09:51 01 Dezember 2020
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    Steht der Euro vor dem Aus? Und falls ja: Wie sichert man sein Vermögen? Neben den bekannten Edelmetallen ist derzeit ein Outsider im Kommen: Uran. Als Investition ist der radioaktive Stoff aus Sicht des Ökonomen Marc Friedrich eine ziemlich sichere Sache – im Gegensatz zum heiß diskutierten Wasserstoff.

    Die Corona-Krise hat nicht nur unsere Lebensweise verändert, sie hat massiv Schulden gebracht. Das hat auch Folgen für die globale Wirtschaft und den Euro, der aus Sicht des Ökonomen Marc Friedrich vor dem Aus steht. Damit das Vermögen nicht durch Inflation und Negativzinsen dahin schmilzt, können Investitionen in Edelmetalle oder Minen lohnen. Eine besondere Rolle kommt dabei dem Rohstoff Uran zu, der zwar unbeliebt ist, aber immer mehr an Bedeutung gewinnt. Vom derzeit hoch gefeierten Wasserstoff sollte man dagegen besser die Finger lassen. Warum das so ist – darüber hat Sputnik mit Marc Friedrich gesprochen.

    - Herr Friedrich, die Corona-Krise trifft auch den Euro, zumindest ist dieser gegenwärtig im Fall begriffen. Nun könnte man sagen: Das ist eine Ausnahmesituation und nach Ende der Krise geht es auch wieder nach oben mit dem Euro. Sie sind da anderer Ansicht und sagen das baldige Ende des Euros voraus. Womit hat das zu tun und welche Rolle spielt Corona dabei?

    Vorab muss man sagen: Der Euro hat erst ein Aufbäumen erlebt gegenüber dem Dollar. Er ist sogar antizyklisch gestiegen. Wir sehen ja, dass die Notenbanken mit historischen Maßnahmen versuchen, der Krise entgegenzuwirken, die Rezession abzufangen, den wirtschaftlichen Einbruch zu dämpfen. Und wir haben jetzt Rettungspakete in gigantischer Dimension, die es so noch nie gab. Das wird natürlich auch Auswirkungen haben. Sie können es daran bemessen, dass sich der Euro im Verhältnis zu durch die Natur limitierten Werten wie Gold massiv entwertet hat. Gold ist in allen Währungen weltweit – auch im Euro – auf einem Allzeithoch gewesen. Das sieht man auch bei Bitcoin, Diamanten und so weiter und natürlich bei den Aktienbewertungen. Da hat die Corona-Krise als Brandbeschleuniger gedient und hat die Krise des Währungsexperiments Euro weiter in die Ecke gedrängt und die Notenbank weiß sich nicht anders zu helfen, als nach wie vor die gleichen Medikamente zu verabreichen, die aber bisher noch nie funktioniert haben, weil der Patient einfach präfinal ist.

    - Und man kann ihn nicht irgendwie reanimieren?

    Er ist nicht mehr zu retten, da können sie noch so viel Geld drucken, Zinsen senken und das Nächste steht schon vor der Tür: Frau Lagarde möchte Negativzinsen und den digitalen Euro, um uns das Bargeld madig zu machen. Wir erleben eine Insolvenzverschleppung und der Euro ist ein Geld, dessen Zeit mathematisch limitiert ist. Darauf sollte man sich vorbereiten. Da ist es auch gut, einmal in die Vergangenheit zu schauen, die Geschichte ist ein weiser Ratgeber. Währungsunionen zwischen unterschiedlich starken Volkswirtschaften haben noch nie funktioniert, werden nie funktionieren und scheitern immer ausnahmslos und so auch das Euroexperiment.

    - Ist das Schicksal des Euro auch das Schicksal anderer Währungen und was könnte die Einführung eines digitalen Euros eigentlich daran ändern?

