07:58 20 August 2017
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    Polizisten, Ansbach, Bayern (Archivbild)

    Auf die Größe kommt es eben doch an! Oder?

    © AP Photo/ Matthias Schrader
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    Ilona Pfeffer
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    Stahlharte Muskeln, Furchtlosigkeit und Köpfchen obendrein – Supervoraussetzungen, um im Polizeidienst unser Land zu schützen. Wären da nicht diese Paar Zentimeter, die man zu kurz geraten ist. Bei der Auswahl ihrer Bewerber sortiert die Polizei nach Gardemaß. Unfair, nicht wahr?

    Ich gebe zu, es hatte schon etwas von Genugtuung, als ich diese Woche von dem Urteil las, das in NRW gefallen ist. Da hatten nämlich vier junge Frauen gegen das Land Nordrhein-Westfalen geklagt, weil ihre Bewerbungen bei der Polizei NRW wegen geringer Körpergröße abgelehnt worden sind. Bei der 22jährigen Johanna Fee Dillmann aus Krefeld waren es gerade einmal 1,5 Zentimeter, die zur Vorgabe von 1,63m gefehlt haben.

    Die 2. Kammer des Verwaltungsgerichtes gab den Klägerinnen Recht, auch wenn die Begründung des Urteils kurios klingen mag: Die Größenvorgaben würden männliche Bewerber benachteiligen. Weil es dieses Kriterium für Frauen gibt (in NRW sind es 1,63m), wurde auch für Männer ein Mindestmaß von 1,68m eingeführt. Dadurch würden kleinere Männer – die aber immer noch grösser und womöglich geeigneter sind als ihre weiblichen Mitbewerberinnen – im Auswahlverfahren benachteiligt.

    Auch ich hatte einmal mit dem Gedanken gespielt, bei der Polizei oder bei der Bundeswehr in den Dienst des Landes zu treten. Vor allem wegen der Sportförderung, die man potenziell bei einem solchen Arbeitgeber in Anspruch nehmen könnte. Doch meinen naiven Träumen wurde schnell der Riegel der Realität vorgeschoben: Mit 1,52m lag ich deutlich unter den geforderten Mindestgrößen bei Polizei und Bundeswehr. Ein Blick auf den aktuellen Anforderungskatalog bei polizeiausbildung24.de verrät: Um für das Auswahlverfahren in Frage zu kommen, müssen weibliche Bewerberinnen je nach Bundesland ein Mindestmaß von 1,60m (Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg) bis 1,65m (Hamburg, Sachsen) vorweisen können. Seit die Bundeswehr weibliche Rekrutinnen hat, wurde auch da die Messlatte angesetzt. Zunächst waren mindestens 1,55m verlangt, später wurde eine Körpergröße von mindestens 1,59m gefordert.

    „Die Polizei verlangt eine gewisse körperliche Mindestgröße von ihren Bewerbern. Ein Grund hierfür ist, dass Polizisten bei körperlichen Auseinandersetzungen nicht bereits durch eine zu geringe Körpergröße ein Nachteil entstehen soll“ heißt es zur Begründung der Anforderung auf polizeiausbildung24.de. Auch sei eine zu kurz geratene Polizistin in der Hundertschaft womöglich nicht fähig, die 20 Kilogramm schwere Ausrüstung zu tragen.

    Ich frage mich: Kann man Kraft, Ausdauer und Wehrhaftigkeit an Zentimetern festmachen oder ließe sich das nicht viel besser mit praktischen Belastungstests rausfinden? In meiner Zeit in der American-Football-Bundesliga hat mich meine geringe Körpergröße jedenfalls von nichts abgehalten.

    Und wenn wir schon dabei sind: Was muss ein Polizeibewerber denn sonst für Qualitäten mitbringen? Keine Vorstrafen, geordnete finanzielle Verhältnisse (um nicht in Versuchung zu kommen, Beschleunigungsgelder anzunehmen), deutsche Staatsbürgerschaft und den Glauben an unsere demokratische, rechtsstaatliche Ordnung. So weit so logisch. Bei schulischen Leistungen gibt man sich sogar recht großzügig:

    „Der mittlere Dienst setzt i.d.R. einen mittleren Bildungsabschluss wie die Realschule voraus. In einigen Bundesländern ist eine Bewerbung jedoch auch mit einem Hauptschulabschluss möglich. Der gehobene Dienst setzt die (Fach-) Hochschulreife voraus. Einige Behörden stellen zusätzliche Ansprüche an den Notendurchschnitt oder haben besondere Anforderungen an einige Fächer wie Englisch, Deutsch und Sport.“

    Kurios wird es bei den körperlichen Voraussetzungen. Neben Offensichtlichem, wie einem gesunden, normalgewichtigem Körper ohne Bewegungseinschränkungen, legt man bei der Polizei offenbar keinen allzu großen Wert auf gute Sehkraft:

    „Die Sehleistung auf jedem Auge muss ohne Brille bis zum 20. Lebensjahr 50%, danach 30% betragen. Weiterhin wird Farbunterscheidungsvermögen, Stereosehen und Nachtsehvermögen verlangt.“

    Dafür aber anscheinend umso mehr auf gutes Aussehen. Sichtbare Hautkrankheiten wie Neurodermitis (nicht ansteckend) sind unerwünscht, ebenso wie Tätowierungen und anderer Körperschmuck. Mein Favorit ist aber:

    „Saniertes Gebiss. Das Gebiss des Bewerbers muss saniert und kariesfrei sein.“

    Außerdem sollte der angehende Polizist keine störenden Sprachfehler haben, da diese die Kommunikation erschweren könnten.

    Fazit: Der ideale Polizeianwärter ist ein kariesfreier Hüne mit deutscher Staatsbürgerschaft und ohne ästhetisch nachteilige Hautveränderungen. Gut sehen können muss er nicht und Abitur braucht er nur für den unwahrscheinlichen Fall, dass er in den gehobenen Dienst kommt. Doch während eine zu kleine Anwärterin zumindest nicht schrumpfen wird, lauern auf jeden erfolgreich aufgenommenen Bewerber Übergewicht, Zahnverfall und andere Krankheiten.

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    Tags:
    Bewerber, Dienst, Realität, Polizei, Bundeswehr, Deutschland
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