23:39 06 Juli 2020
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    Die Freilassung der Mafia-Bosse aus den italienischen Gefängnissen in den Hausarrest wegen der Corona-Ansteckungsgefahr kann zum Wiedererstarken der Mafia in Italien führen. Sie sind an den Geldern interessiert, die der Staat zur Unterstützung von notleidenden Unternehmen bereitstellt, um den Wohlstand der Mafia wiederherzustellen.

    Dass einflussreiche Mafia-Bosse wie Francesco Bonura, der dem verstorbenen Chef der sizilianischen Mafia, Bernardo Provenzano, nahe stand; wie Francesco La Rocca, Calatino und Mafia-Mitglieder, die bereits früher verurteilt wurden und nun wegen des Neuaufbaus der Cosa Nostra in Palermo angeklagt werden, wie Pino Sansone in den Hausarrest geschickt werden, empörte die Zivilgesellschaft, Anti-Mafia-Strukturen und Teile der Justiz.

    Allerdings ist das Problem nicht nur moralischer Art, sondern besteht in einer konkreten Gefahr der Mafia-Mitglieder für die Gesellschaft. Nach ihrer Rückkehr können sie erneut kriminelle Netze spinnen, die gesetzestreue Sizilianer als Geiseln halten. Eine Faustregel in diesen Kreisen lautet stets: Wer einmal der Mafia beigetreten ist, bleibt ihr treu bis in den Tod.

    Sputnik Italia sprach in einem Interview mit Claudio Fava, Abgeordneter und Präsident der Kommission zur Mafia-Bekämpfung der Sizilianischen regionalen Versammlung (ARS), dessen Vater, Giuseppe Fava, als unerwünschter Journalist vor 36 Jahren auf Befehl des Mafia-Bosses in Catania, Nitto Santapaola, getötet wurde.

    - Mafiabosse wie Bonura und La Rocca wurden wegen Ansteckungsgefahr in den Hausarrest geschickt, während das sizilianische Volk große Opfer erleiden muss. Könnte dieser Beschluss Misstrauen gegenüber dem Staat, Zweifel an der Anwendbarkeit von Strafen auslösen?

    - Hätten die Gerichte die Forderungen nach der Freilassung wegen Krankheiten, die mit dem Arrest unvereinbar sind, behandelt, hätte es keine Einsprüche gegeben. Doch man kann nicht Notstandssituationen als Vorwand für die Freilassung nutzen. Genau so könnte man bei Tausenden Häftlingen, die auf ihren Gerichtsprozess warten und ebenfalls einer Ansteckungsgefahr ausgesetzt sind, in den zerfallenden italienischen Vollzugsanstalten vorgehen.

    - Bei ihrem Beschluss über die Verlegung in den Hausarrest orientierten sich die Richter daran, dass diese Häftlinge keine besondere Gefahr darstellen würden. Doch jetzt, wo die Gesellschaft sich auf den Übergang zur Phase 2 vorbereitet (Lockerung der Quarantäne-Maßnahmen - Anm.d.Red.) wäre es logisch, Personen wie Pisano in den Hausarrest zu entlassen, der im Verfahren bezüglich des Neuaufbaus der Cosa Nostra angeklagt ist? Wird das nicht ein entscheidender Faktor bei der Wiederherstellung der Mafia sein?

    - Die Geschichte zeigt, dass Mafia-Mitglieder immer eine Gefahr darstellen werden. Und wir wissen, dass tatsächlich ein Risiko besteht, dass die kriminelle Welt an den Mitteln, die der Staat zur Bekämpfung der Pandemie einsetzt, interessiert ist. Es sind die Richter, die darüber entscheiden, wie hoch die Gefahr ist, doch man kann nicht in Abrede stellen, dass bestimmte Beschlüsse ernsthafte Risiken nach sich ziehen.

    - Wären auch andere Maßnahmen außer Hausarrest möglich gewesen?

    - In dieser Situation muss die Reintegration in ein kriminelles Milieu verhindert werden. Laut Artikel 41 (italienisches Gesetz „Über die Verwaltung der Gefängnisse“, das besonders harte Aufenthaltsbedingungen für Mafia-Bosse vorsieht – Anm.d.Red.) sehen ihre Aufenthaltsbedingungen bereits eine weitgehende Isolation und soziale Distanzierung vor, was der beste Schutz gegen Ansteckungsgefahr sein sollte. Wenn sie in den Hausarrest entlassen werden, dann sollten ihre Rückkehr nach Sizilien und mögliche Kontakte mit kriminellem Umfeld verhindert werden.

    - Halten Sie die Entlassung in den Hausarrest von Mafia-Granden wie Bagarella und Santapaola, die die blutigsten Kapitel in der Mafia-Geschichte schrieben, für möglich?

    - Wie ich bereits sagte, minimiert das Regime gemäß Artikel 41 die Ansteckungsgefahr. Das kann nicht der Grund sein, mit dem die Mafiabosse in den Hausarrest geschickt werden.

    - Was unternimmt die sizilianische Kommission im Kampf gegen die Mafia?

    - Wir riefen bereits dazu auf, auf dieses Problem sowohl aus der Sicht der allgemeinen Risiken wegen des Interesses der Mafia an dem Geld, das in die Produktion fließen soll, als auch aus der Sicht der Wiederherstellung des Wohlstandes der Mafia aufmerksam zu werden.

    * Die in diesem Artikel vorgebrachten Ansichten müssen nicht denen der Sputnik-Redaktion entsprechen.

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