03:44 21 September 2017
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    AfD-Wahlplakate an Straßenwand in Gelsenkirchen (Archivbild)

    Trauerspiel statt Thriller: Deutsche Medien erneut als antirussische Propagandisten

    © AP Photo/ Martin Meissner
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    Tilo Gräser
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    Ein absurdes und bedauerliches, aber ernstgemeintes Schauspiel in wiederholter Aufführung: Deutsche Qualitätsmedien haben gleich mehrere Redakteure losgeschickt, um erneut vermeintlich unheimliche Aktivitäten Russlands in der Bundesrepublik aufzudecken. Das dunkle Treiben deutscher Politik scheint für sie uninteressant.

    War es als Horror-Stück oder doch eher als Thriller gedacht, was dieser Tage auf der deutschen Medienbühne gezeigt wurde? Da sollen AfD-Funktionäre Verbindungen zu einem russischen Spion in Polen haben, meint die „Süddeutsche Zeitung“ (SZ). Und „Die Zeit“ glaubt anscheinend, Moskaus „Fünfte Kolonne“ bloßzustellen und titelt: „Putins AfD-Truppe“. Die Blätter wollen zeigen, dass AfD-Politiker immer die falschen Wahlen und Referenden beobachten, sich dabei von Moskau bezahlen lassen und auch noch prorussische Vorträge halten. Dazu werden deutsche Geheimdienste zitiert: Moskau fördere gezielt „Parteien aus dem rechten Lager, die für populistische Ziele werben und für gute Beziehungen zu Russland einstehen“ („Die Zeit“). In der SZ lautet der Vorwurf:

    „Die russische Politik misst prorussischen Aktivisten im Ausland einige Bedeutung bei.“

    Das Schauspiel lässt den aufmerksamen Zuschauer nicht nur den Kopf schütteln. Es ist eher genau das, was Russland vorgeworfen wird: Propaganda, garniert mit dünnen Fakten. Übel stößt auf, wie einseitig  die Darsteller ihre Rolle als vermeintlich unabhängig investigative Journalisten spielen. Nicht nur, weil sie sich auf Regierungs- und Geheimdiensturteile stützen. Dabei bietet ihnen die deutsche Politik genug Stoff für Recherche: In anderen Ländern oppositionelle politische Gruppierungen und Parteien zu unterstützen, um die dortige Regierung auf anderen Kurs zu bringen – das ist seit Jahrzehnten traditionelles Mittel der deutschen Außenpolitik. Beispiele dafür sind das einstige Jugoslawien oder die Ukraine. Auch in Russland geschieht das aktiv.

    Und selbst bei den Medien wird nach bewährtem Räuberprinzip „Haltet den Dieb!“ gerufen. Auslandssender, die das eigene Land in gutes Licht rücken sollen, unterhalten zahlreiche Länder wie die USA, Frankreich und eben auch die Bundesrepublik. Wer von den angeblich investigativen Journalisten in den vermeintlichen Qualitätsmedien hierzulande hat da mal hinter die Kulissen geschaut und gar nach den Interessen und Motiven dabei gefragt?

    Am Ende bleibt: Was soll das ganze Theater? Es ist ein bedauerliches Schauspiel, auch wenn sich manche Zuschauer sicher dabei gruseln. Es hat nichts mit Qualitätsjournalismus zu tun und wirkt wie freiwillige Propaganda. Ist die wirklich ganz ohne Regie? Alles nur Zufall, dass gleich zweimal in einer Woche das gleiche Stück gezeigt wurde? Ein Beitrag zum besseren Verständnis und zu weniger Konfrontation sind diese medialen Vorstellungen nicht. Leider sind weitere Aufführungen dieser Art zu befürchten. Es bleibt auch die Frage, ob solche Attacken gegen die AfD wegen vermeintlicher Russland-Kontakte dieser nicht ungewollt mehr Publikum im Wahltheater sichern.

    * Die Meinung des Autors muss nicht mit dem Standpunkt der Redaktion übereinstimmen.

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    Tags:
    Medienattacke, Russophobie, Vorwürfe, Beeinflussung, AfD Armee Fraktion (AAF), Die Zeit, SZ, Wladimir Putin, Russland, Deutschland