05:53 23 April 2018
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    Wählerin in Russland

    „Putin-Generation“ gibt Westen den Gnadenschuss

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    Iwan Danilow
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    In US-amerikanischen, australischen und britischen Zeitungen wie Wall Street Journal, The Australian und The Daily Telegraph wurden fast gleichzeitig Artikel mit gleichen Überschriften veröffentlicht – „Russlands neue Generation wählt nicht iPhones, sondern Putin. Diese Generation ist schrecklich, auf sie sollte man kaum große Hoffnungen hegen.“

    Da verschiedene Redaktionen anscheinend denselben Auftrag bekommen haben, sollten das ursprünglich Artikel darüber sein, wie „Putinager (Wortsymbiose aus Putin und Teenager) Putin den Rücken kehren”. Doch bei der Analyse der neuen Generation der russischen Wähler lief etwas nicht nach Plan.

    Die „Putinager“ sind den westlichen Forschern, außer einigen prowestlichen Marginalen, ein Dorn im Auge. Es besteht der Verdacht, dass es zwischen dem Vertrautmachen der westlichen Partner mit jungen Russen und der Tatsache, wie sich ihre Herangehensweise an die antirussische Informationspolitik ändert, einen bestimmten Zusammenhang gibt.

    Zuvor bemühten sich unsere Opponenten in den meisten Fällen, sich an ein klassisches Prinzip der US-Propaganda aus der Zeit des Kalten Krieges zu halten. Demnach sollte man immer das Volk und seine Führung gegenüberstellen, wobei die Rechtlosigkeit des Volkes hervorgehoben wird, das die Befreiung von den grausamen sowjetischen und anschließend auch russischen Anführern anstrebt. Doch jetzt ist eine Art Rückkehr zu früheren primitiven Formen der Propaganda zu erkennen, und die Russen werden oft alle zusammen dämonisiert, ohne jene, die führen, und jene, die für sie stimmen, zu trennen.

    Früher rechneten sie wohl damit, dass man die junge Generation, die mit zweifelhaften Informations-Diäten aus Einträgen in den sozialen Netzwerken, Hollywood-Filmen und Videos auf YouTube aufgewachsen ist, gegen die politischen Führung des Landes aufhetzen und sie zur Zerstörung der russischen Staatlichkeit bewegen kann.

    Diese Hoffnungen wurden aktiv von der „Expertengemeinschaft“ gefördert, die aus so genannten politischen Auswanderern wie Mascha Hessen und Jewgeni Tschitschwarkin besteht, sowie zahlreichen antistaatlichen Aktivisten in Russland selbst. Die Hoffnungen, dass die junge Generation den Maidan-Weg gehen und die „Heimat gegen das Gefühl, Europäer zu sein, tauschen wird“, waren in einem gewissen Sinne gerechtfertigt. In vielen Ländern, von Ägypten bis zur Ukraine, war gerade die Jugend ei Antrieb der destruktiven politischen Prozesse, die aktiv von außen gefördert wurden.

    Im Fall von Russland gab es einen katastrophalen und auffallenden Bruch dieses Schemas. Wie das „Wall Street Journal“ berichtet, sind die Umfragewerte Putins nach Angaben des Meinungsforschungsinstituts Lewada-Zentrum gerade unter Menschen von 18 bis 24 Jahren am höchsten (86 Prozent), was amerikanische Schemata bricht, wie „junge Russen sein sollen, die in der Internet-Epoche aufgewachsen sind“. US-Journalisten machten mehrere Interviews mit jungen Russen, und diese betonten, dass sie die Möglichkeiten hoch schätzen, die sie jetzt haben und die es bei ihren Eltern nicht gab. Zudem verhalten sie sich sehr skeptisch zu Revolutionen und bevorzugen stattdessen positive Änderungen.

    „Die Popularität Putins ist unumstritten, besonders unter jungen Menschen“, berichtet „The Australian“. „Die russische Putin-Generation ist aktiver als ihre Eltern und ist mehr Pro-Kreml gestimmt als ihre Eltern“, schreibt „The Daily Telegraph“.

    Unsere westlichen Partner begreifen allmählich, dass Putin kein historischer Zufall, sondern eine historische Gesetzmäßigkeit ist. Und alles, was ihnen an Putin nicht gefällt, betrifft nicht nur ihn als Politiker, sondern auch die Russen im Ganzen. Westliche Experten nahmen Putin lange als Verkörperung eines Ressentiments der Generation wahr, die den Zerfall der Sowjetunion nicht vergessen kann. Doch jetzt wird klar, dass Putin Werte und Ideale ausdrückt, die von Russen aller Altersgruppen geteilt werden. Viele im Westen hofften, dass die Wiedergeburt Russlands in der internationalen Arena ein Phänomen ist, das vorübergeht. Jetzt stellt sich heraus, dass man nicht auf eine Entwicklung wie „Land gegen Jeans“ warten darf. Das verursacht offene Verbitterung.

