15:51 25 November 2020
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    Die Maskenpflicht ist da, doch die Gesichtshaut kommt mit Mund-Nasen-Schutz aus Stoff oder Papier nicht immer zurecht. Menschen mit unreiner oder empfindlicher Haut verzeichnen mehr Hautirritationen, es gibt ein neues Wort: „Maskne“. Mediziner Stefan Siemund sieht immer öfter Patienten mit Hautproblemen. Gibt es Masken-Akne?

    Seit über 20 Jahren ist Dr. Stefan Siemund niedergelassener Arzt in Hamburg. Der „Doc“ ist ein, wie er sagt, „Wald-, Feld- und Wiesen-Arzt“ – in der Praxis behandelt der Allgemeinmediziner im Schnitt 200 Patienten täglich. Er verzeichnet in den vergangenen Monaten einen deutlichen Anstieg der Anzahl von Patienten mit Hautirritationen im Gesicht.

    - Können Masken Allergien hervorrufen?

    Dr. Stefan Siemund
    © Foto : privat
    Dr. Stefan Siemund
    Dr. Siemund: Sie können Allergien hervorrufen. Das ist immer dann der Fall, wenn ein fremder Stoff, ein Allergen, auf die Haut kommt und der Körper dann mit einer Reaktion wie Jucken, Rötungen, Schwellungen oder auch Nässen reagiert. Die Alltagsmaske kommt direkt mit der Haut um Nase und Mund in Berührung. Stammt die zum Beispiel aus China aus einer Billigproduktion, dann können die Stoffe, die zur Herstellung benutzt wurden, eventuell Chemikalien enthalten, um die Masken zu konservieren, damit sie nicht von Parasiten wie Käfern oder dergleichen zerstört werden. Diese Chemikalien können dann auf die Haut gelangen, und wenn jemand empfindlich ist, gibt es entweder eine allergische Reaktion oder eine Kontaktdermatitis. Dabei reagiert der Körper mit einer Kontaktentzündung auf einen Wirkstoff, der in der Maske selbst drin ist. 

    - „Maskne“ ist eine neue Wortkreation für Pusteln, Pickel und dergleichen, die vermeintlich auf das Maskentragen zurückzuführen sind. Kann das Tragen einer Maske tatsächlich Akne auslösen?

    Die klassische Akne ist definiert mit einem Überschießen der Talgdrüsen. Das haben zum Beispiel Jugendliche in der Pubertät, wenn die Sexualhormone steigen, und dann auch die Talgdrüsenaktivität erhöht ist, sich die Drüsen verschließen und Aknepickel entstehen, die sich entzünden. Maskenbedingt wird nicht mehr Talg gebildet, sondern es handelt sich eher um etwas in der Richtung von Furunkeln. Durch die Berührung und das Tragen der Maske entstehen Entzündungen, die zwar pickelartig aussehen, aber keine echte Akne sind. Insofern handelt es sich eher um eine laienhafte Wortschöpfung für die „ausschlagende Haut“. Allerdings kann das Maskentragen eine bereits bestehende Akne verschlimmern.

    - Zu welchen Hautirritationen kann das Tragen von Masken führen? 

    Die meisten meiner Patienten kommen mit Rötungen und Jucken, kontaktentzündliche Hauterscheinungen sind vorherrschend.

    - Was kann man dagegen tun?

    Bei starken Entzündungen und Menschen mit erhöhtem Leidensdruck gebe ich Hydrocortison-Salbe. Generell rate ich zu einer guten Gesichtshautpflege, damit die Patienten künftig weniger Schwierigkeiten haben. Man kann da mit Wund- und Heilsalben oder Panthenol behandeln. Zudem ist zuweilen auch ein Wechsel des Masken-Typs angeraten. Wenn es Schwierigkeiten mit den OP- oder Papiermasken mit Gummizug gibt, dann kann eine neutrale Baumwollmaske weiterhelfen, eventuell mit Bändern zum Binden, denn die bestehen meist aus einem Material, das die Haut nicht so irritiert und zum Beispiel auch Feuchtigkeit besser aufnimmt. Unter den zuweilen blau eingefärbten chirurgischen Alltagsmasken wird die Feuchtigkeit sehr stark gehalten, so dass der gesamte Bereich darunter über längere Zeit sogar nass ist. Es ist kein Geheimnis, dass man diese Masken dann auch häufiger wechseln sollte, mehrmals am Tag. Das feuchtwarme Klima kann Nährboden für Bakterien und Keime sein. Und: Hände weg vom Gesicht. Das gilt nicht nur wegen der Corona-Viren, sondern generell.

