihrem Berufsleben schon mit Krankheiten zu tun, die sich ähnlich verhalten?

    - Es ähnelt einer bakteriellen Pneumonie. In schweren Fällen sammelt sich Flüssigkeit in den Lungen. Das ähnelt also einem schweren Pneumonie-Fall.

    - Soweit ich weiß, haben Sie ihren Verwandten eine Abschiedsbotschaft geschickt, als Sie im Krankenhaus waren. Wann haben Sie beschlossen, das zu tun?

    - Ein Kollege erkrankte ein paar Tage früher als ich. Wir hatten wohl Kontakt mit ein und demselben Patienten. Er ist bis heute an einem künstlichen Beatmungsgerät angeschlossen. Es geht ihm tatsächlich sehr schlecht. Hoffentlich wird er das überstehen (zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Interviews war dieser Mensch gestorben – Anm. d. Red.).

    Ich wusste, dass er an das Beatmungsgerät angeschlossen ist, als ich ins Krankenhaus ging. Zudem kenne ich die Regeln – wenn mein Sauerstoffniveau nicht höher und die Atemfrequenz nicht besser wird, sollte man mich mit einem Gerät beatmen. Ich wusste, dass so etwas möglich ist. Bevor sich mein Zustand stabilisiert hatte, beschloss ich, eine Botschaft an meine Familie, meine Kinder zu schreiben, zu sagen, dass ich sie liebe. Denn wenn ich ans Beatmungsgerät angeschlossen würde, weiß ich nicht, wie lange das gedauert hätte und ob ich noch die Chance gehabt hätte, mit ihnen zu sprechen.

    Ich hatte Glück.

    - Wie alt sind Sie?

    - Ich bin 38 Jahre alt. Ich bin physisch aktiv, treibe Sport. Früher war ich Rettungshelfer. Ich schwimme gern. Ich hatte keine gesundheitlichen Probleme.

    - Was Sie da erzählen, flößt Angst ein. Man sagt, dass von dem Coronavirus vor allem deutlich ältere Menschen bedroht sind…

    - Das stimmt. Doch das Problem besteht darin, dass bislang nicht ganz klar ist, warum einige junge Menschen nur leichte Symptome und andere Ateminsuffizienz haben. Wir wissen nicht, warum einige in leichter Form reagieren. Wir wissen, dass das irgendwie damit verbunden ist, wie aktiv das Immunsystem reagiert. Falls die Immunantwort zu aktiv ist, vernichtet das Immunsystem nicht nur das Virus, sondern auch ihre Gesundheit.

    Einige junge Menschen haben eine erhöhte Immunreaktion, und sie brauchen Sauerstoffunterstützung. Das ist wie eine Lotterie – man kann nicht im Voraus sagen, wer wie reagieren wird. 

    - Wie alt sind die Covid-19-Patienten in Ihrem Krankenhaus?

    - Unser Krankenhaus befindet sich in einem Stadtteil mit einem sehr hohen Anteil an älteren Menschen. Im Ganzen lag das durchschnittliche Alter der Patienten in unserem Krankenhaus auch vor der Corona-Pandemie bei mehr als 70 Jahren. Die meisten Menschen, die Beatmungsgeräte brauchen, und die meisten Covid-19-Opfer sind älter als 55 Jahre. Doch es gibt Menschen, die früher nie in Krankenhäusern waren, keine gesundheitlichen Probleme hatten. In die Notfallstation kommen sehr viele junge Menschen. Sie bekommen Sauerstoff, und nach einer Nacht fühlen sie sich besser, wie es bei mir der Fall war, und sie werden aus dem Krankenhaus entlassen.

    - Wie alt war der jüngste Corona-Patient auf der Intensivstation?

    - Ich denke, vor rund einer Woche habe ich von einem Patienten im Alter von 41 Jahren gehört.

    - New Yorks Bürgermeister sagte vor kurzem, dass die meisten Corona-Tode in der Stadt auf die lateinamerikanische Bevölkerung entfallen, gefolgt von Afroamerikanern, Weißen und Asiaten. Was sagen Sie dazu?

    - Ich denke, da gibt es einige Gründe. Einer davon ist das Milieu. Menschen können in einem bestimmten Milieu mehr gesundheitliche Probleme im Ganzen haben. In diesen Communities kann das Essen schlechter sein, die Bevölkerungsdichte kann höher sein. Mehr Familienmitglieder in einer Wohnung. Das heißt auch, dass mehr Menschen infiziert werden. Es ist schwer, das eindeutig zu sagen. Es gibt einen weiteren Fakt: Dieses Coronavirus ist tatsächlich sehr neuartig für uns. Wir müssen noch verstehen lernen, warum genau es für die einen im Unterschied zu den anderen so viel verheerender ist.

