07:31 09 August 2020
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    In einem Exklusiv-Interview für Sputnik erzählte der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif darüber, welche Schritte sein Land von Russland hinsichtlich der US-Resolution über ein antiiranisches Waffenembargo erwartet, wie man gegen die „illegale Bande“ um den „Rabauken“ aus dem Weißen Haus kämpfen könnte.

    Zudem berührte Sarif die Themen, ob die USA nach ihrem Austritt aus dem Atomdeal mit Teheran zu einem „Pariastaat“ wurden und warum Saudi-Arabien „aufwachen“ sollte. Darüber hinaus äußerte er sich zu den Beziehungen mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow und zu deren Einfluss auf die Politik beider Länder.

    - Sputnik: Die USA haben Russland vor kurzem einen Entwurf der Resolution des UN-Sicherheitsrats vorgelegt, in dem es um eine Verlängerung des antiiranischen Waffenembargos geht, die im Allgemeinen gemeinsamen Aktionsplan vorgesehen ist. Welche Schritte erwarten Sie von Russland?

    - Mohammed Dschawad Sarif: Wie Sie wissen, finden selbst die Verbündeten der USA diesen Entwurf inakzeptabel und äußerst gefährlich. Russland hat in einem Brief auf fünf Seiten seine Position zu diesem Schritt der Vereinigten Staaten ausführlich geschildert. Die USA sind ein Land, das gegen den Gemeinsamen Aktionsplan verstoßen hat, indem es aus dem Atomdeal ausstieg. Sie haben die Resolution 2231 verletzt. Deshalb befinden sich die USA nicht gerade in der Lage, über den Gemeinsamen Aktionsplan zu diskutieren. Zu dieser Frage stehen Russland, der Iran und China auf ähnlichen Positionen.

    - Gibt es eine gemeinsame Strategie zum Widerstand gegen diesen Entwurf?

    - Wir (Russland, Iran und China – Anm. von Sputnik) sind als Teilnehmer des Gemeinsamen Aktionsplans vehement gegen ein solches Vorgehen. Auch die anderen Teilnehmer des Deals erklärten, dass solche Schritte dem Gemeinsamen Aktionsplan widersprechen – also sind sich alle Mitglieder des Atomdeals (die jetzigen Mitglieder) im Hinblick auf dieses Problem einig. Aber Russland, China und der Iran stimmen nicht den Befürchtungen und Kompromissvorschlägen einiger europäischer Mitglieder des Aktionsplans zu, denn jegliche Schritte in diesem Bereich würden die Resolution 2231 verletzen.

    - Sie haben vor kurzem auf Twitter geschrieben, dass im Weißen Haus gerade „eine illegale Bande“ mit einem „Rabauken“ an der Spitze sitzen würde. Wie könnte man diese „Gesetzlosigkeit“ besiegen?

    - Die Weltgemeinschaft ist zum Schluss gekommen, dass die USA ein kaum zuverlässiger Partner sind, der alle Rechtsnormen vernachlässigt und seine Verpflichtungen nicht erfüllt. Das funktioniert nicht im globalen System. Es wird funktionieren, wenn man auf die Legitimität und Multipolarität setzt – trotz des Drucks, dem die USA das System der multipolaren Welt aussetzen. Denn das Vorgehen der aktuellen US-Führung widerspricht den Interessen der Weltgemeinschaft und sogar den Interessen der USA selbst. Sogar die Einwohner der USA mussten feststellen, dass man mittel- bzw. langfristig keinen Erfolg haben kann, wenn man gegen das Gesetz verstößt.

    - In einem Interview für Sputnik vor zweieinhalb Jahren hatten Sie vorhergesagt, dass sich die USA in einen „Pariastaat“ verwandeln würden, falls sie aus dem Atomdeal austreten. Sind die USA Ihres Erachtens zum „Pariastaat“ geworden?

    - Natürlich wurden die USA zum „Pariastaat“ und zum Verletzer von Gesetzen. Aber dieses Land hat große Möglichkeiten im Bankwesen und kann das globale Bankensystem beeinflussen. Dennoch wurde ein wichtiges Ergebnis erreicht: Die Weltgemeinschaft überlegt sich gerade, ob sie die US-Herrschaft im globalen Bankensystem anerkennen sollte, oder ob es Möglichkeiten für eine Veränderung dieser Situation gibt. Wir beobachten gerade die Bewegung in diese Richtung.

    - Welche Arbeit wird zwecks Wiederherstellung der Beziehungen des Irans zu Saudi-Arabien geführt? Was wurde dabei bereits erreicht?

    - Wir sind bereit, mit Saudi-Arabien als zwei Länder der Golfregion zu kooperieren. Aber es entsteht der Eindruck, dass die saudische Führung vor allem das Ziel verfolgt, die USA in einen Krieg zu verwickeln und davon zu profitieren. Doch die USA haben in den letzten Monaten gezeigt, dass sie zu einem Krieg im Interesse Saudi-Arabiens nicht bereit sind. Am besten sollten die Saudis aufwachen und den Dialog mit den Ländern führen, die in derselben Region liegen, anstatt sich um (die Kooperation mit) Israel und die USA zu bemühen.

    - Angesichts Ihrer Beziehungen mit Sergej Lawrow entsteht der Eindruck, dass Sie etwas mehr als nur Kollegen sind. Erzählen Sie bitte über Ihre Beziehungen mit dem russischen Amtskollegen.

    - Das ist völlig richtig. Wir sind mit Herrn Lawrow schon seit fast 26 Jahren Kameraden. Wir arbeiteten in den Abteilungen für internationale Beziehungen unserer Ministerien, waren Botschafter bei der UNO. Wir sind seit der Zeit befreundet, als Lawrow Russlands UN-Botschafter und ich Vize im iranischen Außenministerium war. Wir waren damals gute Freunde, und das bleiben wir auch jetzt. Wir sind durch sehr gute Arbeitsbeziehungen und durch unser Einverständnis verbunden – und das nützt natürlich unseren Ländern.

    - Und zum Schluss die Frage: Lesen Sie Sputnik?

    - Ich lese die Zusammenfassungen von Berichten verschiedener Medien. Sputnik gehört auch dazu.

    * Die in diesem Artikel vorgebrachten Ansichten müssen nicht denen der Sputnik-Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Atomabkommen, USA, Iran, Mohammed Dschawad Sarif