07:20 17 November 2018
SNA Radio
    Britische Premierein Theresa May am Ort des Attentats in Salisbury

    Giftgas in Salisbury: London braucht keine Beweise

    © AFP 2018 / Daniel Leal-Olivas
    Kommentare
    Zum Kurzlink
    Willy Wimmer
    Skripal-Gate: Britischer Doppelagent in London vergiftet (107)
    364199

    Wenn die britische und andere Regierungen in der Nato oder der EU die europäischen Bürgerinnen und Bürger seit dem verbrecherischen Krieg gegen Jugoslawien und damit seit gut zwanzig Jahren nicht so gnadenlos von einem Krieg in den nächsten gelogen hätten, könnte man den jüngsten Anschuldigungen von Theresa May gegen Russland noch etwas abgewinnen.

    Seit Tony Blair wissen wir auf dem Kontinent, dass Lügen an der Themse zum Standard-Repertoire gehören, wenn es um den nächsten Krieg geht, bei dem britische Generale deutsche Soldaten befehligen können. Ihre Glaubwürdigkeit haben die Nato-Regierungen dauerhaft verspielt. Die verheerende Erkenntnis für uns alle in Nato und EU-Europa ist die Tatsache, dass dies unseren Regierungen gleichgültig ist. Sie haben die Macht zum organisierten Krieg in der Hand und nutzen diese Macht auf Befehl von wem auch immer.

    Theresa Bond hat in Sachen Salisbury noch nicht einmal „den Fall“ gemacht.

    Britische Premierin Theresa May
    © REUTERS / Simon Dawson
    Statt Beweise auf den Tisch zu legen, hat die britische Premierministerin ein russisches Sündenregister präsentiert, um ihr Vorgehen in dem Kriminalfall plausibel erscheinen zu lassen. Fast zeitgleich hat ihr Verteidigungsminister öffentlich gemacht, worin das britische Vergehen eigentlich besteht. Großbritannien, auf einer Linie mit den USA und Frankreich, behält sich vor, die Welt nach eigenem Gutdünken aufzumischen.

    London entscheidet, was es will, und zieht das Ding durch. Stellt sich jemand in den Weg, und sei es Russland, und verweist auf das Völkerrecht und richtet sein eigenes Verhalten danach aus, ist man in Londons Augen der „Störer der Welt“. Gerade die Deutschen haben das im letzten Jahrhundert so nachhaltig erfahren können, dass diese Erkenntnis nicht verloren gehen dürfte.

    Dann braucht man offensichtlich im Sinne der britischen Premierministerin keine handelsüblichen Tatsachen auf den Tisch zu legen, um die Nato und die EU vor den britischen Karren zu spannen. Wo war die international übliche Zweitmeinung eines über jeden Zweifel erhabenen Chemiewaffen-Institutes über die angeblich vorhandenen chemischen Nachweise aus Salisbury?

    Warum hat man weder das einschlägige Institut in der Schweiz noch andere herangezogen? Warum hat die britische Premierministerin nicht darauf verwiesen, dass es laut New York Times die Vereinigten Staaten des Jahres 1999 gewesen sind, die Zugang zu der ehemals weltgrößten Produktionsstätte für dieses und andere Gifte in Nukus in Usbekistan gehabt haben?

    Zu dieser riesigen Produktionsstätte auf dem Gebiet des heutigen Usbekistans hatte nach dem Zerfall der Sowjetunion derjenige Zugang, der dorthin wollte. Dafür bedurfte es noch nicht einmal des Buches, das der Erfinder dieses Stoffes, der heute in den USA lebt, inzwischen veröffentlich hatte. Sollte die Formel für das Gift veröffentlicht worden sein, könnte jedes Labor auf der Welt mit entsprechenden Kenntnissen diesen Stoff herstellen.

    Wo sind dazu die Aussagen einer fast hysterisch auftretenden britischen Premierministerin? Oder dazu, dass Militärs auf der ganzen Welt mit diesen Stoffen selbst in geringen Mengen nur unter sogenanntem „chemischem Vollschutz“ umgehen, was selbst in Salisbury aufgefallen wäre?

    Seit Trump im Amt ist, dreht die BBC als Sprachrohr der britischen Außenpolitik staatsfinanziert durch.

    Man tut gut daran, sich die letzten britischen Suaden gegen Russland in den Wochen vor dem Auftritt der britischen Premierministerin in Sachen Salisbury anzusehen. Da konnte der britische Generalstabschef entgegen jedem Vertrag mit Deutschland davon schwadronieren, es nicht bei dem vereinbarten Abzug der britischen Truppen von unserem Staatsgebiet zu belassen.

    2019 sollten sie definitiv ihre Koffer packen – aber der Herr will es anders. Muss der Auftritt von Premierministerin May in diesem Zusammenhang gesehen werden, wenn es schon nicht der Krieg gegen Russland oder den Iran oder gleich gegen beide sein kann? Bekommt in diesem Zusammenhang der Rausschmiss von Rex Tillerson eine andere Qualität?

    Jeder Regierungswechsel in Deutschland seit 1998 und dem verbrecherischen Krieg gegen Jugoslawien erhöht die Kriegsgefahr, weil die deutsche Schwäche gnadenlos genutzt wird. Da werden Zwangsläufigkeiten hergestellt, wenn sich die neue Regierung erst findet.

    Nicht weniger spannend ist, was seit dem Amtsantritt von US-Präsident Trump augenfällig ist. Natürlich haben die US-Medien wie CNN vom ersten Tag an gegen Trump „blankgezogen“. Aber das war nichts dagegen, wie sich die BBC aufgeführt hat, neben weiteren britischen Zulieferern für ekelerregende Anwürfe gegen den US-Präsidenten. Gekonnt ist eben gekonnt.

    Hat Trump eine Rolle, die London bislang in einer auf Globalisierung ausgerichteten Welt spielen konnte, so in Frage gestellt, dass die öffentliche britische Reaktion auf ihn nur so zu erklären ist? Mit allen Kräften ist in London daran gearbeitet worden, es nicht zu einem Treffen zwischen Präsident Putin und Präsident Trump kommen zu lassen, weil Verständigung zum Wohle des Weltfriedens drohte. Jetzt hat man Trump nach einem Jahr so weit, dass er fast auf der Linie bisheriger US-Präsidenten in den nächsten Krieg zu taumeln bereit zu sein scheint.

    Wer kann sich schon des Einflusses des „eisernen Dreiecks“ erwehren, das aus dem amerikanischen „militärisch-industriellen Komplex, den Unterstützerkräften für den IS und den Medien“ besteht? In London werden die Daumenschrauben angezogen. Theresa May meint uns alle. Friede und Zusammenarbeit nach international akzeptierten Regeln sind nicht „ihr Ding“. Unseres ist es nicht, der britischen Kriegslust zu entsprechen.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Themen:
    Skripal-Gate: Britischer Doppelagent in London vergiftet (107)

    Zum Thema:

    May droht Russland mit Sperrung von Staatskonten und „geheimen Maßnahmen“
    Anschlag auf Ex-Spion: May weist 23 russischen Diplomaten die Tür
    Russlands Duma-Chef über Nervengiftanschlag: „May will Verdacht von London lenken“
    "Zirkus im britischen Parlament": May droht Moskau mit Folgen nach Skripal-Vergiftung
    Tags:
    Militarismus, Krieg, Militär, Chemiewaffenkonvention, Giftgas, NATO, Rex Tillerson, Donald Trump, Tony Blair, Sergej Skripal, Theresa May, Moskau, Russland, USA, Großbritannien, England, London, Salisbury