11:31 05 August 2020
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    Wegen der Corona-Pandemie findet aktuell eine Deglobalisierung der Welt statt: Grenzen werden geschlossen, Liefer- und Produktionswege unterbrochen. Das schlägt sich schwer auf die Wirtschaft weltweit nieder. Das letzte Buch des Anlageexperten Marc Friedrich heißt „Der größte Crash aller Zeiten“. Im Interview verrät er: Ist es jetzt soweit?

    - Herr Friedrich, die Weltwirtschaft steht dank Corona still. Die IWF-Chefökonomin Gita Gopinath erwartet „die schlimmste Rezession seit der Großen Depression“, „wesentlich schlimmer als die globale Finanzkrise von 2008 bis 2009“. Ist das der große Crash, den sie in ihren Büchern prognostizieren?

    Es könnte der Auslöser sein natürlich. Es war vorher schon zu sehen, dass sich die Weltwirtschaft in der Rezession befindet und die Volkswirtschaften auf dem Absteigenden Ast waren. Ich glaube das Coronavirus war jetzt lediglich der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat, der die Finanzmarkt- und Immobilienblasen zum Platzen gebracht hat. Wenn das noch ein paar Wochen anhält, dann ist das tatsächlich der größte Crash aller Zeiten, so wie mein Buch titelt, und wird uns dann sehr stark beschäftigen und wird die Weltwirtschaftskrise von 1929 alt aussehen lassen.

    - Die Ökonomen sprechen ja aktuell von ein „V“- oder einem „U“-Verlauf. „V“ bedeutet, die Wirtschaft bricht ein und steigt wieder stark, ein „U“-Verlauf heißt, die Wirtschaft bricht ein, bleibt dann auf niedrigem Niveau und steigt dann wieder. Welchen Buchstaben werfen sie denn jetzt noch in den Ring?

    Ein „L“. Es geht stark runter, dann haben wir Stagnation, dann geht es aber nochmal runter. Es ist weniger ein Buchstabe, als eine Treppe Richtung Keller. Eine „V“-förmige Erholung ist meiner Ansicht nach sehr unwahrscheinlich. Eher dann ein „W“, aber ich glaube es ist ein „L“, dass mit einem anderen „L“ noch ergänzt wird, also Richtung Süden. So schnell werden die Volkswirtschaften sich nicht erholen, auch wenn die Notenbanken tatsächlich aus allen Rohren feuern und mehr Geld reinpumpen wie jemals zuvor.

    - Sie hätten ja auch sagen können, dann kommt nach dem Crash Garnichts mehr.

    Nein, das Leben wir weiter gehen, nur wird es halt anders aussehen. Schon jetzt ist es diese Zeitenwende, die ich im Buch beschrieben habe. Wir werden in einer neuen Welt aufwachen. Wir werden in Zukunft anders konsumieren, anders produzieren, anders reisen, anders leben und anders bezahlen. Dieser Paradigmenwechsel der jetzt vonstattengeht, nicht nur monetär, sondern auch gesellschaftlich und politisch, ist nicht zu stoppen. Das Coronavirus war lediglich der Auslöser, aber nicht die grundlegende Ursache, weil die Ungleichgewichte im System schon viel früher platziert worden sind – durch eine Notenbankpolitik, durch eine Politik generell, die nicht in die richtige Richtung geführt hat.

    - 2001 erlebten Sie in Argentinien vor Ort einen Staatsbankrott und dessen Folgen. Werden wir ähnliche Szenarien in Europa haben? Was bedeutet die Rezession für die EU und den Euro?

    Das wird das Ende des Euros und der EU besiegeln. Die EU und der Euro können das nicht mehr stemmen. Insolvenzen sind durchaus möglich in Italien, aber auch in Spanien. Südeuropa ist ja de facto schon Bankrott und man darf auch nicht vergessen: Italien hatte ja schon vor der Corona-Krise enorme Probleme, hat schon eine Rekordstaatsverschuldung von 137 Prozent vom BIP, war schon in der Rezession, hat schon Rekordarbeitslosenquoten gehabt und jetzt kommt die nächste Krise noch drauf: Das Coronavirus und die Abschottung der Volkswirtschaft mit Ausgangssperren. Das hat natürlich verheerende Auswirkungen – auch politischer Natur. Da ist natürlich ein Staatsbankrott nicht ausgeschlossen und kann jederzeit kommen. Wahrscheinlich werden die Italiener auch die ersten sein, die nicht nur sage ‚Ciao EU‘, sondern auch ‚Ciao Euro‘. Weil im Zinskorsett der Europäischen Zentralbank (EZB) können sie sich nicht entschulden. Sie können keine Zinsen senken. Sie können nicht wettbewerbsfähig werden. Sie können kein Geld drucken. Also werden sie im Zinskorsett der EZB niemals glücklich werden. Es ist leider zu befürchten, dass uns die EU und der Euro um die Ohren fliegen.