    - Den Behörden zufolge sollen im US-Bundesstaat New York laut einer Prognose rund 16.000 Menschen an Covid-19 sterben. Wie würden Sie diese Einschätzung kommentieren?

    - Ich denke, dass 16.000 eine sehr optimistische Zahl ist. Ich denke, dass es etwa das Dreifache mehr sein wird. Der Grund ist, dass Menschen sekundäre Gesundheitsprobleme bekommen. Die Organe werden während der Krankheit unter massivem Stress gesetzt, so dass neue Probleme entstehen. Die tägliche Todesrate zeigt, dass die Zahl von 16.000 wahrscheinlich in den nächsten Tagen erreicht wird.

    - Vielleicht wäre es nützlich, starken Alkohol als Vorbeugungsmaßnahme einzunehmen?

    - Man muss alle Risiken abwägen. Das Coronavirus, wie auch jede andere Krankheit, belastet alle unsere Organe. Und während Ihr Organismus kämpft, wird Ihre Leber schwer belastet, indem sie die Nebenprodukte dieses Kampfes filtert. Wollen Sie Ihre Leber zusätzlich belasten? Ja, wenn Sie Alkohol einnehmen, desinfizieren Sie ihren Mundraum und möglicherweise Ihren Hals, doch das ist das einzige, was desinfiziert wird. Spirituosen können nicht Ihre Lungen desinfizieren. Am besten sollte man nur mit im Wasser aufgelöster Soda gurgeln.

    - Ich verstehe, dass dies möglicherweise nicht Ihr Fachgebiet ist, aber trotzdem: Wissen Sie etwas darüber, wie neue Medikamente zwecks Behandlung der wegen des Coronavirus ausgelösten Lungenentzündung getestet werden?

    - Hauptsächlich werden dabei Hydroxychloroquin und Azithromycin verwendet – das habe ich eingenommen. Es gibt auch Anti-Virus-Mittel, die bei der HIV-Behandlung eingesetzt werden. Weiter gibt es ein neues Anti-Parasiten-Mittel, dessen mögliche Verwendung gerade erwogen wird. Und zudem gibt es Arzneien, die Anti-Entzündungs-Präparaten ähnlich sind. Alle diese Mittel testen wir. Verschiedene Krankenhäuser testen verschiedene Präparate an verschiedenen Menschen, in verschiedenen Situationen. Im Allgemeinen müssen wir herausfinden, welche Methodik den besten Effekt haben wird. Also verwenden wir aktuell vor allem Hydroxychloroquin, das ein Anti-Malaria-Medikament ist, in Kombination mit Zithromax und großen Multivitamin-Dosen. Die meisten Patienten werden so behandelt.

    Dennoch gab es bei uns auch solche Fälle, bei denen diese Behandlung kaum Erfolg hat. Dann setzen wir Anti-HIV-Arzneien ein. Meines Erachtens werden wir auch Anti-Parasiten-Medikamente verwenden, sobald wir die Zustimmung der Sanitätsaufsichtsbehörde bekommen. Wir müssen von ihr „grünes Licht“ bekommen.

    - Wie sieht die Situation um die Verwendung des Plasmas der Menschen aus, die die Corona-Infektion überstanden haben?

    - Ich habe bereits mein Plasma gespendet. Das ist leider ein langer Prozess. Zunächst muss bestätigt werden, dass Sie krank waren, und zwar genau Covid-19-krank. Dann kommen Sie in ein spezialisiertes Zentrum und geben Ihr Blut ab, damit die Ärzte den Antikörperspiegel überprüfen. Denn es könnte auch sein, dass die Konzentration der Antikörper in Ihrem Organismus zu gering ist. Dann ruft man Sie an und lädt Sie ein, Ihr Blut zu spenden, falls Ihr Antikörperspiegel hoch genug ist.

    Diese Behandlungsmethode wurde früher bei anderen Virusinfektionen verwendet, und die Ergebnisse waren positiv. Manche Ärzte behaupten, diese Behandlung sei auch jetzt erfolgreich.

    Egal wie, aber ich denke, dass Menschen im kritischen Zustand, deren Lungen schwer beschädigt sind, selbst diese Therapie kaum helfen wird. Sie wird möglicherweise denjenigen helfen, bei denen gemäßigte oder auch schwere Symptome vorhanden sind, damit ihr Zustand nicht kritisch wird. Aber ich denke nicht, dass diese Therapie bei kritischen Patienten erfolgreich wird.

    - Besteht die Wahrscheinlichkeit, dass ein Patient, der die Covid-19-Infektion überstanden hat, wieder krank wird?

