00:52 10 Dezember 2019
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    Martin Schulz, Wahlkampfabschluss in Berlin

    Martin Schulz ist wütend - Wahlkampfabschluss in Berlin

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    Es war der offizielle Wahlkampfabschluss der SPD in Berlin: Vor tausenden Menschen hatte Martin Schulz nach Monaten voller Höhen und vor allem Tiefen seiner Partei noch einmal klare Worte im Gepäck. Ein letztes Aufbäumen des hartnäckigen SPD-Kanzlerkandidaten. Seine Wut richtete sich dabei vor allem gegen die Kanzlerin und gegen die AfD.

    Für Martin Schulz geht es um alles. Als er am Freitagabend vor der Bundestagswahl am Berliner Gendarmenmarkt ankommt und die Menge zur Bühne durchschreitet, jubeln ihm tausende Menschen dabei zu. Sie alle hoffen genau wie der SPD-Kanzlerkandidat, dass Angela Merkel am kommenden Sonntag nicht noch einmal siegen wird.

    Schulz reist an diesem Abend nicht alleine an: Im Schlepptau hat er fast alle prominenten Gesichter seiner Partei, die zur Unterstützung nach Berlin gereist sind: Die Bundesminister Sigmar Gabriel, Heiko Maas, Andrea Nahles, Katarina Barley, Barbara Hendricks und Brigitte Zypries. Die SPD-Ministerpräsidenten und Landeschefs Manuela Schwesig, Olaf Scholz, Malu Dreyer, Michael Müller und Stefan Weil.

    Die „Partei der Hetzer“ verhindern

    Als Schulz die Bühne betritt und mit seiner Ansprache beginnt wird es schnell leise, denn der SPD-Chef hat etwas auf dem Herzen: Er bittet nicht nur um Vertrauen für seine Politik, seine Sorgen drehen sich vor allem um den potentiellen Einzug der AfD in den Deutschen Bundestag. Die „Partei der Hetzer“ müsse man um jeden Preis verhindern, die SPD habe sich bereits in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gegen Nationalsozialisten stark gemacht, deshalb müsse seine Partei auch nun wieder für die Demokratie kämpfen.

    Der Berliner Gendarmenmarkt war am Freitagabend fast komplett gefüllt, tausende Zuschauer wollten den Auftritt von Martin Schulz verfolgen.
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    Der Berliner Gendarmenmarkt war am Freitagabend fast komplett gefüllt, tausende Zuschauer wollten den Auftritt von Martin Schulz verfolgen.

    Doch die Wut des Kanzlerkandidaten richtet sich in seiner rund 45-minütigen Rede nicht nur gegen die AfD, sondern vor allem auch gegen Angela Merkel. Schulz kritisiert dabei die Taktik des Wegduckens und Verweigerns der Bundeskanzlerin im Wahlkampf. Er erzählt, dass er bei Wahlkampfauftritten nicht nur sein Programm, sondern auch das Programm der CDU vorstellen musste, da niemand dies wirklich kenne.

    In der Tat war der Wahlkampf der CDU alles andere als pompös. Es wirkte, als sei dies alles nur eine ungeliebte Pflichtveranstaltung für Merkel gewesen. Sie versuchte um jeden Preis, es durchweg so wirken zu lassen, als sei Schulz nie eine wirkliche Gefahr gewesen. Programmatisch bot sie kaum Angriffsfläche und ebenso wenige neue Ideen. „Für ein Deutschland in dem wir gut und gerne leben“ heißt im Umkehrschluss schlicht und ergreifend „weiter so“.

    Martin Schulz will am kommenden Sonntag Bundeskanzler werden, dafür will er bis zur letzten Minute kämpfen.
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    Martin Schulz will am kommenden Sonntag Bundeskanzler werden, dafür will er bis zur letzten Minute kämpfen.

    Das weiß auch Martin Schulz, der vor Monaten in den Umfragen noch ungeahnte Höhen erreichte. Am Freitagabend in Berlin sieht es in den Statistiken dagegen düster aus. Deshalb verkündet Schulz eine klare Botschaft: Er mache keinen Wahlkampf für Meinungsforschungsinstitute, auch nicht als Selbstzweck um unbedingt Kanzler zu werden, sondern für ein besseres Deutschland. Bis zur letzten Minute wolle die SPD auch noch am Wahlsonntag dafür um Stimmen kämpfen.

    Eines kann man Schulz gewiss nicht vorwerfen: Er habe keinen Kampfgeist. Man nimmt es ihm ab, dass er an sich und seine Partei glaubt. Einige unentschlossene Wähler könnte er damit auf dem Berliner Gendarmenmarkt sogar überzeugt haben. Vielleicht ist es auch die Rolle des „Underdogs“, des chancenlosen Kämpfers, der viele Anwesende an diesem Abend applaudieren lässt. Oder es ist aber der Wunsch, nicht noch vier weitere Jahre von Angela Merkel regiert zu werden. Ein Wunsch, der am kommenden Sonntag wahlentscheidend sein wird.

    * Die Meinung des Autors muss nicht mit dem Standpunkt der Redaktion übereinstimmen.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Tags:
    Programm, Abschluss, Kampf, Wahlen, CDU, SPD, Marcel Joppa, Martin Schulz, Angela Merkel, Deutschland