01:17 17 Oktober 2018
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    Barack Obama (Archivfoto)

    Wen meinte Obama, als er in Chicago vor einem neuen Hitler in USA warnte?

    © AFP 2018 / Martin BUREAU
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    Willy Wimmer
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    In den Veröffentlichungen über die Obama-Rede am 5. Dezember 2017 in Chicago vor den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Veranstaltung eines Wirtschaftsclubs bleiben da eigentlich keine Zweifel. Nach diesen Presseberichten wurde zumindest ein semantischer Bezug zum heutigen Präsidenten Trump hergestellt.

    Adolf Hitler im Jahr 1939
    © AP Photo / France Presse Voir
    Die Vereinigten Staaten sind groß genug, dass man eine Kontroverse über derart ungeheuerliche Bezüge unter sich ausmachen kann. Gerade wir Deutschen wissen um die Dimension einer derartigen Aussage. War es doch gerade Chicago, wo der langjährige Chef des Stratfor-thinktanks mit seiner eingestandenermaßen übergroßen Nähe zu offiziellen Strukturen der Vereinigten Staaten vor wenigen Jahren die historischen Dimensionen zurecht gerückt hatte.

    Danach soll seit der Gründung des Deutschen Reiches 1871 eines der zentralen Ziele der amerikanischen Politik darin bestanden haben, auf dem auch damals schon gut 6000 Kilometer entfernten Kontinent eine gedeihliche und aus der Geographie gebotene Zusammenarbeit zwischen Russland und Deutschland mit allen Mitteln zu hintertreiben. Man traf sich dabei mit seinen britischen Anverwandten, deren Einflussgremien fleißig an der diplomatischen Front die Mächtekoalition gegen Österreich-Ungarn und das Deutsche Reich schmiedeten. Die Präsidenten Trump und Macron haben noch am 14.Juli 2017 in Paris dem französischen Eckpfeiler dieser Strategie, Marschall Foch, spektakulär die Referenz erwiesen.

    Es war aber nicht nur Herr George Friedman als Stratfor-Urgestein, der uns darüber Aufschluss verschaffte, wie in den Vereinigten Staaten die Hände gegenüber Deutschland in Unschuld gewaschen worden sind,  aber alles unternommen worden ist, uns gegen Nachbarn so in Stellung zu bringen, dass allen Beteiligten der Garaus gemacht werden konnte. Chicago hat es an sich, wie man im Rheinland umgangssprachlich sagt. In Chicago wurden die Konzepte entwickelt, wie am besten das Vielvölkerreich Österreich-Ungarn in seine Bestandteile zerlegt werden könnte. Wenn man die heutige Entwicklung Deutschlands zum Vielvölkerstaat betrachtet, sollte man die Konzepte der Chicagoer Schule aus der damaligen Zeit heute in Deutschland bis zum Ende denken.

    Die Anmerkungen des ehemaligen amerikanischen Präsidenten Obama sind nicht nur wegen „Herrn Hitler“, wie man in der angelsächsischen Welt zu sagen pflegte, sehr aufschlussreich. Auch das, was am Tag darauf durch den jetzigen amerikanischen Präsidenten Trump zu Jerusalem gesagt wurde, muss in diese historischen Bezüge einbezogen werden. Es ist historisch unvergessen, dass bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges, nach allen Erkenntnissen über die damalige Zeit, weite Teile der jüdischen Gemeinschaft in den Vereinigten Staaten und darüber hinaus auf der Seite Deutschlands standen. Wohl auch, um den Unterschied zu anderen Staaten, in denen Menschen jüdischen Glaubens lebten, deutlich zu machen.

    Für die damaligen Kriegsgegner  Frankreich und Großbritannien war das von höchstem Verdruss. Wohl auch deshalb, weil diese Haltung einen frühen Kriegseintritt der Vereinigten Staaten mit verhindert hatte. Das sollte sich, wie nach der Oktober-Revolution in Russland über dortige Archive offenkundig geworden ist, mit dem Sykes-Picot Abkommen des Jahres 1916 und der dortigen Vereinbarung zwischen Frankreich und Großbritannien über eine jüdische Heimstatt In Palästina grundlegend ändern. Amerika zog in den Krieg, um einen Sieg der Mittelmächte zu verhindern.

