12:01 17 Januar 2017
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    Ein Rat für 2017: Den „Experten“ misstrauen!

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    Ernst Wolff
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    Wohl kaum jemand sieht der Zukunft zu Jahresbeginn 2017 mit ungetrübtem Optimismus entgegen. Zu recht, denn die Zeichen der Zeit stehen auf Sturm. Doch gerade schwierige Großwetterlagen erfordern einen klaren Kopf und präzise Orientierung.

    Beides aber ist schwer zu erlangen, wenn man ständig dem Trommelfeuer der etablierten Mainstream-Medien ausgesetzt ist. Dort werden Halbwahrheiten mit Unwahrheiten gemischt, tatsächliche Sachverhalte verdreht, Ängste geschürt und Vorurteile bedient.

    Wer auf diese Weise unter einer Flut von Informationen erstickt,  wendet sich deshalb gern „Experten“ zu, die ihm im Labyrinth unserer Gesellschaft den Weg weisen sollen. Eine ganze Heerschar solcher Politik- und Wirtschafts-„Experten“ war in den vergangenen Wochen aktiv, um uns allen die Weltlage zum Jahreswechsel und die Aussichten für 2017 zu erklären.

    Das Problem: Die vermeintlich fundierten Analysen dieser „Experten“ lenken genauso wie die übliche Berichterstattung  von den wahren Schuldigen an den derzeitigen Problemen – Spekulanten, Bankern und den ihnen hörigen Politikern – ab, erzeugen Panik, wo diese vollkommen unangebracht ist, und verharmlosen, wo dringende Aufmerksamkeit geboten wäre.

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    Hier ein Beispiel dafür, wie wir alle durch derartige Analysen fehlinformiert werden und Gefahr laufen, wirkliche Bedrohungen nicht wahrzunehmen oder zu unterschätzen:

    Der Fall Monte dei Paschi

    Es gibt kaum einen Wirtschafts- oder Finanz-„Experten“, der sich in den vergangenen Wochen nicht mit der Frage beschäftigt hat, ob die älteste italienische Bank Monte del Paschi di Siena denn nun gerettet werde, ob ihre Rettung durch den italienischen Staat oder die EU erfolgen und ob die EZB grünes Licht dafür geben werde. Dabei wurde immer wieder betont, wie gefährlich ein „Fallenlassen“ des Institutes durch die Verantwortlichen wäre.

    Jede der gestellten Frage hätte von vornherein uneingeschränkt mit „ja“ beantwortet werden können. Die Monte dei Paschi kann nämlich unter keinen Umständen fallen gelassen werden, weil sie sonst den allseits bekannten Domino-Effekt auslösen und das gesamte globale Finanzsystem gefährden würde. Die italienische Regierung kann also gar nicht anders als ihren Teil dazu beizutragen und EU und EZB können ebenfalls nicht anders als einer Rettung zuzustimmen.

    Ebenso wie die politischen Scheingefechte zwischen Rom, Brüssel und Berlin haben sämtliche „Experten“-Analysen um die Monte dei Paschi die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf Fragen gerichtet, die im Grunde gar keine waren. Damit aber haben sie von einem Problem abgelenkt, das im Hintergrund lauert, immer größere Ausmaße annimmt und für uns alle zu einer ständig zunehmenden Gefahr wird: Die Reaktion der Finanzindustrie auf den unvermeidlichen Zerfall der EU.

    Bail-out statt Bail-in

    Nach der Krise von 2008, in der die Banken durch ein Bail-out (also mit Hilfe von Steuergeldern) gerettet wurden, hat die EU die Bail-in-Regelung eingeführt. Sie gilt seit dem 1. Januar 2016 in allen EU-Ländern und besagt, dass im Fall des drohenden Zusammenbruchs einer Bank zunächst Anleger, Aktionäre und Sparer zur Kasse gebeten werden müssen und dass erst danach der Steuerzahler belastet werden darf.

    Diese Regelung ist bereits 2013 auf Zypern und Ende 2015 bei vier italienischen Banken in der Toskana angewandt worden. Im letzten Fall hat sie, da sehr viele Mittelständler als Anleger betroffen waren, eine Welle des Protestes ausgelöst. Da bei der Monte dei Paschi mehr als 150.000 private Anleger betroffen wären, hat sich die italienische Regierung aus Angst vor Protesten und deren politischen Folgen strikt geweigert, das Bail-in anzuwenden.

