09:39 20 Juni 2018
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    Blick auf CDU-Hauptstandort während Koalitionsverhandlungen

    Und dann wundern sie sich, wenn der Osten AfD wählt

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    Armin Siebert
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    Die neue Regierung ist geboren! Und was ist es? Ein Wessi! Wenn es bei der jetzt bekannten Postenverteilung der Großen Koalition bleibt, wird es bis auf die Kanzlerin nicht einen Minister aus Ostdeutschland in der neuen Bundesregierung geben. Haben Sie einen Account in den sozialen Netzwerken? Werden Sie Fan unserer Facebook- und Instagram-Seite!

    Erinnern Sie sich noch, wie alle Parteien zur Bundestagswahl plötzlich den Osten entdeckten? Wie Psychologen und Soziologen bemüht wurden, die Psyche der Ossis fast dreißig Jahre nach der Wende zu analysieren? Medien und Politik zeigten sich schockiert, wie Angela Merkel – die ist doch selbst Ossi! – von ihren eigenen Landsleuten in Bitterfeld und Finsterwalde ausgepfiffen wurde.

    Als Erklärung für diese Wut dienten verlorene Heimat, verratene Werte, Zerstörung der Lebensgrundlage (Treuhandabwicklung der großen Betriebe), zu großes Tempo der Veränderungen, Systemwechsel vom sozialistischen Kollektiv zur kapitalistischen Ellenbogengesellschaft. Ein Aspekt war auch, dass bis heute die meisten Führungspositionen in Politik und Wirtschaft selbst in Ostdeutschland von Wessis besetzt sind. Und nun schauen Sie sich doch bitte einmal das mögliche neue Kabinett der Bundesregierung an. Wie viele Ossis erkennen Sie? Richtig, genau eine – Angela Merkel. Und selbst die ist in Hamburg geboren.

    1990 war das noch anders. Das Spiel nannte sich ja Wiedervereinigung. Dem ersten Nachwende-Kabinett von Helmut Kohl gehörten gleich fünf ostdeutsche Minister an. In der vorigen Großen Koalition gab es immerhin noch drei Ostdeutsche und dazu noch Frauen. Jetzt noch eine. In der neuen Regierung soll es nicht einmal einen Ostbeauftragten für die Zone geben.

    Oder vielleicht wird in Dienstjahren gerechnet? 20 Jahre Merkel gleich vier ostdeutschen Ministern im Kabinett? Man weiß es nicht. Wessis unter sich. Das gesamte Volk repräsentieren diese Volksparteien damit jedenfalls nicht. Damit wird nicht nur der Abstand der sogenannten Eliten zum Volk größer, sondern auch wieder die Wut der Ostdeutschen auf die Besser-Wessis geschürt. Und dann wundern sie sich spätestens in vier Jahren wieder, dass der Osten AfD wählt.

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    Tags:
    GroKo, Ministerposten, Regierung, Bildung, CDU/CSU, SPD, Partei Alternative für Deutschland (AfD), Horst Seehofer, Martin Schulz, Angela Merkel, Ostdeutschland, Deutschland
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