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15:47 22 Juli 2019
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    Die britische PremierministerinTheresa May bei der Pressekonferenz mit US-Präsident Trump

    Der Krieg spricht Englisch und Französisch

    © AFP 2019 / Mandel Ngan
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    Willy Wimmer
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    Man konnte sich beim Besuch der britischen Premierministerin so richtig an "Rot" satt sehen. Kostüme können den Charakter von Leuchtfeuern annehmen.

    Es stand aber auch jedem, der Ihre Statements vor den Frontleuten der amerikanischen Republikanischen Partei hörte oder sie bei der Pressekonferenz mit Präsident Trump verfolgte, frei, so richtig "rot" zu sehen.

    Wenn alles das, was Frau Premierministerin May in USA gesagt hat, zusammen bewertet wird, dann geht es der angelsächsischen Welt derzeit darum, weniger ihre Wertvorstellungen auf Dauer aufrecht zu erhalten. Vielmehr soll das Arsenal an Kriegsoptionen funktionsfähig gehalten werden, damit man seine Vorstellungen dem staunenden Globus aufzwingen kann. Natürlich wird das dann als "Wertvorstellungen" deklariert, auf die die Beglückten allerdings keinen Einfluss hatten und haben werden.

    Krieg ist das oberste Ziel

    Irgendwie kann es niemand mehr hören. Da stellt sich die britische Premierministerin in ihrer unnachahmlichen Art nach dem Gespräch mit Präsident Trump bei der Pressekonferenz ans Mikrofon und redet der Rüstungsindustrie das Wort. Als ob die Welt nichts Besseres zu tun haben würde. Ist das die Priorität für eine Menschheit, die nach Ende  des Kalten Krieges im Elend der vom Westen und auch den Briten angezettelten Kriege wieder einmal Blut hat lassen müssen?

    Sicher, die Regierungen des Westens haben eine einstmals freie Presse zu der optimalen Waffe für jedes neue Kriegsabenteuer gemacht. Diese Waffe soll jetzt durch Zensur und Einschüchterung noch effektiver gemacht werden. Glaubt Frau May allen Ernstes, dass dies der im November 1990 in Paris feierlich verabschiedeten Charta über den so innig ersehnten Frieden in Europa und darüber hinaus entspricht? In Ihren amerikanischen Reden erweckte Frau May den Eindruck, dass es ihr in erster Linie in Europa darum geht, Russland als Faktor so auf Armeslänge aus Europa rauszuhalten, dass es nur ja nicht zu einer von vielen Europäern ersehnten oder als nützlich betrachteten Zusammenarbeit mit der Russischen Föderation kommt.

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    London beherbergt nicht nur die "City" als Supermacht, die sich ein Land mit dem Namen Großbritannien hält. London ist auch die clearing-Stelle für den Abgleich inner-russischer Interessen.

    Wer die Augen in der Zeit nach Ende des Kalten Krieges aufgesperrt hatte, konnte an der speziellen Funktion Londons für russische Oligarchen mit und ohne Kreml-Siegel, alte und neue russische Macht nicht übersehen. Donnert Frau May nur aus dem einen Grund gegen eine dringend gebotene Zusammenarbeit in Europa mit einem Nachbarvolk, weil eine Zusammenarbeit von Washington und Brüssel mit Moskau die Sonderstellung Londons auf diesem Gebiet gefährden wird? Sie kann sicher sein, dass gerade der US-Präsident den für sein Land richtigen Deal mit Moskau machen wird.

    Da mag man auch in Brüssel oder Berlin davon faseln, in eine imaginäre Lücke stoßen zu wollen, die der Super-Stratege Oettinger im Falle der USA ausgemacht haben will. Präsident Trump, der die Welt in einem atemberaubenden Tempo umkrempelt, wird dazu Fakten geschaffen haben, bevor in Berlin oder Brüssel die ersten Gedanken zu Papier gebracht worden sein werden.

    Wie realistisch in Brüssel/Berlin die USA derzeit eingeschätzt worden sind, haben alle vor wenigen Wochen in der desaströsen Fehleinschätzung deramerikanischen Wahlen gesehen.

    Präsident Trump war in der Pressekonferenz mit Premierministerin May feinfühlig genug, immer wieder auf seine schottische Teil-Abstammung aufmerksam zu machen. Frau May wurde liebenswürdig auf ihre Hausaufgaben hingewiesen und ihre Kriegs-und Konflikt-Rhetorik in die Ecke gestellt. Kann es sein, dass Frau May auch neben Herrn Präsidenten Trump von "gestern" ist, was die neuen Schwerpunkte der Vereinigten Staaten und vielleicht demnächst auch des Präsidenten Putin anbelangt. Von Berlin und Frau Dr. Merkel schweigt man als "Statthalterin Obamas auf Erden" gleich mit.

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    Alle Welt wartete gespannt auf das Treffen in Washington. Da wäre  es sowohl für die Bundeskanzlerin als auch den französischen Präsidenten sinnvoller gewesen, CNN oder BBC einzuschalten. France24 geht auch noch, aber deutsche Sender verbleiben auf Provinz-Niveau. Aber nein, man wollte unter allen Umständen unter Beweis stellen, wie schnell ein Treffen in Berlin vergessen wird. Dabei sollten wir genau hinsehen, wenn ein französischer Präsident hier auftaucht. Warum wird betont, dass Frau Dr. Merkel an der Seite  Frankreichs steht, wenn Frankreich angegriffen wird? Warum geht die Bundeskanzlerin nicht hin, um dringt auf eine Änderung der französischen Kriegsgeneigtheit. Von Syrien bis Mali gibt es doch jeden Grund der Welt, unserem französischen Lieblingspartner dringend nahezulegen, mit seinen Endlos-Kriegen Schluss zu machen oder für diese Abenteuer keine deutschen Soldaten mehr zur Verfügung zu stellen.

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    Es ist doch was faul im Westen. Warum wollen unsere Partner für die Kriege, die nicht unsere Kriege sind, unter den fadenscheinigsten Gründen unsere Soldaten für ihre Zwecke? In der Öffentlichkeit wird darauf aufmerksam gemacht, dass wir heute mit unseren Soldaten in mehr Ländern präsent sind, als zu früheren Zeiten. Für die "Bekämpfung der Fluchtursachen und Folgen der Kriege" hat Deutschland im letzten Jahr neben den Milliarden für den Bundeswehr-Einsatz gut 22 Milliarden  aufwenden  können.

    Die Wähler in Deutschland werden gerade dazu in diesem Jahr ihre höchstpersönliche Rechnung ausstellen. Man darf gespannt sein. Auch dazu, ob die Fremdbestimmung für Deutschland in der Kriegsfrage über Wahlen endlich durchbrochen werden kann? NATO  und EU nur, wenn Deutschland an Kriegen teilnimmt, die die  andere  nach Nürnberg gebracht hatte? Als Ergebnis des Zweiten Weltkrieges sollte der Krieg über die Charta der Vereinten Nationen geächtet werden. Der Westen machte ihn zur Dauerbeschäftigung und damit muss Schluss sein.

    Lässt Präsident Trump hoffen?

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    Tags:
    Zusammenarbeit, Kalter Krieg, Angela Merkel, François Hollande, Günther Oettinger, Theresa May, Donald Trump, Großbritannien, USA