    Zwar hat die EZB (vor allem auf deutschen Druck hin) versucht, die Regierung in Rom umzustimmen – jedoch ohne Erfolg. Das hat dazu geführt, dass Italien nun mit dem Einverständnis der EU und der EZB soeben eingeführtes geltendes Recht außer Kraft setzt, um die Monte dei Paschi mittels eines Bail-outs über Wasser zu halten.

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    Diese – vorübergehend wirksame – Rettungsmaßnahme wird von den „Experten“ derzeit als „Sieg der Vernunft“ gefeiert und dem breiten Publikum als „Lösung der italienischen Probleme“ präsentiert. Das aber ist nicht nur falsch, sondern hindert diejenigen, die es für bare Münze nehmen, daran, Vorkehrungen für eine kommende Krise zu ergreifen, deren Ausmaß gar nicht abzuschätzen ist.

    Die tatsächliche Alternative heißt: Bankenrettung oder Volksaufstand

    Tatsächlich weigert sich die vor unseren Augen zerfallende EU, die von ihr selbst geforderte Regelung des Bail-in im Fall der Monte dei Paschi zu erzwingen, weil sie fürchtet, dass die Enteignung von Anteilseignern, Aktionären und Sparern im Extremfall einen Volksaufstand auslösen, zumindest aber zu einem für das Bankensystem höchst gefährlichen Banken-Run führen könnte.

    Damit aber nimmt die Eurokrise eine völlig neue Qualität an. Noch im vergangenen Jahr hat die EU nämlich alle Hebel in Bewegung gesetzt, um eine weitere Bankenrettung mit Steuergeldern, also ein Bail-out, zu verhindern. Zu diesem Zweck hat sie 2015 sechs Mitgliedsländer verklagt und gezwungen, die Bail-in-Regelung umgehend zu geltendem Recht zu erklären. Dass sie dieses nun bei der Monte dei Paschi nicht juristisch erzwingt, zeigt, dass die EU derzeit keinen anderen Ausweg mehr sieht, als vor möglichen Protesten zurückzuweichen und auf ein Bail-out zurückzugreifen.

    Das aber wird für die arbeitenden Menschen in Italien und ganz Europa drastische Folgen haben. Die Regierung in Rom wird mit allen Mitteln versuchen, die für die Bankenrettung ausgegebenen Gelder an anderer Stelle einzusparen, d.h. sie wird Kürzungen im Sozialbereich vornehmen, Steuern erhöhen, den Niedriglohnsektor ausweiten, das Arbeitsrecht weiter aufweichen und möglicherweise den Mindestlohn senken.

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    All diese Maßnahmen werden die ohnehin tiefe soziale Krise im Land weiter verschärfen. Gleichzeitig wird sich die Lage im Bankensektor durch die Rettung der Monte dei Paschi keinesfalls grundlegend verbessern. Die Probleme sind nur aufgeschoben und werden in absehbarer Zeit in noch schärferer Form erneut auftreten. Das bedeutet: Beim Eintritt der nächsten Krise wird das Potenzial für eine soziale Explosion noch größer sein als zurzeit.

    Der Weg führt letztendlich in den Finanz-Faschismus

    Für den Rest Europas hat die Rettung der Monte dei Paschi ebenfalls erhebliche Auswirkungen: Die erneute Belastung von Steuerzahlern wird politisch zu weiteren Verwerfungen und zu einer weiteren Zersetzung der EU führen, da die Mehrheit der EU-Bürger derartige Zahlungen – wie die Abstimmung zum Brexit eindrucksvoll gezeigt hat — ablehnt.

    Zum anderen wird durch die Rettung der Monte dei Paschi ein Präzedenzfall geschaffen, der es so gut wie unmöglich machen wird, irgendwo in Europa noch einmal die Bail-in-Regelung anzuwenden. Das heißt: Es wird bei zukünftigen Bankenproblemen weitere Bail-outs geben – mit der Folge, dass weiteres Geld gedruckt, der Euro noch stärker entwertet und die Blasen an den Anleihen-, Aktien- und Immobilienmärkten noch weiter aufgebläht werden.

    Da auch die Finanzindustrie weiß, dass am Ende dieses Weges nur noch die Alternative Crash oder Hyperinflation steht, wird sie die Politik und die EZB irgendwann ultimativ dazu auffordern, das Ruder herumzureißen und zu diesem Zweck auf das Bail-in zurückzugreifen. Das aber wird dann nur unter Anwendung von Gewalt gegen die Bürger möglich sein – der Grund, warum Polizei und Militär derzeit überall (unter dem Vorwand der Terrorismus-Bekämpfung) aufgerüstet werden.

