18:03 16 Dezember 2018
SNA Radio
    Blick auf Bundestag (Archiv)

    Nationalhymne umschreiben: Sonst habt ihr keine Probleme???

    © AFP 2018 / John MACDOUGALL
    Kommentare
    Zum Kurzlink
    Marcel Joppa
    6217612

    „Heimatland“ statt „Vaterland“ – die mögliche Änderung der deutschen Nationalhymne ist derzeit in aller Munde. Von ARD bis RTL2, von BILD bis Süddeutsche Zeitung, an dem Thema ist kein Vorbeikommen. Da stellt sich doch die Frage: Haben wir aktuell nichts Besseres zu tun, als diese Diskussion unnötig aufzublasen?

    Mal ehrlich, was soll all der Terz? Die Gleichstellungsbeauftragte des Bundes, Kristin Rose-Möhring (SPD), schlägt eine geschlechtsneutrale Umdichtung der deutschen Nationalhymne vor. Darüber muss man sich im Grunde gar nicht aufregen, denn das ist der Job einer Gleichstellungsbeauftragten. Man würde sich auch nicht darüber beschweren, wenn eine Eisdiele im Sommer eine neue Eiskreation vorstellt oder ein Marketingmanager eine neue Werbestrategie präsentiert.

    Aufmerksamkeit!

    Natürlich wollte auch Frau Rose-Möhring mit ihrem Vorschlag provozieren, mindestens aber von sich reden machen. Das ist ihr gelungen. Und wie gesagt, genau das ist ihr Job. Doch warum polarisiert dieses Thema so extrem? Die CSU benennt für ihre drei Ministerposten ausschließlich Männer – wo bleibt hier der große öffentliche Aufschrei? Noch immer erhalten Frauen hierzulande weniger Lohn als Männer für die gleiche Arbeit – das wird bei „Pro7 TAFF“ oder der „RBB Abendschau“ aktuell nicht thematisiert.

    Schauen wir noch einmal auf die Fakten:

    Die deutsche Nationalhymne besteht seit 1991 offiziell aus der dritten Strophe des „Liedes der Deutschen“ von August Hoffmann von Fallersleben. Verfasst hat der Herr diese Zeilen 1841 auf Helgoland. Einen Vorwurf kann man ihm daraus nicht machen: Damals gab es den Posten einer Gleichstellungsbeauftragten noch nicht. Nun also, 177 Jahre später, der Vorschlag: Ersetzen wir „Vaterland“ durch „Heimatland“ und „brüderlich“ durch „couragiert“.

    Es ist übrigens bei weitem nicht der erste Vorschlag, die deutsche Hymne zu ändern oder gar zu ersetzen. Bundespräsident Theodor Heuss brachte 1950 einen Text ins Spiel, den er selbst bei einem Musiker bestellt hatte. Ein kurzer Auszug: „Land des Glaubens, deutsches Land, Land der Väter und der Erben. Land der Hoffnung, Heimatland. Land der Liebe, Vaterland!" Aus heutiger Sicht hätte daran wohl nicht nur eine Gleichstellungsbeauftragte etwas zu mäkeln.

    Ein klügerer Vorschlag stammt da von 1990, der in Ost und West gleichermaßen diskutiert wurde: Die „Kinderhymne“ von Berthold Brecht zur Gesamtdeutschen Nationalhymne zu machen. So lautet die erste Strophe: „Anmut sparet nicht noch Mühe, Leidenschaft nicht noch Verstand, dass ein gutes Deutschland blühe, wie ein andres gutes Land.“ Und auch die zweite Strophe wäre im heutigen Kontext sicher nicht verkehrt: „Dass die Völker nicht erbleichen, wie vor einer Räuberin, sondern ihre Hände reichen, uns wie andern Völkern hin.“

    Zurück in die Gegenwart

    Die Tür einer geschlechtsneutralen Toilette
    © AFP 2018 / Getty Images North America/ Sara D. Davis
    Niemand kann die deutsche Nationalhymne von jetzt auf gleich einfach ändern. Außer vielleicht Sarah Connor im Jahre 2005. Ihr „Brüh im Lichte“ in der Münchner Allianz-Arena löste übrigens einen ähnlichen Shitstorm aus, wie heute die Umdichtungswünsche von Kristin Rose-Möhring. Aber mal im Ernst: Eine Änderung der Nationalhymne, ob nun teilweise oder vollständig, könnten nur Bundespräsident und Bundeskanzlerin gemeinsam beschließen. Und die haben gewiss andere Sorgen.

    Können wir die Debatte damit dann bitte wieder beenden? Lasst uns bitte erst wieder darüber reden, wenn – warum auch immer – in ferner Zukunft einmal ein Volksentscheid über eine neue Nationalhymne anstehen sollte. Ich sehe allerdings schon jetzt den medialen Aufschrei, wenn dann ein Lied von Diether Bohlen oder Helene Fischer gewinnt.

    Der Kommentar zum Nachhören:

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Sex-Studie: Dieser Frauentyp sagt öfter Ja
    Busen-Check: Aus diesem Grund entblößen Frauen ihre Brüste vor Kiewer Polizei – VIDEO
    Nordkoreas sanfte Waffe: Wer sind diese geheimnisvollen Frauen im Dienste Kims? VIDEO
    Tags:
    Gleichheit, GroKo, Heimatland, Gender, Vorschlag, Hymne, CDU, SPD, Kristin Rose-Möhring, Deutschland