14:39 04 August 2020
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    Die Gruppe russischer Ärzte, die vor fast einem Monat zu der humanitären Mission „Liebesgrüße aus Russland“ in Italien eingetroffen war, ist im Corona-Hotspot Bergamo immer noch im Einsatz, um die sanitäre Krise in der Lombardei zu überwinden.

    Die medizinischen Kräfte aus Russland beteiligen sich an der Desinfizierung von Seniorenheimen in Bergamo, wo weltweit eine der höchsten Todesraten (18,2 Prozent) fixiert wurde. Nun behandeln 32 russische Virologen zusammen mit ihren italienischen Kollegen Cocvid-19-Patienten in einer provisorischen Krankenstation, die auf dem Messegelände in Bergamo errichtet wurde. So begann die zweite Etappe der Arbeit des russischen Teams, dessen Entsendung nach Italien vom russischen Präsidenten Wladimir Putin und dem italienischen Premier Giuseppe Conte vereinbart worden war.

    Wie läuft die Arbeit der russischen Spezialisten in Italien? Welche Ergebnisse wurden erreicht? Sputnik Italien hat darüber mit dem Chefarzt eines Krankenhauses in Bergamo, Oliviero Valoti, gesprochen.

    - Wie schätzen Sie Arbeit der russischen Virologen ein? War es für Sie aus der Sicht der sanitären Verfahren leicht, die Arbeit mit dem russischen Team zu koordinieren?

    - Aus professioneller Sicht sind die russischen Kollegen natürlich hochqualifizierte Spezialisten. Am Anfang mussten wir natürlich verstehen, welchen Arbeitsumfang sie erledigen können und ob ihre Methoden unseren Standards auf der Intensivstation entsprechen. In kürzester Zeit konnten wir uns vergewissern, dass unsere Methoden absolut identisch sind.

    Ich muss sagen, dass wir Glück hatten, weil auf unserer Intensivstation in Bergamo eine Kollegin mit russischen Wurzeln arbeitet, die schon seit 20 Jahren in Italien lebt. In den ersten Tagen arbeitete sie in dem Notkrankenhaus, das auf dem Messegelände gebaut wurde, und half bei der Kommunikation mit den Kollegen vom russischen Militär. Das war großartig, weil die Sprachbarriere schneller überwunden wurde. Dabei werden die russischen Kollegen ständig von sehr guten Übersetzern begleitet, welche die medizinischen Begriffe sehr gut beherrschen.

    - Die provisorische Krankenstation in Bergamo ist für 142 Patienten vorgesehen – 72  Intensiv- und Subintensivplätze. Könnten Sie bitte genauer darauf eingehen, womit die russischen Spezialisten sich jetzt befassen? Mit welcher Arbeit wurden sie beauftragt?

    - Bis dato haben wir den russischen Kollegen Patienten aus der Intensiv- und Subintensivstation übergeben. Das sind Patienten, die eine ernsthafte Behandlung brauchen – sie sind entweder intubiert, und brauchen deshalb eine künstliche Beatmung, oder befinden sich in der Phase, vom Beatmungsgerät abgekoppelt zu werden, und beginnen gerade erst, selbstständig zu atmen. Zudem gibt es Patienten, welche eine Atemunterstützung mit einem erhöhten Anteil von Sauerstoff brauchen, sie können als Patienten der Subintensivtherapie bezeichnet werden. Der Anteil an diesen Patienten ist ungefähr gleich.

    Vor kurzem bekamen wir eine weitere Gruppe russischer Spezialisten, welche die Kollegen „Allgemeinärzte“ nennen. Bei uns ist dieser Begriff nicht sehr verbreitet. Wir verstanden, dass sie Therapeuten sind, also keine Intensivmediziner; sie können also weniger kritische Patienten behandeln. Sie begannen auch, mit italienischen Ärzten und Krankenschwestern in der Klinik zusammenzuarbeiten, und ich muss sagen, dass sie uns sehr helfen, weil sie bei der Senkung der Belastung und gleichmäßigen Verteilung der Schichten helfen.

    - Wie schätzen Sie die gemeinsame Arbeit ein? Gibt es Spannungen bzw. Konkurrenz zwischen den Ärzten?