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    Sollte aber auch der Einsatz von Polizei und Militär nicht ausreichen, bleibt der Finanzindustrie nur noch eine Möglichkeit: Dann wird sie auf die Abschaffung des letzten Rests an verbleibender Demokratie setzen und die Karte des Faschismus ziehen. (Die Unterstützung Donald Trumps in den US-Wahlen durch die Wall Street ist ein erster Schritt in diese Richtung und nimmt die Entwicklung in Europa vorweg.)

    Die vermeintlichen „Experten“ erzählen uns von alledem – nichts. Statt uns zu warnen, verschleiern und vernebeln sie eine höchst gefährliche Entwicklung, die sich mit unerbittlicher Konsequenz vor unseren Augen entfaltet, und lenken unsere Aufmerksamkeit auf unbedeutende Nebenschauplätze.

    Das aber bedeutet: „Experten“ zu vertrauen, heißt, nicht in der Lage zu sein, die tatsächlichen tiefgreifenden Triebkräfte der Veränderung in unserer Gesellschaft zu erkennen und unvorbereitet in eine Zukunft zu gehen, die von verschärfter Austerität, zunehmender Geldentwertung, einer Aufrüstung des staatlichen Gewaltapparates und einer weiteren Einschränkung demokratischer Rechte geprägt sein wird. Ganz zu schweigen von den daraus resultierenden immer heftigeren internationalen Verteilungskämpfen und einer damit einhergehenden kontinuierlich zunehmenden Kriegsgefahr.

    Die Meinung des Autors muss nicht mit dem Standpunkt der Redaktion übereinstimmen.

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    Tags:
    Bail-in, Bail-out, Monte dei Paschi, Europäische Zentralbank (EZB), Europäische Union, Italien
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    Alle Kommentare

    • hihardt
      Sehr geehrter Herr Wolff,
      zur Welt-Finanzsituation habe ich mich bisher in Kommentaren nicht geäußert, weil ich dies Fachleuten überlassen wollte, die mit der entsprechenden Terminologie vertraut sind.
      Das heißt aber nicht, dass mir die Zusammenhänge nicht bekannt sind und Gutgläubigkeit - gerade im Verlauf der letzten 40 Jahre - nicht mehr zu meinen Eigenschaften zählt.

      Ihren Beitrag habe ich mit sehr großem Interesse gelesen, und er bestätigt das, worüber ich seinerzeit mit Bolko Hoffmann (Herausgeber von EFFEKTEN SPIEGEL), der Ihnen sicher bekannt sein dürfte), intensiv diskutieren durfte. Wie schnell sich seine Prognosen erfüllen würden, hatten wir beide nicht gewünscht - er muss es nun nicht mehr erleben.

      SIE hätten ihm gefallen. Bleiben Sie bitte weiter so klar und deutlich, einen kleinen Hoffnungsschimmer braucht die betrogene Menschheit, um nicht ganz zu verzweifeln.
      Danke - und alles Gute für 2017.
      Beste Grüße
      Hildegard Hardt
    • boroser1502
      Vertrauen ist gut und wichtig und notwendig.

      Vertrauen wurde LEIDER massiv missbraucht.

      Menschen wurden manigfaltig und intensiv getäuscht.

      Ein HOCHAKTUELLES ZITAT VON GEORGE ORWELL:

      In Zeiten der universellen Täuschung wird das

      Aussprechen der Wahrheit zur revolutionären Tat.

      Intelligenz wurde benutzt, um zu lügen und zu täuschen.

      Versprechungen werden inflationär gemacht und gebrochen.
    • wwwbuerger
      Die Deutschen schalten ab....
      www.rp-online.de/politik/deutschland/angela-merkel-sollte-auf-neujahrsansprache-verzichten-aid-1.566