    Wir von der Friedrichs Vermögenssicherung sagen schon immer, dass ungedeckte Papiergeldwährungen immer scheitern. Die sind mit nichts gedeckt als mit dem Vertrauen der Menschen und dieses Vertrauen wird seit Jahrzehnten und vor allem seit 2008 mit Füßen getreten durch die genannten Vertragsbrüche, die wir erleben. Daher ist es nur eine Frage der Zeit, bis das Vertrauen in diese durch nichts gedeckten Papiergeldwährungen erodiert. Deshalb sind wir jetzt am Ende dieses Papiergeldzyklus, die Währungen sind seit 1971 nicht gedeckt durch Gold, durch Bretton Woods, sondern mit nichts gedeckt als der Wirtschaftskraft. Aber wir sehen, dass die Geldmenge inflationiert wird. Die Notenbanken haben in den letzten Jahren seit Corona so viel Geld gedruckt wie selten zuvor und die Geldmenge ist rapide gestiegen, aber die Umlaufgeschwindigkeit des Gelds nimmt rapide ab, weil die Menschen Existenzangst haben und nicht wissen, was der Morgen bringt. Und jetzt kommt natürlich die Idee ins Spiel zu sagen: Jetzt müssen wir Negativzinsen installieren, was ich übrigens schon 2016 in meinem Buch „Kapitalfehler“ prognostiziert habe.

    - Was haben Sie denn damals geschrieben?

    Damals habe ich gesagt, die Eurozone braucht zum Überleben und das ganze Geldsystem einen Negativzins von fünf bis sieben Prozent. Ein paar Monate später hat auch J.P. Morgan gesagt, dass die Eurozone zum Überleben zwischen fünf und acht Prozent braucht. Der Negativzins wird kommen, da bin ich mir sicher und zwar weltweit. Und die ersten Vorboten sind ja schon da. Das Problem ist nur: Solange wir Bargeld haben, können die Menschen natürlich den Negativzins umgehen, indem sie zur Bank rennen und dieses Geld abheben. Deswegen wird es Kapitalverkehrskontrollen geben, Abhebungsbeschränkungen, weitere Maßregelungen und dann wird uns der digitale Euro angedient, nach dem Motto: Das ist viel sicherer, man kann sich nicht anstecken, er überträgt keine Viren, es ist viel bequemer oder man kriegt Rabatte beim Einkaufen. Der Mensch ist ein bequemes Tier, das ungern aus der Komfortzone herausgeht. Es wird also schmackhaft gemacht und im selben Zuge das Bargeld eingestampft, weil die Menschen ohnehin viel lieber kontaktlos bezahlen. Dann ist das Bargeld weg und dann kommt der Negativzins und dann kann keiner mehr sein Geld aus dem Bankensystem rausziehen.

    - Nun gibt es ja verschiedene Möglichkeiten, bevor es soweit ist, sich abzusichern. Edelmetalle wie Gold und Silber sprechen eine Rolle. Sie haben aber auch die Bedeutung von Minen zuletzt hervorgehoben und hier als besonders interessante Option den Rohstoff Uran. Wieso ist das aus Ihrer Sicht eine sichere Sache zurzeit?

    Edelmetalle sind seit Jahrtausenden ein Wertspeicher und werden es bleiben. Die Notenbanken können so viel Geld drucken, wie sie wollen, aber Gold ist als natürliche Ressource begrenzt und ist eine Art Lebensversicherung für die Kaufkraft. Je mehr Geld sie drucken - und sie werden nach der Präsidentschaftswahl Geld drucken, egal, ob Trump oder Biden gewinnt -, umso mehr werden die Menschen versuchen, ihre Kaufkraft zu schützen, in limitierten Werten. Bei Uran ist es ein antizyklisches Investment. Es ist unpopulär, es hat keiner auf dem Schirm, es ist historisch billig und wir sehen jetzt schon: Wenn wir CO2-neutral sein möchten bis 2050, wenn wir die Emissionen wirklich begrenzen wollen, dann kommen wir einfach mit den natürlichen Ressourcen nicht aus. Dann brauchen wir noch andere emissionsfreie Energiebringer und das ist nun einmal Kernkraft und die Technologie hat sich ja auch weiter entwickelt. Und nun kommen viele Länder und wollen bauen. Die einzigen, die abschalten wollen, sind Deutschland und Schweden, das auch abgeschaltet hat. Aber die Schweden reaktivieren wieder ihre alten Reaktoren, weil der Strom einfach nicht reicht. Und sogar ein sehr ölreiches Land wie die Vereinigten Arabischen Emirate hat einen Tabubruch begangen und haben im August ihr erstes Kernkraftwerk angeschaltet. Es ist ein Trend. Wir haben in den letzten Jahren einen Krieg gegen Uran gesehen, völlig zurecht, aber es hat sich etwas getan bezüglich der Sicherheit und Alternativen, an denen geforscht wird. Wir kommen momentan nicht drumrum. Und deswegen war Uran auf einem Allzeittief, aber jetzt sind weltweit über 50 Kernkraftwerke im Bau und weitere werden hinzukommen. Selbst China will bis 2030 hunderte weitere Kernkraftwerke bauen, um den Energiehunger zu stillen. Deswegen ist das ein interessantes antizyklisches Investment, das keiner empfiehlt in Deutschland, da sind wir die einzigen.

