18:17 17 November 2017
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    Tatort: Folge „Fürchte Dich“

    „Tatort“ spaltet die Fans: Grandios oder gruselig?

    © Foto: ARD Das Erste/ Tatort
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    Matthias Witte
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    „Fürchte Dich“ – so hieß der „Tatort“, den die ARD am Sonntagabend passend zu Halloween sendete. Der Film treibt einen Keil zwischen die Krimifans. Die einen schalteten ab, andere fanden den Horror zu lasch und wieder andere waren begeistert. Hier lesen Sie, ob er unserem Autor gefallen hat.

    Von Anfang an lässt „Fürchte Dich“ keinen Zweifel daran, wohin die Reise geht. Gleich zu Beginn waberen bedrohliche, rote Nebelschwaden über den Bildschirm. Aus dem Off erklingt die Stimme der Kommissarin Anna Janneke (Margarita Broich). Sie erklärt dem Zuschauer, dass es in den kommenden anderthalb Stunden um den mysteriösesten Fall ihrer Polizeilaufbahn gehen wird.

    Dann geht es los: Ein großer, dürrer Greis läuft eine leere Straße entlang. Er trägt nicht viel mehr als ein Hemd. Der Mann bricht in das Haus ein, in dem Kommissar Paul Brix (Wolfram Koch) und seine Mitbewohnerin Fanny (Zazie de Paris) wohnen. Er will das Gebäude anzünden, wird aber von einem Geist daran gehindert. Fortan entwickelt sich die Geschichte.

    In dem unheimlichen Gebäude war früher ein Waisenhaus untergebracht. Auf dem Dachboden findet Brix das Skelett eines Mädchens. Gleichzeitig tritt die junge Merle (Luise Befort) auf den Plan. Sie ist die Tochter des Greises, der versucht hat, das Feuer zu legen. Es entwickeln sich zwei Handlungsstränge. In einem stehen  Kommissar Brix und Merle im Mittelpunkt. Sie versuchen hinter das Geheimnis des Hauses zu kommen und begegnen dabei einigen seltsamen Menschen. Im anderen steht das düstere Gebäude im Mittelpunkt. Hier kümmert sich Kommissarin Janneke um die seit dem Einbruch ziemlich verstörte Fanny. Die ausgebildete Psychologin Janneke stellt mehr und mehr fest, dass die beiden Frauen nicht alleine sind.

    Der Horror gewinnt die Oberhand

    Schließlich kommt heraus, dass der Geist der Leiterin des Waisenhauses noch in dem Gebäude herumspukt. Die Frau kam durch einen bösen Streich ihrer Schützlinge ums Leben. In Rückblicken erscheint sie ihrem Sohn als Geist (mit Zombieaugen und verzerrtem Gesicht) und verlangt von ihm ein Menschenopfer. Dieser Sohn ist der alte Mann aus der Anfangsszene, das Mädchen Merle seine Enkelin. Zum Showdown kommen dann alle zusammen in das Horrorhaus und es gibt ein Finale, bei dem mit den Gruseleffekten etwas übertrieben wird.

    Was denn nun, gut oder schlecht?

    Ob man Horror mag oder nicht – der Film ist gut, passt zur Jahreszeit. Das liegt vor allem an den Darstellern der beiden Kommissare. „Fürchte Dich“ ist ein echter Krimi. Es geht um Mord, Kindesmissbrauch und langgehütete Geheimnisse. Das wird gut erzählt – das Ende ist etwas lang und übertreibt es etwas mit dem Hokuspokus.

    Die beste Szene…

    … ist der blanke Horror, der ganz ohne Horrorwesen auskommt. Rückblenden zeigen, dass der neue Leiter des Waisenhauses sexuell an den wehrlosen Kindern vergeht. Ein Junge rettet ein kleines Mädchen aus den Händen des Peinigers. Die beiden fliehen auf den Dachboden und verstecken sich in einem Schrank. Um unentdeckt zu bleiben, hält der Junge dem  weinenden Kind den Mund zu… Ein Aha-Effekt, als der Zuschauer merkt, wie das Mädchen gestorben ist.

    Die Wertung

    Der Film bekommt die Schulnote zwei, mit kleinen Abstrichen wegen übertriebenen Ekelszenen, dem zähen Ende und der nicht bis in jede Rolle überzeugenden schauspielerischen Leistungen.

    Trotzdem: Es ist gut, wenn sich das deutsche Fernsehen traut, neue Wege zu gehen. Welches Format wäre besser dazu geeignet als der „Tatort“? Die ARD will künftig solche Experimente auf zwei pro Jahr beschränken. Über die Sendezeit von „Fürchte Dich“ kann man streiten. Darf man dem Publikum, das sich am Sonntag um 20.15 Uhr auf einen Krimi freut, Zombies und Schockmomente  zumuten? In der Vergangenheit war die ARD da etwas zimperlicher. So wurde 2011 ein „Polizeiruf“ als zu hart für die Prime Time eingestuft. Er lief an einem Freitag um 22 Uhr. In dem Fall ging es um Terrorismus. Auch der Dortmunder „Tatort“ „Sturm“ behandelt einen Terroranschlag. Er sollte am 1. Januar 2017 gezeigt werden, wurde aber nach dem Terroranschlag auf dem Berliner Breitscheitplatz verschoben. Er lief dann am 17. April. Fünf Tage vorher hatte ein Mann einen Anschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund verübt.

    Tags:
    Zuschauer, Fernsehen, Serie, Reaktion, TV-Serie, Fernsehserie Tatort, ARD, Deutschland
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