SNA Radio
    Interviews
    Zum Kurzlink
    Von
    3310829
    Abonnieren

    Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat ein Betätigungsverbot für die Hisbollah verkündet. Damit folgt das Ministerium einer Aufforderung des Bundestags. Welche Gefahr von der Partei ausgeht, die im Libanon an der Regierung beteiligt ist, erklärt der Konfliktforscher Werner Ruf im Sputnik-Interview

    Der Politologe und Nahost-Experte Werner Ruf ist emeritierter Professor für Internationale und Intergesellschaftliche Beziehungen und Außenpolitik. Er ist Mitglied der AG Friedensforschung an der Universität Kassel sowie Vertrauensdozent der Rosa-Luxemburg-Stiftung.

    - Herr Prof. Dr. Ruf, wie bewerten Sie das Betätigungsverbot für die Hisbollah durch das Bundesinnenministerium?

    - Das ist ein stückweit spekulativ, was ich sage. Aber ich glaube, das ist ein Gehorsam gegenüber Israel und den USA. Denn es besteht ja kein Grund für ein Verbot. Und auf der anderen Seite muss man sagen, dass die Bundesrepublik ganz normale diplomatische Beziehungen mit Libanon unterhält, wo die Hisbollah an der Regierung beteiligt ist. Also, was soll das?

    - Das heißt, sie sehen überhaupt keine Bedrohung, die von der Organisation in Deutschland ausgeht?

    - Nein, denn so, wie die Organisation aufgestellt und organisiert ist, mag es ja schon sein, dass in einzelnen Verbänden oder Moscheen, die ziemlich stark von der Hisbollah bestimmt sind, Spenden gesammelt werden. Das ist nicht auszuschließen. Aber ob davon eine Gefahr für die Sicherheit für die Bundesrepublik ausgeht, das scheint mir ein weiter Weg zu sein.

    - Das heißt, es ist eher ein Signal an den Partner USA und Israel aus Ihrer Sicht?

    - Richtig. Und dieses erfolgt zu einem Zeitpunkt, wo Israel verstärkt Ziele in Syrien bombardiert.

    - Israel und die USA haben es ja bereits begrüßt. Was glauben sie, wie kommt dieses Verbot in Beirut im Libanon an, wo ja die Hisbollah eine starke Unterstützung genießt?

    - Das wird ganz klar als Akt gegen den Libanon gewertet. Denn man darf nicht vergessen, die Hisbollah ist nicht nur an der Regierung beteiligt, sondern sie hat auch ein ganz großes Prestige, weil sie die einzige militärische Kraft war, die Israel nach dem letzten Krieg gegen den Libanon zum Rückzug gezwungen hat. Das sind ganz andere Sichtweisen. Wenn sich jemand bedroht fühlt, dann ist es mehr der Libanon von Israel, als andersherum.

    - Immer wieder hat man Drohungen gegenüber dem nahestehenden Partner Israel aus den Kreisen gehört, die der Hisbollah nahestehen. Wie soll Deutschland dem entgegenwirken, wenn nicht durch ein Verbot?

    - Ich denke, die Hisbollah hat sich zu sehr eingelassen auf den Krieg in Syrien und bezahlt da einen heftigen Blutpreis. Deren Hauptziel ist zumindest derzeit nicht Israel. Dazu kommt, dass Israel dem Libanon haushoch militärisch überlegen ist und im letzten Krieg auch bereits gezeigt hat, dass es bereit ist nahezu alle Waffensorten einzusetzen, um die libanesische Infrastruktur zu zerstören. Ich glaube nicht, dass die Hisbollah in dieser Situation darauf aus wäre, mit Israel einen neuen Waffengang zu wählen.

    Das Interview mit Prof. Dr. Werner Ruf zum Nachhören:

    * Die in diesem Artikel vorgebrachten Ansichten müssen nicht denen der Sputnik-Redaktion entsprechen.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    Protektive Corona-Antikörper nachgewiesen: Russische Forscher erzielen Durchbruch
    Corona-Bußgeld: Familie in Baden-Württemberg muss 1000 Euro für Spaziergang zahlen
    Geheimdienstakte Theodor Heuss: Deutschlands erster Bundespräsident ein US-Agent?
    Tags:
    Verbot, Horst Seehofer, Deutschland, Libanon, Hisbollah