    - Und was meinen Sie: Kann dieser Trend nicht plötzlich kippen durch ein Naturereignis, eine Katastrophe, durch eine weltweite PR-Kampagne oder eine Technologie, die Uran plötzlich obsolet macht?

    Natürlich. Wenn morgen etwa der Drei-Schluchten-Damm in China bricht, die Aliens landen oder sonst was passiert, kann der Trend vorbei sein. Aber wenn wir wirklich am Pariser Klimaabkommen halten und bis 2050 klimaneutral werden sollen, dann kommen wir da nicht drumrum. Und auch die Niederlande überlegt wieder, alte Kernkraftwerke zu reaktivieren und den Bau von bis zu zehn neuen. Es geht einfach nicht nur mit Wind, Sonne und Wasser – das wird immer mehr Politikern klar. Damit drückt die niederländische Regierung auch die deutsche Regierung in die Ecke, weil wir schauen müssen, wie wir das in Zukunft machen. Wenn wir weiterhin Industriestandort sein wollen, wenn wir den Wohlstand halten möchten, brauchen wir günstige Energie und wir haben jetzt schon die teuersten Strompreise weltweit. Das kann man noch ein Weilchen spielen, aber irgendwann wird der Wohlstand sich hier in Luft auflösen und dann werden uns die historischen Fehlentscheidungen der letzten Jahre teuer auf die Füße fallen. Meine Prognose ist jetzt schon, dass wir den Wohlstand, den wir jetzt haben, nicht halten können und dass wir die Leiter absteigen müssen.

    - Es gibt in Deutschland ja auch den Plan, eine Wasserstoffwirtschaft aufzubauen. Sind Wasserstofftechnologien auch etwas, worein man investieren soll – immerhin steht da ja auch das Wirtschaftsministerium dahinter. Oder ist das ein gefährliches Spiel? 

    Es gibt immer Trendthemen. Mal ist es Biotechnologie, dann ist es Lithium, dann ist es Wasserstoff. Das finde ich immer gefährlich, weil es halt ein Trend ist. Der Trend kann auch relativ schnell abbrechen. Man kann sein Portfolio diversifizieren, man kann nach Playern gucken. In Wasserstoff haben wir schon in Honorarberatungen 2017-18 investiert, bevor der ganze Boom kam. Jetzt kann man eher antizyklisch aussteigen, weil die Wasserstoff-Aktien sehr heiß gelaufen sind. Deswegen würde ich gucken, was ist jetzt eher im Tal der Tränen, was ist nicht so wirklich populär und da antizyklisch gucken. Da gibt es spannendere Dinge wie Minenaktien, wie Uran und so weiter, weil ich Wasserstoff eher als Nischenthema sehe und keine weiß, was passiert. Es gibt ja auch im Bereich Uran und Kernkraftwerken sehr interessant Alternativen und da sind die weltbesten Forscher momentan unterwegs, um nach sicheren Alternativen zu suchen. Vielleicht werden wir in Zukunft noch ganz andere Energieträger haben, von denen wir noch gar nichts wissen, da bin ich zuversichtlich, weil der Mensch sehr dazu tendiert, mit Versuch und Irrtum die besten Lösungen zu finden und dabei sehr brillant teilweise ist.

    Marc Friedrich ist Finanzexperte, fünffacher Bestsellerautor, internationaler Redner, Initiator von Deutschlands erstem Sachwertfonds und Gründer der Honorarberatung Friedrich Vermögenssicherung GmbH für Privatpersonen, Unternehmen und Family Offices. Sein aktuelles Buch ist der SPIEGEL Platz 1 Bestseller: „Der größte Crash aller Zeiten“.

    Das Interview mit Marc Friedrich zum Nachhören:

    * Die in diesem Artikel vorgebrachten Ansichten müssen nicht denen der Sputnik-Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Investitionen, Wasserstoff, Euro, Uran, Marc Friedrich