    Das traditionelle Streben der westlichen Politiker und Medien, Putin zu dämonisieren, wird allmählich von der Bereitschaft ergänzt, alle Russen im Ganzen anzuprangern. Eines der letzten Beispiele: Der Vorsitzende der mitregierenden niederländischen Partei „Democraten 66“, Alexander Pechtold, beschloss, die Lüge des skandalösen Ministers Halbe Zijlstra zu rechtfertigen. Letzterer gab zu, dass er seit vielen Jahren über ein Treffen mit Wladimir Putin sowie darüber gelogen hat, dass er von den Plänen Putins in Bezug auf das Baltikum persönlich gehört hat. „Ich habe noch keinen Russen getroffen, der selbst seine Fehler korrigieren würde“, sagte Pechtold. Der niederländische Politiker hätte sich kaum gewagt, so etwas gegenüber einer anderen ethnischen Gruppe zu sagen. Diese traurige Tendenz ist leider zu auffallend, um ignoriert zu werden.

    Es scheint nur auf den ersten Blick, dass das Umschalten der Propaganda-Maschine auf eine totale Anprangerung aller Russen eine irrationale Herangehensweise ist. Eine solche Strategie hat aber auch ihre Vorteile. Von „Russen im Ganzen“ und „tausend Jahre alten imperialen Ambitionen Russlands“ zu sprechen, ist viel bequemer und effektiver, als sich ausschließlich auf Putin zu konzentrieren.

    Zudem haben unsere Opponenten die Chance, den Finger in eine einzigartige Wunde unserer Zivilisation zu legen, nämlich unserem Wunsch, gut zu sein. Die Sowjetunion zerfiel nicht nur wegen des Verrats der Elite und wegen des Tausches des Landes gegen 300 Wurstsorten und ökonomischer Schwierigkeiten, sondern auch, weil ein Teil der Gesellschaft daran glaubte, dass wir zusammen „gut“ in den Augen der zivilisierten Welt sein können.

    Es ist gut möglich, dass unserer Jugend gerade zur Wiederholung dieses für den Westen begehrten Szenarios ständig vorgeschlagen wird, alles zu bereuen – groß und klein, real und erfunden. Den Sieg im Großen Vaterländischen Krieg, die Vergiftung von Sergej Skripal, das Doping-Programm Rodtschenkows und das Verhalten Putins, Gazprom und die tausend Jahre alten imperialen Ambitionen Russlands, alle historischen Beleidigungen der Baltikum-Staaten u.s.w. Deswegen müssen wir unseren jungen Russen erklären, dass mit uns, den Russen, alles in Ordnung ist, wir schulden niemandem nichts. Jenen, die uns nationale Schuldgefühle beibringen wollen, sollte man empfehlen, in den Spiegel zu sehen und dort die Millionen toten Staatsbürger Libyens und Iraks, die Asche von Odessa zu sehen. Die neue Generation sollte einen Reflex haben – wenn der Westen versucht, die jungen Russen zu beschämen, heißt das, dass der Westen in der Tat auf ihre Geldtasche zielt.

    Laut dem Porträt der neuen Generation, das die westlichen Medien malen, ist das zukünftige Russland in den sicheren Händen von aktiven, patriotischen, rationellen jungen Russen.

    Leider sind unsere geopolitischen Opponenten nicht bereit, das Russland der Zukunft in Ruhe zu lassen. Das heißt, dass sich die heutige Jugend Wege, Methoden und Technologien ausdenken muss, die für ihren eigenen Schutz, den ihrer Angehörigen, Städte und Dörfer notwendig sind. Sie müssen unter Bedingungen eines harten globalen wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und militärischen Wettbewerbs die Oberhand gewinnen. Sie müssen neue Waffen, neue Ideologien und neue Finanzinstrumente entdecken. Die neue Generation der Russen wird eine zwar schwierige, jedoch eine unglaublich interessante Biografie haben. Man sollte unseren jungen Russen vertrauen. Sie werden das meistern.

    * Die Meinung des Autors muss nicht mit dem Standpunkt der Redaktion übereinstimmen.

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    Tags:
    Generation, Anhänger, Medienattacke, Präsidentschaftswahlen 2018, The Wall Street Journal, Daily Telegraph, The Australian, Wladimir Putin, Australien, Großbritannien, USA, Russland