    - Es gibt zwei Theorien. Laut der ersten gibt es Menschen, die sich wieder anstecken. Die erneute Ansteckung bedeutet, dass Sie bereinigt sind, dass Sie kein Virus mehr in Ihrem Organismus haben. Doch dann kommen Sie wieder in Kontakt mit kranken Menschen und stecken sich erneut an. Das ist zwar sehr unwahrscheinlich, besonders wenn Sie entsprechende Antikörper haben. Theoretisch ist das in einer einmaligen Situation möglich, wenn Sie eine gewisse Menge Antikörper haben, aber Ihr Immunsystem sich noch nicht erholt hat und immer noch schwach ist. Und falls Sie mit einer enorm großen Virenmenge konfrontiert werden (wenn beispielsweise jemand neben ihnen gehustet oder geniest hat), stecken Sie sich wieder an.

    Aber viel wahrscheinlicher ist die zweite Theorie, die darin besteht, dass Menschen wieder gesund werden und entsprechende Antikörper haben. Ihr Immunsystem ist schwach, der Organismus ist erst dabei, sich zu erholen, aber in ihrem Körper gibt es immer noch ein aktives Virus. Sie denken, dass sie wieder gesund sind und verhalten sich wieder wie früher, werden dabei Stress ausgesetzt wegen der Arbeit, wobei ihr Immunsystem noch nicht bereit ist. Und dann vermehrt sich das Virus wieder in ihrem Organismus – und es treten wieder dieselben Symptome auf.

    - Gab es in Ihrem Krankenhaus solche Fälle?

    - Vorerst nicht, aber viele Spezialisten glauben, dass dieses Szenario durchaus wahrscheinlich ist.

    - Mangelt es Ihrem Krankenhaus an irgendwelchen Schutzmitteln?

    - Ich würde sagen, wir haben alles, aber die Vorräte sind eher gering. Wir verlassen uns auf wöchentliche Lieferungen, dank denen wir alle erforderlichen Schutzelemente bekommen.

    - Also müssen Sie keine Mülltüten statt ihrer Arztkittel tragen, wie das auf einem Bild im Internet zu sehen war?

    - Unsere Krankenschwestern kümmern sich um viele Patienten und müssen immer Schutzmittel tragen. Auch unsere Ärzte müssen individuelle Schutzmittel anhaben. Aber alle anderen Mitarbeiter brauchen diese Ausrüstung nicht. Das Virus verbreitet sich durch Tröpfchen, die in eine gewisse Entfernung fliegen. Deshalb muss man nicht die ganze Zeit Schutzmittel tragen und sie damit verschwenden. Wir überlassen bestimmte Schutzmittel bestimmten Spezialisten.

    - Man sagt, wenn man nicht krank ist, wird die Schutzmaske nicht helfen, so dass man sich trotzdem anstecken kann. Stimmt das?

    - Die einzige Schutzmaske, die in diesem Fall wirklich helfen kann, ist die Maske N95. Zudem muss man auch die Augen schützen, denn das Virus kann auch durch die Augen in den Organismus geraten. Übliche Masken sind nicht ideal. Falls Sie mit jemandem im selben Fahrstuhl fahren, der Corona-infiziert ist, und diese Person hustet oder niest, dann wird Ihnen eine solche Maske nicht helfen. Aber wenn Sie die Maske N95 anhaben, werden Sie diese Tröpfchen nicht einatmen – die N95-Maske wird sie stoppen.

    - Stimmt es, dass manche Krankenhäuser im Bundesstaat New York ihren Mitarbeitern verbieten, jegliche Kommentare zur Situation um das Coronavirus abzugeben?

    - In unserem Land herrscht absolute Meinungsfreiheit. Sie brauchen sich keine Sorgen zu machen, dass Sie etwas falsch gesagt haben. Bei uns gibt es das Recht auf Information. Es gibt nur einen Punkt: Wir müssen auf Vertraulichkeit im Sinne des Gesetzes über Mobilität und Rechenschaftspflicht des Krankenversicherungswesens (HIPAA) achten. Wir müssen garantieren, dass die persönlichen Daten jedes infizierten Patienten in Sicherheit bleiben. Wir müssen garantieren, dass wir keine Einzelheiten dazu veröffentlichen. Abgesehen von diesem Moment, brauchen Sie keine Angst um Ihre Äußerungen zu haben. Solange Sie keine vertraulichen Daten der Patienten veröffentlichen, droht Ihnen nichts.

    - Was könnten Sie Ihren Kollegen in Russland empfehlen, die gegen das Coronavirus kämpfen?