    Es wurde ein Sieg der Entente, wie er von Anfang an geplant worden war. In wenigen Wochen jährt sich die Erinnerung an die 14 Punkte Wilsons, auf Grund derer und in der Hoffnung auf einen fairen Frieden, das kaiserliche Deutschland die Waffen streckte. Die englische Hungerblockade, die über Deutschland nach dem Waffenstillstand für fast zwei weitere Jahre verhängt blieb, raffte die Menschen in Deutschland nur so dahin. Vesailles besorgte den Rest und machte aus einem einstmals im Vergleich zu anderen Staaten blühenden Staat ein Pulverfass. Der Rivale Deutschland sollte an sich selbst ersticken, nachdem im Jahr 1916 durch den Vertrauten des damaligen US-Präsidenten Wilson, Colonel House, dem deutschen Kaiser das Angebot unterbreitet wurde, gefälligst das Zarenreich zu vernichten und den Krieg nach Westen einzustellen.

    Totengedenken im Bundestag (Archiv)
    © Foto : Deutscher Bundestag / Achim Melde
    Herr Obama, Ex-Präsident seines Landes, muss sich doch gefragt haben, warum in Deutschland kaum Neigung festzustellen war, vor gut vier Jahren dabei mitzumachen, die amerikanische und britische Propaganda-Walze gegen ein Land anzuwerfen, das in Europa seit Ende des Kalten Krieges nichts anderes gemacht hatte, als uns und den anderen die offene Hand entgegenzustrecken. Mit Bill Clinton kann man da nur sagen: it´ s history, stupid. Russland platt machen, um sich über den Rest herzumachen? So wie man das gegenüber Deutschland und Österreich-Ungarn gemacht hatte. Mit den gleichen Propaganda-Methoden? Um in unserem russischen Nachbarland nach einer Niederlage solche Kreaturen hervorzubringen, wie Herr Obama unter Hinweis auf „Herrn Hitler“ es darzustellen in Chicago versucht hat? Das beste Archiv der Welt soll angeblich in Washington stehen.

    Man braucht dort nur vorbeizuschauen, um die Förderung des unbekannten „Herrn Hitler“ auch durch den amerikanischen Militärattaché in Berlin oder einflussreiche amerikanische Wirtschaftskreise — neben deutschen Spezies — nachzulesen. Weil man das in Deutschland in Restbeständen noch weiß, lässt man sich hier so schwer in Stellung gegen andere bringen, auch nicht gegen Russland. Auch nicht durch „Herrn Matthis-Märchenstunden in Sachen der angeblichen Verletzung des Mittelstreckenwaffen-Vertrages durch Russland“.

    Da reicht es auch nicht, wenn litauische Kreise als Kronzeugen herangezogen werden. Was haben wir von Nachbarn, bei denen „Paranoia zur Staatsraison“ alleine deshalb gehört, weil man in Washington oder London die dortigen Interessen bedienen will? Und was hat das alles mit Präsident Trump und den höchst schäbigen Versuch zu tun, auch nur eine Insinuierung in Zusammenhang mit „Herrn Hitler“ zuzulassen? Unter Präsident Obama sind die Vereinigten Staaten wegen der Fortsetzung endloser Kriege seit Bill Clinton und George W. Bush infrastrukturell und ökonomisch weitestgehend verkommen. Das berichten diejenigen, die eine Autofahrt quer durch die Vereinigten Staaten auf sich nehmen. Der Militärapparat hat Dimensionen angenommen, die es unmöglich machen, die „boys home“ zu holen, ohne an eine folgende Militärdiktuatur und eine Neuauflage einer „Dolchstoß-Legende“ denken zu müssen.

    Die endlosen Kriege haben mit der Flut der zurückkehrenden Särge die Fragen aufgeworfen, in wessen Interessen das eigentlich gewesen ist? Damit wurde unter Präsident Obama die Systemfrage gestellt, denn Washington wurde als der Sumpf empfunden, in dem die Lobbyorganisationen, aber nicht das amerikanische Volk das Sagen hat.

    Auch, wenn es in den deutschen Zentralmedien keinen Platz fand, so wurde selbst in den wichtigsten amerikanischen Medien von einem explosionsartigen Anstieg antisemitischer Vorfälle berichtet. Das war unter dem Präsidenten, der nicht ausschließt, seinen Nachfolger in den Regen gestellt zu sehen. Das hat niemand verdient, auch der jetzige Präsident nicht. Aber eines ist sicher: ohne die Rückkehr der Vereinigten Staaten zum Völkerrecht und der Aufgabe der Politik, wie sie auch gegenüber Deutschland seit 1871 praktiziert worden ist, wird uns die Welt um die Ohren fliegen. Da helfen auch die 5. Kolonnen in den transatlantischen Netzwerken nicht weiter.

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    Tags:
    Barack Obama, Adolf Hitler, USA