      Wir haben gelernt bei Experten Rat, Propaganda Komedianten, die Wahrheit über.., Polittalks und bei wichtigen Politreden einfach umzuschalten..... Die Einschaltquoten ist der größte Schrecken für alle Propagandisten und Meinungsmacher ;-))).. Da weiss auch der Nuhr, dass er nuhr für ein kleines Publikum interessant ist ;-))) .
    • zimboAntwort anwwwbuerger(Kommentar anzeigenKommentar ausblenden)
      wwwbuerger, tapfere rp 😀
    • cayennepfeffer
      Vor den sogenannten MSM schütze ich schon seit Jahrens, indem ich sie nicht mehr lese.
      Ich erfahre weit mehr durch alternative Medien, die ich im Internet in großer Zahl finde.
      Auch wenn kein Medium 100%ig sicher die reine Wahrheit schreibt bzw. schreiben kann, so entwickelt sich beim Lesen vieler solcher investigativer Zeitungen im Laufe der Zeit ein roter Faden, an dem man sich orientieren kann.
      Welche Schlüsse ziehe ich nun aus diesen Erkenntnissen ?
      Zum einen habe ich begriffen, daß man keine der etablierten Parteien mehr wählen kann.
      Seitdem ich verstanden habe, daß politische Entscheidungen grundsätzlich „zugunsten von Banken, Hochfinanz und Konzernen“ getroffen werden, kann ich plötzlich sehr viel verstehen.
      Genau das ist Faschismus: die geheime und illegale Absprache und Kooperation von Staat/Politikern, Banken, Hochfinanz und Konzernen gegen das Wohl des Volkes (siehe Wirtschaftslexikon.de – eine gute Definition).
      Das Grundübel ist unser verzinstes Schuldgeldsystem – aus diesem Grund wird über alles diskutiert, aber nie über dieses Problem.
      Ich lasse mir von niemandem erzählen, daß unsere Politiker das nicht wissen – die sehen nur ihre Vorteile und werden meines Erachtens durch „Mitarbeit“ in transatlantischen Institutionen indoktriniert (oder wie auch immer man das nennen will).
      Uind wenn ein Politiker das wirklich nicht weiß, dann redet er nur hohles Zeug in seinem hochdotierten Job.
      Die einzigen Parteien, die in ihrem Programm Bankenregulierung, Nachdenken über ein anderes Geldsystem, die Abwicklung von maroden Banken und die Inhaftungnahme von Aktionären und Bankenvorständen vorsehen unter Ausschluß der regulären Bankenkunden (Sparer, Girokonteninhaber), und die die NATO als Angriffsbündnis sehen, sind derzeit nur die AfD und die Deutsche Mitte.
      Leider ist die Deutsche Mitte (noch) zu klein, um politisch agieren zu können (wie sich das im Laufe der nächsten Jahre entwickelt, wird man sehen).
      Ich kann nur jedem raten, sich einmal das Programm der AfD komplett durchzulesen.
      Was die AfD dann umsetzt oder umsetzen kann, wird man ebenfalls sehen – zumindestens ist sie eine Opposition, die (so hoffe ich) diese Dinge thematisiert.
    • meischli
      Werter Herr Wolff, ich schätze Ihre Kommentar stets. Sie verstehen es Situationen ungeschminkt darzustellen und beleuchten Probleme m.E. vom Standpunkt der Wahrhaftigkeit aus. Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie einmal das Problem der "Verantwortlichkeit" anschneiden könnten: unliebsame Ereignisse werden heute in den MM dargestellt, als wären es Naturkatastrophen, für die niemand verantwortlich ist. Dabei ist doch z.B. die Finanzkrise ein Zustand der von einer kriminellen Finanzelite herbeigeführt worden ist. Oder die Zerstörung gewisser Länder wie Libyen, Syrien, Irak, Afghanistan, Jemen...usw. und die daraus resultierenden Flüchtlingsströme, sind doch keine Naturkatastrophen, sondern von Menschenhand gemachte völkerrechtswidrige Desaster, für die es Verantwortliche gibt. Hat denn niemand den Mut die dafür Verantwortlichen vor den Richter zu bringen?
    • cayennepfeffer
      Nachtrag zu „…Abschaffung des letzten Rests an verbleibender Demokratie…“:
      Nein – ich glaube nicht, daß diese Kreise das zu tun wagen oder sogar schaffen.
      Dazu wissen die Menschen inzwischen zuviel und sind zu aufgeklärt, um sich alles bieten zu lassen.
      Und genau dieser Point-of-no-Return ist längst schon überschritten.
      Nur haben die Eliten das noch nicht begriffen.
      Abgesehen davon bin ich nach wie vor der Ansicht, daß es unter den Eliten sehr verschiedene Strömungen gibt, die sehr verschiedene Sichtweisen zur Zukunft der Menschheit haben.