    - Alle Ärzte, die an der vordersten Front kämpfen, müssen möglichst auf entsprechende Schutzmittel zurückgreifen. Sie müssen vom ganzen Hilfspersonal, selbst von Putzfrauen, unterstützt werden.

    Was mein persönliches Beispiel angeht, so wurde ich krank und konnte zwei Wochen lang nicht arbeiten. Ich blieb zwei Wochen lang nutzlos. Falls bei Ihnen zu viele Mitarbeiter, die an der vorderen Front kämpfen, auf einmal für zwei Wochen außer Gefecht geraten, wird das Gesundheitssystem, das sich jetzt ohnehin im Stress befindet, einer noch größeren Belastung ausgesetzt. Dann könnten die Verluste wahnsinnig groß werden, weil es plötzlich an Ärzten mangelt. Die Ärzte müssen mit erforderlicher Ausrüstung und mit erforderlichen Mitteln versorgt werden. Sie müssen maximal unterstützt werden. Wir haben sogar eine Telefonnummer, die wir anrufen können, damit wir mit jemandem sprechen können, falls wir psychologische Probleme haben. Also brauchen auch Ärzte psychologische Unterstützung. Möglicherweise brauchen sie auch Hilfe bei der Lebensmittelversorgung. Ich bin tagsüber so beschäftigt, dass ich manchmal einfach vergesse, etwas zu essen oder sogar zu trinken.

    - Wie oft essen Sie am Tag?

    - Ich denke, zweimal. Ich versuche, nicht zu viel zu essen. Wenn ich weiß, dass ich an Corona erkrankte Patienten besuchen muss, will ich, ehrlich gesagt, überhaupt nichts essen. Denn irgendein Teil von mir begreift, dass das Virus überall sein kann. Deshalb versuche ich immerkonzentrierte Nahrung aufzunehmen. Zudem nehme ich viele Nahrungszusätze und Vitamine ein.

    - Was könnten Sie den russischen Behörden raten?

    - Diejenigen zu schützen, die an der vorderen Front kämpfen. Die Quarantäneregeln einzuhalten. Falls Menschen einkaufen oder in die Apotheke gehen, sollten sie Schutzmasken tragen. Eine übliche Maske hilft ihnen nicht, falls jemand nebenan hustet oder niest. Aber wenn Sie selbst husten oder niesen, dann wird die Maske den größten Teil Ihres Speichels stoppen. Wenn Sie die Schutzmaske aufsetzen, schützen Sie andere Menschen.

    Möglicherweise sollten Menschen intensiver informiert werden, wie sie Lebensmittel desinfizieren können, wie sie die Hände richtig waschen sollen. Viele wissen ja nicht, wie sie etwas desinfizieren können, was sie nach Hause mitgebracht haben. Viele wissen auch nicht, wie man die Hände richtig wäscht.

    - Denken Sie nicht, dass die USA den Zeitpunkt verpasst haben, als man harte Quarantänemaßnahmen hätte ergreifen müssen, möglicherweise die Grenzen schließen? Noch im Januar, als von den vielen Infizierungsfällen in China bekannt wurde. Hätte die US-Regierung vielleicht viel früher entsprechende Schritte unternehmen müssen?

    - Es ist offensichtlich, dass die Situation viel besser wäre, wenn man diese Maßnahmen früher ergriffen hätte. Aber, offen gesagt, war dieses Virus schon überall. Menschen hatten schon früher enorm schwere Lungenentzündungen – noch bevor wir erfahren haben, dass dieses Virus hier ist. Es wäre am besten gewesen, wenn wir sofort davon erfahren hätten – als von diesem Virus in China bekannt wurde, als klar wurde, dass es sich um etwas handelt, was nicht normal und sehr ansteckend ist. Aber das Problem war, dass wir das nicht sofort erfuhren. Wir wussten nicht, wie ansteckend es ist. Aber die Reaktion des Präsidenten kam aus meiner Sicht rechtzeitig. Denn er hat die Grenzen gesperrt, noch bevor bei uns 1000 Menschen krank wurden. Ich denke, er hat richtig gehandelt und dadurch viele Leben gerettet.

    - Wie würden Sie die Ernsthaftigkeit dieser Krankheit beschreiben?

    - Selbst wenn wir das, was wir in der Welt aktuell sehen, unbeachtet lassen, ist das möglicherweise die schlimmste Erkrankung von allen, mit denen die Menschheit in den letzten 100 Jahren konfrontiert wurde. Das ist möglicherweise die schlimmste Krankheit seit der Zeit der Spanischen Grippe.

    * Die in diesem Artikel vorgebrachten Ansichten müssen nicht denen der Sputnik-Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Coronavirus, USA, New York