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    Seit der Pandemie ist Körperkontakt, der im Tanz Drama und Tragödie erlebbar macht, gefährliche Nähe. Zum Saisonneustart nach dem Lockdown gibt es daher einige Veränderungen beim Staatsballett Berlin: Corinna Erlebach von der größten Ballettcompagnie Deutschlands zur Corona-Choreographie mit Abstandsregel und Pirouetten in Schutzmaske.

    Tänzer glühen für ihren Auftritt, heißt es. Für die 92 Mitglieder des Staatsballett Berlin ist es momentan ein Leben auf Sparflamme, denn die in Kurzarbeit geschickten Tänzer können derzeit nur bedingt große Sprünge machen. Ihr Publikum bleibt fort und die Theater sind verwaist. Zudem mangelt es an idealen Trainingsbedingungen. Bis zur Corona-Entwarnung könnte so der von Kindesbeinen an polierte Schliff der Spitzentänzer verloren gehen. Mitte Mai durften nun immerhin wieder die Probensäle an der Deutschen Oper geöffnet werden.

    Stresssituationen meistern

    „Die Stimmung im Ensemble ist derzeit gut, denn über den Beginn des Trainings haben sich alle gefreut“, so Corinna Erlebach, Pressesprecherin des Staatsballett Berlin. Eine besondere Bedeutung hat momentan die „Health Department“ genannte Sektion Gesundheitsbetreuung des Staatsballetts: „Sie bietet den Tänzern Unterstützung und Coaching an zu Fragen rund um mentale Stresssituationen und wie man seine körperliche Leistungsfähigkeit auch zuhause fördern kann. Darüber hinaus ist auch die Direktion im engen Kontakt zu den Tänzern um sie in dieser belastenden Situation zu begleiten“, so Erlebach. 

    Ein eigenes Stück Tanzteppich

    Im Lockdown übten die Ensemblemitglieder sozial distanziert und doch gemeinsam. Die täglichen Trainingseinheiten kamen per Live-Stream-Schalte mit Ballettmeister und eigenen Barre-Klassen am Wohnzimmerbücherregal und heimischem Wendeltreppengeländer. Getanzt wurde auf extra angefertigten drei Quadratmeter messenden „Tanzteppichen“. Die Berliner Ballettcompagnie hatte den Tänzern nämlich in weiser Voraussicht ein kleines bisschen Tanzboden nach Hause geliefert, schließlich bieten knarrzende Altbaudielen nicht gerade Bühnenparkettgefühl und rutschige Küchenfliesen beim Workout sind ein Graus für Trainingssaal-Belag gewohnte Tänzerfesseln.

    Neue Produktionen – neue Regeln – alternative Formate

    Die Leitung des Staatsballetts arbeitet derzeit an neuen Spielplänen und alternativen Szenarien – alles ist wegen des Virus` neu zu bedenken. Da ist Flexibilität gefragt. Ein konkretes Startdatum gibt es bisher noch nicht und auch der Vorverkaufsbeginn für die Billetts konnte noch nicht festgelegt werden – bis auf Weiteres, so Erlebach. Und so müsse das Ensemble mit unterschiedlichen Terminen rechnen. Die Ungewissheit macht Planungen schwer, doch eines ist jetzt schon sicher: Der Verlust aus Ticketeinnahmen bis zum Spielzeitende beläuft sich auf 1,3 Millionen Euro.

    • © Foto : Staatsballett Berlin / Michael Hoh
    • © Foto : Staatsballett Berlin / Michael Hoh
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    © Foto : Staatsballett Berlin / Michael Hoh

    Über alternative Formate nachzudenken gehört nun auch zur neuen Realität: Was ist möglich, ohne Ansteckungsgefährdung? Müssen Choreographien umgebaut werden? „Denkbar sind Gala-Abende, an denen wie üblich nur Soli und gegebenenfalls Pas de deux, also Paartanz, gezeigt werden.“ Zu den wiederaufgenommenen Trainings für alle Tänzer der Compagnie gibt es jetzt auch wieder Anproben mit Kostümen für die kommenden Premieren.

    LAB_WORKS COVID_19

    „In Vorbereitung ist die erste Vorstellung des Staatsballetts nach dem Lockdown, die Produktion LAB_WORKS COVID_19. Diese zeigt Choreographien, die die Tänzer während der sozialen Isolation erarbeitet haben. Die Arbeiten beschäftigen sich thematisch mit der Situation und setzen auch formal die Abstandsregeln um“, so Erlebach.

    Beim Training in den Sälen und den Choreographien für die Bühnenarbeit haben die Tänzer nämlich neuerdings einen Abstand von sechs Metern einzuhalten. Das ist noch nicht alles: In den Garderoben dürfen gleichzeitig nur maximal zwei Personen sein und die Duschen sind derzeit gar nicht zu benutzen. Es können nur Proben von Soli stattfinden oder Pas de deux von Paaren oder Wohngemeinschaften. Solche Allianzen kommen den Corona-Neuerungen bei Staatsballett jetzt sehr zu pass:

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    Публикация от Iana Salenko (@iana_salenko)

    („Das Adagio aus Schwanensee während der Quarantäne – mit meiner Liebe“-Ballerina Iana Salenko und Tanzpartner Marian Walter sind auch im wahren Leben ein Paar.)

    Masken sind keine Option

    „Masken zu benutzen ist keine Option“, so die Sprecherin des Staatsballetts, denn auch mit Maske müsste der Mindestabstand gewährleistet sein. Was die Realitätsnähe und Praktikabilität verordneter Hygiene- und Abstandsregeln anbelange, stünde das Ensemble in engem Kontakt mit Berlins Kultursenator Klaus Lederer und auch den Anweisungen der Staatsministerin Monika Grütters würde beim Staatsballett Folge geleistet.

    Zukunft des Ballett-Theaters

    Wie aber die Zukunft des Ballett-Theaters aussehen wird, sollten Pandemien nun zum Alltag gehören, erscheint noch vage:„Wir müssen lernen, damit umzugehen und uns an die hygienischen Anforderungen anpassen“, so die Einstellung der Compagnie.

    Die anstehende Premiere von „LAB_WORKS COVID_19“ gibt künstlerisch gewiss einen Vorgeschmack auf neue Perspektiven: Zeitgenössisches Corona-Ballett eben.

    * Die in diesem Artikel vorgebrachten Ansichten müssen nicht denen der Sputnik-Redaktion entsprechen.

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    Staatsballett Berlin, Abstand, Coronavirus