18:21 22 April 2018
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    Echte Propaganda gegen vermeintliche Propaganda – Was „Arte“-Doku verschweigt

    Echte Propaganda gegen vermeintliche Propaganda – Was „Arte“-Doku verschweigt

    © Sputnik / Mikhail Wosskressenskij
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    Andreas Peter
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    Paul Moreira dreht investigative Reportagen. Damit steht er mit einem Bein immer in irgendeinem Fettnäpfchen. Für seinen Film „Ukraine – Masken der Revolution“ hat er Drohungen erhalten, weil er ukrainische Nazis gezeigt hat. Seine neue Dokumentation über angebliche russische Propaganda im Westen hat der TV-Sender „Arte“ gezeigt.

    Es ist nicht bekannt, ob der seinerzeitige Druck und die Vorwürfe, er wäre zu russlandfreundlich, dazu geführt haben, dass Paul Moreira eine eineinhalbstündige Reportage „Propaganda 3.0. – Putin und der Westen“ produzierte. Die wurde vom deutsch-französischen Sender „Arte“ am Dienstag erstmals ausgestrahlt und ist noch in dessen Mediathek zu sehen.

    Das ist auch nicht das Problem. Genauso wenig wie starke Meinung. Selbst wenn sie russlandkritisch oder Putin-kritisch ist. Problematisch wird es, wenn Fakten nicht stimmen oder verdreht werden. Oder wenn denunzierende Behauptungen aufgestellt werden, die bereits bei simpelster Nach-Recherche in sich zusammenfallen.

    Moreiras schwerster denunzierender Vorwurf ist, dass der russische Präsident Wladimir Putin im Zentrum von Bestrebungen stehe, den französischen „Front National“ als U-Boot im Westen zu positionieren und zu benutzen. Die Kette der Unterstellungen beginnt bereits in der fünften von insgesamt 98 Minuten des Films. Da flimmern Bilder vom März 2017 über den Bildschirm, als die Chefin des „Front National“, Marine Le Pen, in Moskau von Wladimir Putin empfangen wurde. Sechs Wochen vor den Präsidentschaftswahlen in Frankreich. O-Ton Moreira: „Dieses taktische Manöver sucht in der Geschichte seinesgleichen, denn es verleiht Marine Le Pen Vorschusslorbeeren für das Amt des französischen Staatspräsidenten.“

    Was Merkel tut, darf Putin noch lange nicht

    Bereits ein kurzer Blick in die Archive offenbart, dass es einige solcher „taktischer Manöver“ im Vorfeld des seinerzeitigen französischen Wahlkampfes gegeben hat. Nur eben nicht von Putin, sondern von Angela Merkel, Kanzlerin der Bundesrepublik Deutschland. Sie empfing den Kandidaten der französischen Konservativen, Francois Fillon. Im Januar 2017. Im Bundeskanzleramt in Berlin.

    Sie empfing im März 2017 den unabhängigen Kandidaten Emmanuel Macron. Im Bundeskanzleramt in Berlin. Und sie empfing den Kandidaten der französischen Sozialisten, Benoit Hamon. Im März 2017. Im Bundeskanzleramt in Berlin. Von unangemessener Einflussnahme der deutschen Regierungschefin auf den französischen Wahlkampf, von unangemessenen „Vorschusslorbeeren“, zum Beispiel für Emmanuel Macron, natürlich kein Wort. Sowas geht natürlich in Ordnung. Aber wehe, Putin wagt es, sich zu positionieren!

    Behauptungen ohne Beweise

    In der Reportage kommt auch der seinerzeitige Chef der Online-Kampagne von Macron, Mounir Mahjoubi, zu Wort. Er darf – ohne jeden Beweis – Behauptungen in die Welt setzen, nur weil ihm Äußerungen eines rechtsgerichteten französischen Politikers nicht gefallen, die zugegebenermaßen grenzwertig ist. Nicolas Dhuicq vom „Front National“ hatte behauptet, Macron sei möglicherweise ein US-amerikanischer Agent. Das hatte die russische Nachrichtenplattform „Sputnik France“ zitiert. Für Mahjoubi Grund genug zu behaupten, so wörtlich: „Sie haben Nicolas Dhuicq dazu aufgefordert, das zu sagen. … Sie haben das arrangiert.“

    Beweise für diese Anschuldigungen bleiben sowohl Mahjoubi als auch Moreira den ganzen restlichen Film über schuldig. Sie bauen darauf aber ihre folgenden antirussischen Argumentationen auf.

    Erfreulicherweise enthält die Reportage aber auch Äußerungen, die zum möglicherweise wahren Kern der üblen Hetze vordringen, die gegenwärtig gegen russische Medien, Russland und seinen Präsidenten von westlichen Medien gefahren wird. Mahjoubi behauptet zum Beispiel: „Wenn Sputnik oder RT eine Information verbreitet, wird sie für viele tausend Menschen zu einer gültigen und akzeptablen Wahrheit.“

    Natürlich bemerkt Mahjoubi nicht, dass genau das des Pudels Kern ist. Denn unausgesprochen bestätigt er so, dass es auch im umgekehrten Fall gilt: Wenn westliche Medien eine Information verbreiten, wird sie für viele tausend Menschen zu einer gültigen und akzeptablen Wahrheit. DAS aber geht natürlich in Ordnung, es sind ja westliche Medien.

    Westliche Medienlügen haben Kriege mitvorbereitet

    Dumm nur, dass die inzwischen ziemlich oft beim plumpen Lügen ertappt wurden. Weshalb ihnen immer mehr Menschen misstrauen und nach Alternativen suchen. Wahrscheinlich werden diese Alternativen deshalb auch so heftig und gerne als „Fake News“ denunziert.

    Doch es waren eben nicht „Russia Today“ oder „Sputnik“, die von kuwaitischen Babies berichteten, die angeblich von irakischen Soldaten auf den Boden geschmettert wurden. Es waren nicht „RT“ oder „Sputnik“, die von irakischen oder libyschen Massenvernichtungswaffen schwadronierten.

    Deshalb, liebe Kolleginnen und Kollegen bei den angeblichen Qualitätsmedien: Geht es auch etwas weniger verlogen und selbstgefällig?

    Danke.

    Der Kommentar von Andreas Peter zum Nachhören:

    * Die Meinung des Autors muss nicht mit dem Standpunkt der Redaktion übereinstimmen.

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    Tags:
    Fake-News, Vorwürfe, Propaganda, arte, Sputnik, RT, Marine Le Pen, Wladimir Putin, Angela Merkel, Russland, Deutschland
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