    - Ihr Buch von 2015 heißt: Der Crash ist die Lösung. Welche Chancen bietet also die aktuelle Krise?

    Man kann doch auch ohne solche supranationalen Konstrukte wie die EU, die den Bürgern aufgezwungen werden, leben. Schauen sie nach Japan, Brasilien oder Norwegen. Die Weltengemeinschaft wird sich auch ohne eine Europäische Union weiterdrehen. Das ist auch eine Chance für die Menschheit. Jede Krise ist eine Chance und die EU ist nicht das Ende der Evolution, sondern auch wir werden irgendwann zurückblicken und sagen: ‚Mensch, war eine schöne Idee, hat aber nicht funktioniert. Lasst uns andere Möglichkeiten finden.‘ Weil die Welt will in Handel sein. Sie will wirtschaftlichen Austausch haben. Wir sind eine Spezies und wollen einfach, dass es allen gut geht. Ich glaube, dass diese Krise eine gigantische Chance ist, dass wir auf eine neue Bewusstseinsstufe katapultiert werden, um zu erkennen, was war falsch und was war richtig. Auf der falschen Seite werden Sachen stehen wie ein Finanzsystem, Geldsystem, was ausgedient hat, aber natürlich auch die EU und der Euro. Daraus kann man ja lernen, denn der Mensch lernt ja durch scheitern und diese Krisen sind als Katalysator notwendig, als Katharsis um sich weiter zu entwickeln.

    - Wie kann man also als Ottonormalverbraucher die negativen Effekte der drohenden Krise am besten für sich abfedern?

    Wir stehen vor dem größten Vermögenstransfer in der Geschichte der Menschheit. In solchen Krisensituationen wird wirtschaftshistorisch immer entweder ein Vermögen gemacht, oder ein Vermögen vernichtet. Diejenigen, die jetzt wenig haben, können jetzt die Weichen so stellen, dass sie überproportional davon profitieren können und sich vielleicht auf Generationen hin finanziell positiv aufstellen können. Das heißt, man muss jetzt Gegengewichte aufbauen, in durch die Natur oder die Mathematik limitierte Werte. Das kann natürlich Gold oder Silber sein, aber natürlich auch Diamanten, Grund und Boden, eine abbezahlte Immobilie, oder Bitcoin. Also da gibt es viele Möglichkeiten für den großen, als auch für den kleinen Geldbeutel. So kann man ein Gegengewicht aufbauen, gegen das Gelddrucken, gegen den Wahnsinn der Politik und der EU, um sein Vermögen und seine Kaufkraft zu schützen. So lange die Notenbanken Geld drucken wird natürlich alles was durch die Natur limitiert ist im Wert steigen. Wir werden dann eine unglaubliche Inflation erleben. Dann kann man froh sein, wenn man legal Geld aus dem Bankenkreislauf gezogen hat und es in einem Wertspeicher wie zum Beispiel einer Goldmünze gespeichert hat.

    - Größter Crash aller Zeiten, das ist ihr großer Bestseller. Wenn der aber jetzt eintrifft, dann haben sie ja vielleicht nichts mehr zu schreiben, was planen sie denn fürs nächste Jahr?

    Es gibt immer was zu schreiben. Ich will nächstes Jahr auf jeden Fall ein Buch zu Bitcoin schreiben. Ich glaube das ist auch eine große Revolution die uns bevorsteht: die Digitalisierung des Geldsystems. Ich glaube zu wenige Menschen verstehen Bitcoin, aber sie sollten es verstehen, weil es für mich die größte Revolution in Bezug auf Geld ist, die wir jemals erlebt haben. Da könnte auch jeder die Möglichkeit haben sich finanziell abzusichern, wenn man Bitcoin versteht und darin investieren kann. Bitcoin ist limitiert, grenzenlos, kann nicht manipuliert werden, ist nicht in der Obhut von Staaten oder Notenbankern und hat natürlich viele Vorteile zum jetzigen gescheiterten Geldsystem.

    Das komplette Interview mit Marc Friedrich zum Nachhören:

    * Die in diesem Artikel vorgebrachten Ansichten müssen nicht denen der Sputnik-Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Marc Friedrich, Große Depression, Rezession, Weltwirtschaft, EU, Covid-19, Coronavirus