      Und da gibt es noch so einige Dinosaurier, die schlicht und einfach aussterben müssen mit ihren althergebrachten Sichtweisen – ich zitiere Max Planck: »Eine Erkenntnis setzt sich nicht deshalb durch, weil die Vertreter des alten Systems überzeugt wurden, sondern weil sie aussterben und eine neue Generation an ihre Stelle tritt, die mit den neuen Gedanken aufgewachsen ist.«
      Auch für diese Eliten gilt Einsteins Satz: „Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muß man vor allem ein Schaf sein“.
      Mehr als Schafe sind die auch nicht.
      Hier stimme ich mit Herrn Wolff nicht überein.
    • Никита
      Ja, auch ich habe gelernt, den "Experten" zu misstrauen.
      Kennt Ihr Lorenz Haag? Den Professor, den Chef des bekannten Instituts "Agentur für globale Kommunikation"? Den Universalgelehrten, der sich mühelos zu Außenpolitik, Wirtschaft, Raumfahrt und Krim-Krise äußert?
      Sagt Euch nichts? Als Leser von Sputnik sollte es aber. Denn in russischen Medien machte Haag regelmäßig Schlagzeilen. Besonders oft zitierte die staatliche Nachrichtenagentur Tass den "deutschen Professor". Haag sagte dann, was die Russen gern von der Bundesrepublik hören wollen. "In Deutschland wird die Position der Krim und Russlands verstanden", lautet eine der Titelzeilen. Dem Radiosender Golos Rossii ("Stimme Russlands") sagte Haag: "Die Ukraine hat ihre Verhandlungen mit Russland über die Gaslieferungen selbst zum Stillstand gebracht." Er verurteilt, dass in Estland sowjetische Denkmäler abgetragen wurden. Er meint, dass die Sowjetunion den Zweiten Weltkrieg auch ohne Zutun der Westalliierten gewonnen hätte.
      Wladimir Smelow ist Berlin-Korrespondent der staatlichen Nachrichtenagentur TASS. Die gab es schon zu Sowjetzeiten als "Agentur der UdSSR". Gerade hat sie ihren alten Namen wieder angenommen. Professor Lorenz Haag taucht grundsätzlich zuerst in den Meldungen von TASS auf. Korrespondent Smelow sagt, die Vorwürfe seien aus der Luft gegriffen."Natürlich existiert Herr Lorenz Haag. Ich kenne ihn persönlich, wir haben uns vor einigen Jahren bei einer deutsch-russischen Veranstaltung in Berlin kennen gelernt. Gewöhnlich kommunizieren wir per Telefon." Haags Telefonnummer will er nicht weitergeben, der Professor bestehe auf seine Privatsphäre.
      "Ich gebe Ihnen die Email-Adresse von Herrn Haag". Die Adresse besteht aus den Initialen des Professors, LH, und einer Zahlenkombination, das Ganze bei einem kostenlosen E-Mail-Dienst – nicht gerade repräsentativ für einen viel zitierten Experten mit einer Agentur im Hintergrund. Eine E-Mail an die Adresse mit Fragen nach seiner wissenschaftlichen Tätigkeit bleibt unbeantwortet. Ein Reporter der Deutschen Welle kam weiter. Er konnte mit Herrn Haag telefonieren und hörte einen starken slawischen Akzent heraus. Der Deutschen Welle sagte Haag, er sei Russlanddeutscher und in den 1990er-Jahren nach Deutschland eingewandert. Er habe sogar zwei Professorentitel. Es seien allerdings Ehrentitel, verliehen von zwei Technischen Universitäten im Nordkaukasus.
      Lorenz Haag, der Phantom-Professor, antwortet Ihm auf eine Anfrage per Mail in gebrochenem Deutsch: "Alle meine notwendige Papiere haben offizielle deutsche Behörden." Er wolle "alle Mögliche tun, dass zwischen Deutschland und Russland gute Beziehungen entwickelt werden". Im Übrigen sei er froh, seit mehr als 20 Jahren in Deutschland zu leben, "im Land meiner Ahnen".
      Solche Figuren gab es auch im Kalten Krieg. Noch in den 70er, 80er Jahren bezahlten die sowjetischen Nachrichtenagenturen Professoren, die zu verstehen geben sollten, dass nicht alle im Westen unsere Feinde sind.

      Ein ähnliches Exemplar ist übrigens auch Kert Meier (alias Kurt Mayer) von RT...
    • zivilistAntwort anНикита(Kommentar anzeigenKommentar ausblenden)
      Никита,

      Sie Scheinen ja geradezu ein Experte für Russlnddeutsche Experten zu sein, jedenfalls für diesen einen, vermutlich kennen Sie ihn schon sehr lange und wurden irgendwann enttäuscht. Dieser Eine hat zwar nicht viel mit dem Artikel zu tun, aber wenn Sie ihn hier schon vorführen, hätte mich ja eine INHALTLICHE Kritik mehr interessiert, wenn Sie verstehen, was ich meine.
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