08:33 25 November 2017
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    Nato-Übung

    Wir merken schon, dass der Krieg vorbereitet wird

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    Karl-Jürgen Müller
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    Es macht keinen Sinn, die Augen davor zu verschließen, dass der Krieg gegen Russland vorbereitet wird. Sinn macht es aber, sich gut auf diesen Krieg vorzubereiten. Vielleicht kann er dann sogar noch verhindert werden.

    1965 drehte der russische Regisseur Michail Romm einen bis heute sehenswerten Film über den deutschen Nationalsozialismus. Die deutsche Fassung trägt den Titel «Der gewöhnliche Faschismus». Dort wird auch dokumentiert, wie der Rest Europas auf die Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler reagiert hat: zum Beispiel mit Medienbeiträgen über die Freizeitaktivitäten der europäischen Königshäuser.

    Medienschlagzeilen … oder die Kunst des Ablenkens

    Zwei Ereignisse haben den deutschsprachigen Medien der letzten beiden Wochen – neben den täglichen «Jamaika»-Spekulationen und dem Katalonien-Drama – große Schlagzeilen beschert: der Rücktritt des britischen Verteidigungsministers, weil dieser vor ein paar Jahren eine Journalistin ans Knie gefasst hatte, und die Entscheidung des deutschen Bundesverfassungsgerichts, Geschlechterwünschen jenseits von Mann und Frau so zu entsprechen, dass schon im Geburtenregister, also bei der Geburt, ein anderes Geschlecht als weiblich oder männlich unterstellt werden kann. Das höchste deutsche Gericht hatte das Urteil schon vor fast einem Monat gefällt. Da aber bislang niemand darüber berichtet hatte, schob es am 8. November eine Pressemitteilung nach; denn über so etwas muss wohl berichtet werden.

    Immer mehr US-Special Operation Forces an Russlands Grenzen

    Nicht berichtet wurde hingegen, dass die USA derzeit die Zahl ihrer Sondereinsatzkräfte («Special Operation Forces») in Europa enorm erhöhen. rt-deutsch ist zu danken, dass seine Internetseite eine Analyse aus den USA vom 3. November («US Boost Special Operations Forces Presence at Russia’s Border») am 8. November aufgriff und referierte. Immer mehr US-Spezialeinheiten werden in Ländern an der Grenze zu Russland stationiert. Diese Einheiten haben dort im Jahr 2017 auch an zahlreichen Manövern teilgenommen. Schon deren Leitmotiv war der Kampf «gegen den Feind im Osten».

    Alleiniger Zweck: Militärschläge bis tief ins Innere Russlands

    Von offizieller Seite heißt es, die erhöhte Truppenpräsenz habe allein den Zweck, die Länder Osteuropas vor einer «russischen Aggression» zu schützen. Nachdenklich stimmt indes, was rt-deutsch dazu schreibt: «[…] wenn tatsächlich Verteidigung das Hauptmotiv wäre, dann bräuchten die baltischen Staaten eine klassische Ausbildung an Verteidigungssystemen, um so ihre Grenzen schützen zu können. Doch diese Art von Ausbildung leisten die SOF [Special Operation Forces] nicht. Denn bei den in Europa eingesetzten Spezialeinheiten handelt es sich beinahe ausschließlich um offensive Kommandoeinheiten wie beispielsweise die Navy SEALs, die US-Marines oder Green Berets.» Der US-Analyst selbst hatte schon im zweiten Satz seiner Abhandlung geschrieben: «Es kann keinen anderen Zweck geben als die Schaffung der Möglichkeit, Militärschläge tief hinein ins russische Territorium auszuführen.»

    Am selben 8. November berichtete rt-deutsch zudem, dass Nato-Generalsekretär Stoltenberg gefordert hat, die europäische Infrastruktur kriegstauglich zu machen, zum Beispiel Straßen für massive Truppentransporte in Richtung Osten.

    Weil Russland stört

    Wladimir Putin liest Zeitung (Archivbild)
    © Sputnik/ Alexey Druzhinin
    Nun ist bekannt, dass rt-deutsch gute Beziehungen nach Russland hat, und deshalb ist zu erwarten, dass manch einer sagen wird: Ja, da haben wir also die neueste russische Propagandaaktion (=«fake news»). Dagegen spricht allerdings, dass ja jeder die Tatsachen überprüfen kann. Und vielleicht noch mehr der Blick in die Geschichte. Man muss gar nicht Halford Mackinder und seine Herzlandtheorie studieren, schon ein Blick in umfangreichere Bücher zur Weltgeschichte zeigt, dass das «Feindbild Russland» (so der Titel des immer wieder lesenswerten Buches des österreichischen Publizisten Hannes Hofbauer) nicht mit dem Sowjetkommunismus begann und mit dessen Ende auch nicht endete. Die Sache ist ganz einfach: Ein großes, rohstoffreiches und unabhängiges einiges Russland stört die noch immer nicht aufgegebenen Weltmachtpläne der angelsächsischen Mächte und ihrer Verbündeten. Genauso, wie auch alle anderen Staaten stören, deren Völker souverän ihren eigenen Weg gehen wollen. – Auch wenn jene Verbündeten eigentlich nur Vasallen sind, die immer noch willig zu sein scheinen, ihre Völker und Staaten gegebenenfalls sinnlos zu opfern.

    Nicht hinschauen hilft nicht

    Der Krieg gegen Russland wird vorbereitet, Schritt für Schritt und von langer Hand – nicht erst seit 2014. Und dieser Krieg soll auch mit Soldaten, mit Bomben und Raketen geführt werden. Wenn es nicht gelingen sollte, Russland von innen her zu zerstören. Man mache sich nichts vor. Auch ein «moderner» Krieg gegen Russland wird Millionen von Opfern kosten. Davor die Augen zu verschließen hilft nicht weiter. Nur kleine Kinder glauben, dass man sie nicht sieht, wenn sie sich die Hand vor die Augen halten. Ob dieser Krieg noch zu verhindern sein wird, ist nicht sicher. Aber wenn er noch verhindert werden kann, dann nur, indem alle Tatsachen öffentlich gemacht werden und jeder Mensch, der noch bei Verstand ist, laut und deutlich eins tut: nein sagen zum Krieg.

    * Die Meinung des Autors muss nicht mit dem Standpunkt der Redaktion übereinstimmen.

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    Tags:
    Krieg, Deutschland, USA, Russland
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