12:35 03 Dezember 2020
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    Der saudische Minister für Industrie und Mineralressourcen, Bandar al-Khurayef, hat in einem Exklusivinterview für Sputnik geschildert, wie die Coronavirus-Pandemie der saudischen Industrie geholfen hat, auf ein neues Entwicklungsniveau zu kommen.

    - Welche Ziele aus der Vision 2030 wurden nach einem Jahr nach der Bildung des Ministeriums für Industrie und Mineralressourcen bereits erreicht bzw. angegangen?

    - Zuallererst sollte man verstehen, dass der Industrie- und Bodenschatzsektor sich bereits seit fast 45 Jahren entwickelt – seit nur einem Jahr gibt es nun offiziell unser Ministerium. Am wichtigsten ist, was wir in dieser Periode erreichen konnten – die Entwicklung fortsetzen und Gewinne maximieren.

    Die Zahl der neuen Industrie-Unternehmen ist gestiegen – das Ministerium stellte 811 neue Industrie-Lizenzen vom August 2019 bis August 2020 mit Investitionen im Gesamtwert von 13 Mrd. und 220 Mio. Saudi-Riyal aus. Die Zahl der funktionierenden Industrieunternehmen ist in derselben Periode um 8,6 Prozent gestiegen. So sieht die Statistik aus. Bislang handeln wir im Rahmen der Jahrespläne, die ausgehend von den Zielen der Vision 2030 erstellt wurden. Es gibt keine Probleme.

    - Wie beeinflusste die Pandemie den Industriesektor? Ist eine Krise zu erkennen?

    - Einige Industriebereiche wurden betroffen, einige wachsen hingegen. Die Pandemie hat uns dabei geholfen, die Lieferketten im Lande durchzuarbeiten, ohne sich auf den Export bzw. Import zu richten. Ohne geschlossene Grenzen wären wir kaum so schnell auf die Neuausrichtung der Nationalwirtschaft gekommen. Und wir versuchen aktiv, den Branchen zu helfen, die Verluste haben.

    - Welche Maßnahmen ergreift das Ministerium, um große Verluste wegen der Pandemie zu vermeiden?

    - Wir erweiterten die finanzielle Unterstützung für das Umsatzkapital für Fabriken in den Sektoren, die am stärksten von den Folgen der Pandemie betroffen wurden. Dabei wurden ziemlich schnell Kapazitäten in Fabriken zur Produktion der individuellen Schutzmittel geschaffen - bereits zu Beginn der Covid-19-Ausbreitung. Auch die Kapazitäten zur Produktion von antiseptischen Mitteln wurden vergrößert und zahlenmäßig verdoppelt – heute decken sie den Bedarf des Landes. Man kann sagen, dass die Pandemie die Beschleunigung einiger Pläne zur Entwicklung der nationalen Industrie fördert.

    - Saudi-Arabien widmet dem Bergbausektor große Aufmerksamkeit, indem Gesetze und Politik erneuert wurden. Wozu war das erforderlich? Wie entwickelt sich die Branche jetzt? 

    - Die Regionen des Königreichs sind reich an verschiedenen Mineralressourcen. Ihr Wert liegt nach Forschungsangaben bei rund fünf Billionen Riyal. Damit soll die Bergbauwirtschaft zum Jahr 2030 zur drittwichtigsten Einnahmequelle des Landes aufsteigen. Gerade in dieser Branche sehen wir das Potenzial für die Entwicklung der Wirtschaft. Deswegen musste man auch die Regeln der Arbeit dort ändern, damit die Bergbauindustrie effektiver funktioniert.

    Vor kurzem wurden vier Verträge mit den größten Marktakteuren für geologische Erkundung und Erstellung detaillierter Karten der Vorkommen im Westen des Königreichs unterzeichnet. Die Arbeit läuft kontinuierlich.

    - Wie erfolgreich war das Experiment mit dem Importersatz für saudische Industriewaren?

    - Der Importersatz ist ein wichtiges nationales Projekt, das auf den Zielen des Programms Vision 2030 basiert. Das Königreich will das inländische Projekt, das nicht mit der Ölförderung verbunden ist, entwickeln und fördert deshalb andere Produktionen. Wir haben erreicht, dass die Bürger nun mehr saudische Waren bevorzugen, stolz auf sie sind. Das betrifft vor allem die Erzeugnisse der Leichtindustrie. Zu den Plänen gehört die Popularisierung der saudischen Produktion auf dem regionalen und dann auch auf dem Weltmarkt.

    - Sie haben gesagt, dass die Investitionsmöglichkeiten im industriellen Sektor Saudi-Arabiens sehr hoch sind. Können Sie darüber ausführlicher Auskunft geben?