    - Hilft eigentlich regelmäßiges Desinfizieren, etwa mit einer Lotion, die jetzt ebenfalls unser ständiger Begleiter geworden ist, wenn es um Handhygiene geht oder wie sollten wir die mit Masken bedeckte Haut reinigen?

    Es geht darum, die hauteigne Flora unter der Maske im Griff zu behalten. Desinfizieren aber bitte lassen! Das ist schlecht für die Haut. Das sehen wir zuhauf am Beispiel der Handdesinfektion selbst, etwa bei Krankenhausmitarbeitern, die ihre Hände immer wieder und häufig desinfizieren müssen – sie neigen dann zu trockener und rissiger Haut. Das Desinfizieren kann da natürlich auch nur bedingt bei Gesichtshautirritationen helfen. Ein Reinigen mit Desinfektionsmitteln hat diverse Nachteile: Sie wirken stark entfettend, das bedeutet, dass das, was einst geschmeidig war, nun spröder wird. Der Effekt einer Desinfektion hält zudem gar nicht so lange an. Ausschlaggebend ist, dass sie den ph-Wert der Haut verändert, was eine Verschlechterung der Hautschutzbarriere bedeutet. Dadurch kann das Eindringen von Keimen sogar noch begünstigt werden, was wiederum noch stärkere Entzündungen verursachen könnte.

    - Wie also reinigen und pflegen?

    Ist die Haut vom Maskentragen feucht, tupft man sie am besten leicht mit einem trockenen Papiertaschentuch oder Kosmetiktuch ab. Zu häufiges Waschen ist nicht gut für die Hautbarriere. Jedenfalls das Gesicht mit ph-Wert-neutralen, seifenfreien Mitteln reinigen: Damit holt man schon eine Menge von Schmutz, Bakterien und dergleichen vom Gesicht. Danach mit beruhigend wirkender Kosmetika pflegen. Da gibt es durchaus auch Heilmittel auf Pflanzenbasis – wie Arnika, die entzündungshemmend wirkt oder Ringelblume. Viele ätherische Stoffe, die weniger aggressiv sind als das Menthol der Pfefferminze, wirken durchaus auch beruhigend, weil sie eine kühlende und entspannende Wirkung haben. Melisse zum Beispiel – sie wirkt übrigens nicht unbedingt extern so sehr wie psychisch beruhigend, wenn man ein Präparat daraus einnimmt. Das hilft auch schon weiter (lacht).

    - Welche Maske ist aus dermatologischer Sicht zu empfehlen? Es gibt mittlerweile recht kostspielige Modelle aus Seide neben denen aus Baumwolle und den Masken, die auch im OP-Raum getragen werden.

    Je dicker eine Maske ist, um so mehr wird auch das Aerosol zurückgehalten und somit wird auch der gewünschte Effekt besser erzielt, die Ansteckungsgefahr zu minimieren und andere zu schützen. Wenn es eine dünne Seidenmaske sein soll, mag der Effekt nicht ideal sein, aber lieber so eine Maske als gar keine! Wenn so eine Maske aus Seide nun mehrlagig ist, umso besser. Bei Seide handelt es sich allerdings um ein tierisches Produkt, da könnte es eventuell Probleme geben hinsichtlich der Verträglichkeit, allerdings habe ich von einer Seiden-Allergie noch nichts gehört. Wichtig ist, die Maske tagsüber auch mal abzunehmen und der Haut die Chance zu geben, sich zu regenerieren: Das ist im Berufsleben oder bei Kontakt zu Dritten nicht immer möglich, aber eine Masken-Pause sollte drin sein, damit die Haut nicht so sehr irritiert wird.
    Ich selbst trage diese blau eingefärbten OP-Masken. Nur wenn ich etwa Infektionsgeschehen ausgesetzt bin in der Praxis, ich also Corona-Verdachtsfälle habe, darauf teste oder hustende Patienten abhorche, dann trage ich eine FFP2-Maske und zusätzlich ein „Face-Shield“, also ein transparentes Gesichtsvisier. 
    Die Gummibänder, die an den Ohren die Maske straff halten, können durch zu hohe Spannung gelegentlich zu Schmerzen oder durch Reibung gar zu kleinen Wunden etwa an der Oberseite der Ohren führen. Auch weil die Ohren zuweilen nach vorn geknickt werden. Man sollte dann die Bänder gegebenenfalls selbst lockern und justieren, vielleicht eine Alltagsmaske zum Selbstbinden benutzen.

    Vielen Dank für das Gespräch!

    * Die in diesem Artikel vorgebrachten Ansichten müssen nicht denen der Sputnik-Redaktion entsprechen.

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    Gesichtshauterkrankung, Atemschutzmasken, Mundschutzmasken, Maskenpflicht, Covid-19, Pandemie, Coronavirus, Deutschland