17:30 23 Juni 2017
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    Körpersprache in der Politik: Mimik und Gesten lügen nicht

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    Wie versuchen Menschen ihre Wahrnehmung in der Öffentlichkeit zu kontrollieren? Wenn Politiker unter Druck stehen, hören wir ihnen nicht nur zu, sondern achten auch auf ihre Körpersprache, die mehr über die Person verrät als ihre Worte.

    Warum ist das alles von Bedeutung?

    Wie ein Politiker oder ein Prominenter aussieht oder sich verhält, bleibt normalerweise viel häufiger in der Erinnerung als die Details seiner bzw. ihrer Äußerungen. Das menschliche Gehirn hat es viel leichter visuelle, als verbale Informationen zu verarbeiten.

    Die Verwendung ausschließlich von Wörtern ist wie ein Versuch, in der „Rushhour" den gesamten Verkehr in eine Einbahnstraße zu lenken. Dank visueller Mittel entsteht aber eine zusätzliche „Autobahn" — mit ihrer Hilfe können Sie viel effizienter kommunizieren.

    Politische Psychologie

    Die meisten Politiker verstehen die große Bedeutung der Körpersprache. Sie heuern Berater an, die ihnen zeigen, wie sie ihre Stärke zum Ausdruck bringen — beim Händeschütteln die Oberhand zu gewinnen oder ihre Lügen mit Gesten vertuschen zu können. Die meisten Menschen wissen beispielsweise nicht, dass die Person, die durch die Tür als letzte geht, als der wahre Chef gilt. Die richtige Unterhaltung beginnt aber dann, wenn viele Spitzenpolitiker, die die Körpersprache beherrschen, zusammenkommen: Für sie ist das Gruppenfoto die beste Möglichkeit, ihre Machtstärke unter Beweis zu stellen. Sie alle versuchen, möglichst rechts zu stehen, denn dann können sie mit ihrer rechten Hand vor der Kamera winken und mit dem linken Arm eine danebenstehende Person umarmen. Deshalb wird bei den Fotosessions gerne hin- und hergeschoben: Alle Staats- und Regierungschefs wollen den perfekten Platz, und wenn es zu den „Shakehands" kommt, sind sie immer „einsatzbereit", um die dominierende Position einzunehmen.

    Wie ein Politiker oder eine prominente Person aussieht oder sich verhält, bleibt normalerweise viel häufiger in der Erinnerung als die Details seiner bzw. ihrer Aussagen.
    © Sputnik/ Mikhail Klimentyev
    Wie ein Politiker oder eine prominente Person aussieht oder sich verhält, bleibt normalerweise viel häufiger in der Erinnerung als die Details seiner bzw. ihrer Aussagen.

    Emotionen, die wir suchen

    Äußerungen, die weniger als eine Sekunde dauern, sagen uns, wie die Situation wirklich ist. Schnelle und raffinierte Bewegungen der Gesichtsmuskeln erfolgen selbst dann, wenn sich der Gesprächspartner souverän und selbstsicher gibt. Seine Mimik zeigt, wie er die Situation unmittelbar bewertet, und vor allem zeigen das seine Augen und sein Mund.

    Wenn Sie sich in der Gegenwart dieser oder jener Menschen intuitiv unsicher fühlen, dann werden Sie wahrscheinlich im Unterbewusstsein auf minimale Gesichtsregungen achten, denn diese sind äußerst wichtig für die Reaktion des Beobachters.

    Es ist immer interessant, Politiker zu beobachten, denn sie sagen oft nicht die ganze Wahrheit. Am besten geht das bei der Analyse von Fotos oder Zeitlupen.

    Ärger: Die Lippen sind zusammengepresst, die Mundwinkel bleiben gerade oder sind nach unten gesenkt. Die Augenbrauen liegen schräg Richtung Stirnmitte. Die Augen sind weit geöffnet (der Blick ist kurz und trüb).

    Der britische Premier David Cameron und die frühere US-Außenministerin Condoleezza Rice
    © Sputnik/ Ilya Pitalev/Ruslan Krivobok
    Der britische Premier David Cameron und die frühere US-Außenministerin Condoleezza Rice

    Freude: Die Mundwinkel sind gehoben, genauso wie die Wangen. In den Augenwinkeln bilden sich Falten.