    - Unser Hauptziel ist es, den industriellen Sektor zu einem der wichtigsten Sektoren für Investoren zu machen. Wir erreichen dies dank einer Kombination aus guten Perspektiven und entsprechenden Gesetzen. Der Staat hilft dabei, die Investitionsbedingungen in der Industrie attraktiver zu gestalten, indem Kapital herangezogen und Mechanismen des Wirtschaftswachstums in dieser Branche gefördert werden.

    - Saudi-Arabien will ein industrielles Zentrum am Persischen Golf sein. Was braucht das Königreich noch, um dieses Ziel zu erreichen?

    - Da Saudi-Arabien eine der weltweit stärksten Wirtschaften ist, zur G20 gehört, reicht das heutige Potenzial für die Umsetzung dieses Ziel aus. Wir haben einen hohen Anteil von arbeitenden jungen Leuten, von denen viele bereit sind, sich mit innovativen Fragen in der Industrie zu befassen – also es gibt ernsthafte Perspektiven. Unser Ministerium wird sich seinerseits bemühen, sie am effektivsten umzusetzen. Die Ziele und Aufgaben der Vision 2030 sollen uns auf das notwendige Niveau bringen.

    - In der letzten Zeit wird viel über die Methoden der sogenannten vierten Industrierevolution gesprochen. Will das Königreich sie nutzen?

    - Natürlich, wir arbeiten bereits mit Methoden und Lösungen der vierten Generation – zur Erhöhung der Arbeitsleistung und Konkurrenzfähigkeit sowie zur Automatisierung des Geschäfts und zur Schaffung hochqualifizierter Arbeitsplätze, die für die Staatsbürger unseres Landes attraktiv sein werden. Investitionen in kleine und mittlere Industrieunternehmen werden es ermöglichen, neueste technologische Entwicklungen auch dort anzuwenden. Zudem gehören die Lokalisierung der aussichtsreichen Industriebranchen, die Digitalisierung der Produktionen und die Entwicklung der Digitalwirtschaft zu den Hauptzielen der Vision 2030. Wir können sie also nicht ungenutzt lassen.

    - Wie wollen Sie angesichts der andauernden Covid-19-Pandemie Unternehmer und Investoren unterstützen?

    - Saudi-Arabien gehört zu den Ländern, die die Pandemie mit den geringsten Wirtschaftsverlusten überstanden haben und von der Krise fast nicht heimgesucht wurden. Wir organisierten zahlreiche Initiativen für aktuelle Projekte und Fabriken, darunter finanzielle Unterstützung für Umsatzkapital. Das unterstützt sowohl Unternehmer als auch Investoren. Zudem zeigten industrielle Branchen wie die Produktion von Lebensmitteln, Medikamenten und medizinischen Erzeugnissen eine hohe Effizienz und die Fähigkeit, die Bedürfnisse der Bevölkerung zu decken, sie brauchen keine Unterstützung. Während der Pandemie entwickelten sie sich und wuchsen – das ist sehr erfreulich.

    - Wie soll die Lokalisierung der Produktionen Gewinne für die Nationalwirtschaft abwerfen?

    - Das Ministerium arbeitet heute an der Erhöhung der Informiertheit und des Vertrauens zu den nationalen Produkten und lokalen Unternehmen, was sehr gute Ergebnisse bringt. Die Lokalisierung mehrerer industrieller Branchen ist für uns die Aufgabe Nummer eins bis 2030, ein nationales Projekt. Die Ausrichtung auf den Binnenverbrauch und die Entwicklung der nationalen Produktionen wird die Abhängigkeit von Außenfaktoren reduzieren und das Wachstum der Nationalwirtschaft ohne Einmischung Dritter gewährleisten.

    - Hat Saudi-Arabien vor, künstliche Intelligenz in die Arbeit und Entwicklung der Produktionen zu implementieren?

    - Selbstverständlich, der industrielle Sektor ist einer der aussichtsreichsten für die Implementierung der künstlichen Intelligenz, wir arbeiten daran. Saudi-Arabien will überhaupt ein Zentrum der Entwicklung von Innovationen, Hightech  und künstlicher Intelligenz in den nächsten Jahren werden. Zudem wurde ein komplexer Plan zur Nutzung der Technologien der künstlichen Intelligenz in verschiedenen Bereichen der nationalen Produktion entwickelt. Wir fördern umfassend Unternehmen, die schon heute zur Implementierung solcher Technologien in eigene Produktionen bereit sind.

    * Die in diesem Artikel vorgebrachten Ansichten müssen nicht denen der Sputnik-Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    IT, Ölförderung, Saudi-Arabien, Coronavirus