07:17 19 Oktober 2017
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    Altbundeskanzler Helmut Kohl

    Mit Wehmut

    © Photo: AP/Michael Probst
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    Willy Wimmer
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    2006 unterschied sich als Jahr nicht von dem, was ich zuvor gesehen hatte. Seit seinem Ausscheiden aus dem Deutschen Bundestag kam ich regelmäßig und in kurzen Anständen mit dem Bundeskanzler zusammen.

    Sein Büro "Unter den Linden" war ein sicherer Gesprächsort. Vorher waren es die Amtsräume im Kanzleramt in Bonn. Zu jener Zeit trieb uns wieder einmal die Sorge um einen weiteren  Krieg um, ein Krieg gegen den Iran. Mit Helmut Kohl als deutschem  Bundeskanzler hätte es schon nicht den völkerrechtswidrigen  Krieg gegen die Bundesrepublik Jugoslawien gegeben. Mit  den dazu gehörenden Vier-Augen-Gesprächen mit dem jugoslawischen
    Präsidenten Milosevic hatte der Bundeskanzler mich betraut.

    Jetzt drohte nach einer gemeinsamen Einschätzung der nächste  Krieg und ich erlebte in unseren Diskussionen wieder den  Bundeskanzler, wie ich ihn als Vorsitzender der CDU-Niederrhein mit  ihren damals 27000 Mitgliedern und später als Kabinettsmitglied  erleben konnte. Es kannte die Geschichte, ihm waren die Motive geläufig, Akteure schätzte er ein, die Scharniere der Welt waren ihm  vertraut. Ich sagte ihm, dass nach meiner Einschätzung die Nation in  der Stunde der Not — und das würde dieser Krieg bedeuten — zwei Persönlichkeiten vertrauen würde: Helmut Schmidt (mit dem er  nicht redete) und er. Beide müssten sich in dieser Lage an die Nation  wenden und ich regte dazu an, dass ich das Gespräch mit seinem  Amtsvorgänger suchen wolle, um das zu bewerkstelligen. Ohne  jedes Zögern sagte er nur: „Mach".

    So kannte ich ihn über Jahrzehnte.  Er war präzise, immer zu erreichen und bei seinen Aufträgen eindeutig.  Von ihm erfuhr ich in zwei Punkten, worauf es ihm ankam, und er  überließ es mir, das Ergebnis zu erreichen.

    Die Gespräche mit seinem Amtsvorgänger Helmut Schmidt fanden  in seinen Räumlichkeiten im Verlag der "Zeit" in Hamburg statt.  Sie zogen sich über Stunden hin, weil es keinen Aspekt in der   weltpolitischen Beurteilung ergab, den wir nicht teilten. Aber zwei Sätze,  die Bundeskanzler Helmut Schmidt mir zum Schluss unseres ersten  Gespräches mit auf den Weg gab, haben sich bei mir eingebrannt.  Auch deshalb, weil ich das viele Jahre andauernde  Schweigen  zwischen beiden Persönlichkeiten kannte. "Sagen Sie bitte Ihrem  Herrn Bundeskanzler, dass ich für Gespräche zur  Verfügung stehe. Und sagen Sie ihm weiter, dass er bei der Wiedervereinigung alles richtig gemacht hat." Vor seiner ersten  Knieoperation hat Bundeskanzler Helmut Kohl seinen Vorgänger im  Amt, Bundeskanzler Helmut Schmidt, in Hamburg aufgesucht.

    Deutschland hat in einem kurzen Abstand Helmut Schmidt und  Helmut Kohl verloren. Was bleibt unserem Vaterland?

    Tags:
    Ableben, Slobodan Milosevic, Helmut Kohl, Willy Wimmer