    US-Präsident Barack Obama, Russlands Präsident Wladimir Putin
    © Sputnik/ Vladimir Rodionov
    US-Präsident Barack Obama, Russlands Präsident Wladimir Putin

    Verachtung: Die Lippen sind auf einer Seite gehoben, der Kopf ist etwas zurückgelehnt.

    Der frühere britische Premier Tony Blair und der jetzige Regierungschef David Cameron
    © Sputnik/ Vladimir Fedorenko/Ilya Pitalev
    Der frühere britische Premier Tony Blair und der jetzige Regierungschef David Cameron

    Puppentheater

    Politiker haben ihre Lieblings-Handgesten und verstehen etwas von der Handhaltung, denn diese kann sehr viel unterstreichen und die Zuschauer hypnotisieren, damit sie sich wohl fühlen und ihnen vertrauen. Hier sind einige Empfehlungen, was man tun kann und was nicht tun sollte:

    Die Baseballspieler-Geste — zwei Finger auseinander: so wird der Baseball gehalten. Die Geste heißt so, weil der Zeige- und der Mittelfinger sich auf verschiedenen Ballseiten befinden, um ihn zu halten.

    Zwei Finger auseinander — das ist ein Beispiel der hybriden Alpha-Beta-Geste. Damit wird Durchsetzungskraft, Autorität, Zuversicht und Stärke zum Ausdruck gebracht.

    Der frühere EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso und IWF-Präsidentin Christine Lagarde
    © Sputnik/ Nikolay Lazarenko/Vladimir Pesnya
    Der frühere EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso und IWF-Präsidentin Christine Lagarde

    Diese Geste ist für diejenigen, die nur selten gestikulieren. Damit wird quasi gesagt: „Ich weiß das alles". Es gibt zwei Varianten dieser Geste —

    Gehobener Kirchturm: In dieser Position befinden sich die Hände, wenn man seine Meinung äußert.

    Gesenkter Kirchturm: In dieser Position befinden sich die Hände, wenn man eher zuhört als selbst spricht.

    Russlands Ministerpräsident Dmitri Medwedew und Präsident Wladimir Putin
    © Sputnik/ Sergey Guneev/Sergey Velichkin
    Russlands Ministerpräsident Dmitri Medwedew und Präsident Wladimir Putin

    Feigenblatt: Die Hände sind über dem Genitalbereich gekreuzt. Das ist eine der bekanntesten „geschlossenen" Gesten, die Unsicherheit und ein geringes Wohlgefühl zeigt.

    Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, Russlands Präsident Wladimir Putin und seine argentinische Amtskollegin Cristina Kirchner
    © Sputnik/ Sergey Guneev/Alexey Nikolsky
    Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, Russlands Präsident Wladimir Putin und seine argentinische Amtskollegin Cristina Kirchner

    Kinnreiben: Das kann eine Geste sein, die Selbstbewunderung symbolisiert und anderen quasi sagt: „Seht mich an — ich bin bekannt!" Zudem kann sie bedeuten, dass man etwas bewertet und eine Entscheidung treffen muss. Wenn man jemanden anschaut und sich das Kinn reibt, können andere denken, dass man die jeweiligen Menschen beurteilt und eine entsprechende Entscheidung getroffen hat.

    Der britische Premier David Cameron und Italiens Ex-Premier Romano Prodi
    © Sputnik/ Sergey Guneev/Anton Denisov
    Der britische Premier David Cameron und Italiens Ex-Premier Romano Prodi

    Experten für Körpersprache

    Auf das gesprochene Wort entfallen lediglich sieben Prozent der Kommunikation, der Rest entfällt auf Gestik und Mimik (55 Prozent) und Tonfall (38 Prozent). Zu diesem Schluss ist der bekannte Kommunikationsexperte Albert Megrabjan gekommen.

    Gestik-Experten unterstützen die Polizei bzw. die Geheimdienste wie CIA oder FBI bei deren Ermittlungen. Auch Filmstudios benötigen ihre Dienste, damit die Gestalten auf der Leinwand realistisch aussehen bzw. handeln.

    Die Mimik ist viel präziser als Worte und sagt über den Gesprächspartner mehr aus als das, was man intuitiv deuten kann. Das bedeutet, dass wir unsere eigene Gestik analysieren sollten, damit wir auch andere Menschen besser verstehen.

     

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