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    Fall Nawalny: Streit um Vergiftung des Kreml-Kritikers (103)
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    Russische Ärzte haben offenbar alles dafür getan, um Alexej Nawalny zu retten, wie der italienische Professor Igor Pellicciari in einem Artikel für das Nachrichtenportal „Formiche“ schreibt.

    Der Artikel wurde auch von einigen anderen großen italienischen Medien übernommen. Seine Einschätzung teilen auch Experten aus anderen Ländern. Ihnen zufolge widersprechen die schnelle Einlieferung Nawalnys ins Krankenhaus und die Professionalität der Omsker Ärzte, die den Patienten 44 Stunden lang behandelten, der Version von der „durch die Behörden organisierten Vergiftung“.

    „Wer konnte Alexej Nawalny vergiften und warum?“, fragt der Professor für Geschichte der internationalen Beziehungen an der Universität Urbino in Rom, Igor Pellicciari. Nawalny sei eine Figur, die in Russland für viel Zwist sorgt, die Liste seiner Feinde ist so lang, dass es einfacher wäre zu sagen, wer als Drahtzieher des Giftanschlags gelten könnte, als wer nicht, so der Experte.

    Dennoch sei es kaum glaubwürdig, dass diese Aktion im Auftrag des Kremls und persönlich von Wladimir Putin oder seinen engsten Vertrauten ausgedacht wurde. Westler betrachten Russland gerne von oben herab und stellen sich vor, dass jede Anordnung auf den Präsidenten zurückgeht, doch es gibt Beweise, die die Hypothese der „Vergiftung durch die Behörden“ zusammenfallen lassen.

    Gegenstandslos ist laut dem italienischen Historiker auch die Version, dass der Kreml versuchte, den Oppositionsführer loszuwerden, weil die Opposition in Russland deutlich vielfältiger ist, als sie im Westen dargestellt wird, und es sehr viele andere Politiker gibt, für die es vorteilhafter wäre, wenn Nawalny von der politischen Bühne verschwindet.

    Bemerkenswert ist vor allem, dass Nawalny den Vergiftungsversuch überlebte. Er verbrachte 44 Stunden in einem medizinisch nicht besonders gut ausgestatteten Krankenhaus in Omsk. Zudem wurde Nawalny sehr schnell ins Krankenhaus gebracht – ein halbe Stunde nach dem Notruf des Flugzeugs bei der Landung. Es kann keine Rede von einer „Verzögerung seiner Rettungsoperation sein, was ein perfekter Anlass für die Verschlechterung der klinischen Situation des Patienten wäre“.

    Zudem wurden im Krankenhaus viele diagnostische Tests vollzogen, die den deutschen Ärzten vollständig übergeben wurden. Gerade dadurch konnten die deutschen Ärzte viel Zeit sparen und eine volle Anamnese bekommen.

    Darüber hinaus wurde dem Oppositionellen unmittelbar nach der Ankunft im Krankenhaus Atropin verabreicht, wodurch sein Zustand stabilisiert wurde. Die deutschen Ärzte behandelten Nawalny ebenfalls mit diesem Mittel und sahen die von Russen gewählte Behandlungsart als begründet an.

    „Es ist auch ziemlich merkwürdig, dass das alles für den Patienten zugänglich war, den man töten wollte“, so der italienische Professor. Wäre es tatsächlich so, hätte Russland, das im Westen meistens als Heimat der Spione dargestellt wird und bereits in den 1960er Jahren über die stärkste Atombombe verfügte, vor der Eliminierung eines Feindes einen Fehler bei der Dosis des Gifts in dem Getränk gemacht?

    Pellicciaris Artikel wurde von großen italienischen Medien wie “Dagospia” und “Il Giornale” übernommen. Wie “Il Giornale”-Journalisten anmerkten, unternahmen die russischen Behörden tatsächlich alles Erdenkliche, um Nawalny vor dem Tod zu retten.

    Neben italienischen Medien sind Experten aus anderen Ländern auch davon überzeugt, dass die Ärzte in Omsk alles daransetzten, Nawalny am Leben zu halten. Hamit Can von der Technischen Universität Sofia schrieb auf Facebook, dass der Crew des Rettungsflugzeugs, das Nawalny von Omsk nach Berlin brachte, alle diagnostischen Untersuchungen mitgegeben wurden. Zudem wurde betont, dass die Omsker Ärzte bei der Behandlung Nawalnys die richtige Strategie gewählt haben. Dabei weigerten sich deutsche Ärzte, den russischen Kollegen die Testdaten zu übergeben, auf deren Grundlage ihre Schlussfolgerung zu der Vergiftung gezogen wurde.

    Der Präsident der Stiftung für Entwicklung der russisch-französischen historischen Initiativen, Pierre Malinowski, ist sich ebenfalls sicher, dass Nawalny dank der Ärzte in Omsk, die um das Leben des Patienten 44 Stunden lang kämpften, überlebte.

    * Die in diesem Artikel vorgebrachten Ansichten müssen nicht denen der Sputnik-Redaktion entsprechen.

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    Charité Berlin, Vergiftung, Alexej Nawalny