    - Gar nicht, gar keine Probleme. Die Ärzte arbeiten sehr gut zusammen und besprechen zusammen alle möglichen Varianten der Behandlung. Ich würde sagen, sie haben ein sehr gutes Verhältnis.

    - Kann man schon ein erstes Fazit ziehen – haben die russischen Ärzte ihnen geholfen, die Belastung in den Intensivstationen zu senken?

    - Wir haben es geschafft, unser Zusammenwirken mit dem medizinischen Personal aus Russland perfekt zu gestalten, zusammen mit uns verringerten sie die Belastung auf den Intensivstationen im Hauptgebäude des Krankenhauses. Wir haben in die Abteilung, deren Arbeit von den russischen Kollegen gesichert wird, viele Patienten verlegt, die im Krankenhaus „Papst Johannes XXIII.“ in Bergamo eingeliefert wurden, und das senkte die Belastung auf das ganze Krankenhaus in erheblichem Maße.

    - Wie viele Patienten wurden schon in die Abteilung der russischen Ärzte verlegt?

    - Nach dem heutigen Stand wurden in die Intensivstation unter Leitung der russischen Kollegen 29 Patienten verlegt.

    - Haben die russischen Ärzte irgendwelche neue Methoden bzw. innovative Ausrüstung gegen Coronavirus genutzt, die Bergamo bei der Überwindung der Notstandssituation geholfen hat?

    - Ich habe keine besonders innovativen Methoden gesehen. Doch äußerst wichtig ist, dass sie einige Dutzend Beatmungsgeräte mitgebracht haben, insgesamt 29, und man kann sagen, dass sie jetzt ausreichen. Zudem wurde die gesamte restliche Ausrüstung der Intensivstation der provisorischen Krankenstation ebenfalls von den russischen Kollegen mitgebracht.

    - Zum Glück verlangsamt sich die Ausbreitung des Virus in Bergamo. Zum ersten Mal seit 40 Tagen gibt es in der Stadtkirche keine neuen Särge. Wie lange werden Sie die Unterstützung der russischen Kollegen noch benötigen?

    - Ich persönlich denke, dass es wichtig wäre, ihre Unterstützung zu haben, bis die so genannte „Etappe 2“ beginnt. Wir müssen verstehen, was geschieht, wenn wir allmählich zum normalen Leben zurückkehren werden. Ehrlich gesagt, bin ich darüber besorgt, dass Menschen wieder auf die Straßen gehen werden, denn wir wissen noch nicht, ob sich die Epidemie zuspitzen wird, wenn die Kontakte wieder zunehmen. Es wäre gut, Unterstützung von den russischen Kollegen zu bekommen, solange wir uns nicht sichern sind, dass es keinen neuen Ausbruch der Erkrankung geben wird und demnach auch keine neuen Patienten, die eine Intensivtherapie brauchen. Nachdem sich alles geglättet hat, werden sie natürlich nach Hause zurückkehren.

    - Der italienische Außenminister sagte vor einigen Tagen, dass in den nächsten Wochen Beatmungsgeräte aus Russland nach Italien gebracht werden sollen. Spüren Sie noch einen Mangel an medizinischer Ausrüstung? Brauchen Sie weitere Hilfen seitens Russlands?

    - Ich denke, in Bergamo nicht mehr, weil die Intensivstationen, die zur Behandlung kritischer Patienten eingerichtet worden waren, demnächst geschlossen und demontiert werden. Wir haben einige Krankenhäuser, die bei Bedarf mit Geräten aufgerüstet werden können, die uns die russischen Kollegen brachten. Ein Teil der Ausrüstung wird separat gelagert. Deswegen denke ich, dass es keinen weiteren Bedarf gibt, sofern dieser Virus natürlich keine neuen Überraschungen bringt. Da es eine neuartige Krankheit ist, kann das leider niemand wissen.

    - Ich hoffe auch, dass sie keine neuen Geräte mehr brauchen werden und die Krise bald vorbei sein wird. Vielen Dank für Ihre Arbeit!

    - Ich danke Ihnen auch. Danke an Russland und an die Russen!

    * Die in diesem Artikel vorgebrachten Ansichten müssen nicht denen der Sputnik-Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    humanitäre Hilfe, Ärzte, Russland, Italien