16:18 22 April 2018
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    Ex-CIA-Chef John Brennan bei der Sitzung des Untersuchungsausschusses vom US-Kongress zur russischen Einmischung in US-Präsidentenwahl (Archivbild)

    Kaum zu glauben, dass es der Kreml war: Die schrägsten Vorwürfe gegen Russland

    © AP Photo / Pablo Martinez Monsivais
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    Igor Gaschkow
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    Gibt es ein Verbrechen, sucht man nach Motiven – das ist das Einmaleins eines jeden Ermittlers. Geht es aber darum, Russland zu beschuldigen, muss man diesem Grundsatz nicht folgen. Die Methode ist nicht neu: Seit bald 15 Jahren werden Moskau auf diese Weise alle Übel der Welt angehängt.

    Erinnern Sie sich noch an den ukrainischen Präsidenten Viktor Juschtschenko? 2004 wurde er mit Dioxin vergiftet. Juschtschenko, damals Präsidentschaftskandidat, überlebte den Anschlag und wurde, auf einer Welle von Mitgefühl reitend, mit knapper Mehrheit zum ukrainischen Präsidenten gewählt.

    Der Kreml profitierte von dem Dioxin-Angriff überhaupt nicht, wurde jedoch unverzüglich als Täter hingestellt. Belegt wurden die Vorwürfe nicht. Doch hat der „Fall Juschtschenko“ einen politischen Trend in Gang gesetzt: Im Zweifel gegen Russland.

    Bild von Alexander Litwinenko
    © AFP 2018 / Natalia Kolesnikova
    2006 dann der nächste spektakuläre Fall mit tödlichem Ausgang. Der ehemalige FSB-Agent Alexander Litwinenko wurde in London mit Polonium verstrahlt und verstarb qualvoll vor den TV-Kameras der Welt. Die Geschichte wurde wie eine Fernsehsoap aufgelegt, der Zuschauer ständig in Spannung gehalten – da hatten die westlichen Medien ihre Anti-Russland-Ikone. Russland stand am Pranger, ohne dass die Frage ernsthaft geklärt worden wäre, wozu Moskau einen Ex-Agenten öffentlich wirksam hinrichten sollte, dazu noch mit Polonium.

    Die Geschichte wiederholt sich 2018. Der Ex-Doppelagent Sergej Skripal und seine Tochter werden im englischen Salisbury mit einem Nervengift angegriffen – 20 weitere Menschen werden in Mitleidenschaft gezogen, die meisten von ihnen hatten mit Russland nie etwas zu tun.

    Wie um die Wette üben sich britische Politiker in rhetorischen Ausfällen gegen Moskau. Keiner von ihnen unternimmt auch nur den geringsten Versuch aufzuklären, welchen Nutzen der Kreml aus der Vergiftung zieht, zumal kurz vor dem größten innenpolitischen Ereignis der letzten sechs Jahre, der Präsidentschaftswahl.

    Absturz und Anklage

    Beschuldigt wird nicht nur Russland, sondern auch diejenigen, die Russland unterstützt. Als im Juli 2014 eine malaysische Boeing über dem Gebiet der Volksrepublik Donezk abgeschossen wurde, schoben die „sprechenden Köpfe“ in den USA und der EU das Unglück den Rebellen in die Schuhe. Die Frage, wem der Abschuss genützt haben könnte, wurde selbstverständlich nicht gestellt.

    Für die Rebellen im Donbass wurde der Absturz der Boeing zu einer schweren politischen Belastung: Die Machthaber der selbsternannten Volksrepubliken in der Ostukraine hätten die Lage nicht unter Kontrolle und seien deshalb nicht reif für die Unabhängigkeit, riefen die Kiewer Propagandisten aus allen Sprachrohren.

    Dass die ukrainischen Streitkräfte schon einmal einen Passagierjet abgeschossen hatten, fiel in der Kiewer Berichterstattung unter den Tisch: 2001 nämlich hatte die ukrainische Luftabwehr bei einer Übung ein aus Israel kommendes Verkehrsflugzeug über dem Schwarzen Meer getroffen. Auch die westlichen Medien ignorierten den Vorfall.

    Cyber-Attacken

    2016 ging es los mit den Vorwürfen, angebliche russische Hacker würden westliche Institutionen angreifen und sich in Wahlen einmischen. Keine Belege, keine Motivsuche, keine Erklärungen, was Russland von den Cyber-Angriffen hätte…

    Die spanische Führung beschuldigte die mysteriösen russischen Cyber-Krieger 2017, die katalanischen Separatisten unterstützt zu haben. Was ist schon dabei, dass keine einzige größere katalanische Partei jemals Unterstützung für Russland bekundet hat?

    Auf der Zielgeraden der französischen Präsidentschaftswahl hatte auch Emmanuel Macron was an den „russischen Hackern“ auszusetzen: Angeblich haben sie die Homepage seiner Bewegung „En Marche!“ geknackt. Welcher konkrete Schaden dabei entstanden sein soll, wurde zwar nicht gesagt, aber dafür hatte Macron einen Grund, sich als hart und unnachgiebig im Umgang mit Russland zu profilieren.

    Und zu guter Letzt: Not Petya – der Computervirus, der im letzten Jahr weltweit um sich griff. Russische Energiekonzerne, Stahlhütten und Staatsbanken wurden angegriffen und erlitten Verluste. Die Vereinigten Staaten hinderte das nicht daran, die Verantwortung für den Virus Russland aufzuerlegen.

    * Die Meinung des Autors muss nicht mit dem Standpunkt der Redaktion übereinstimmen.

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    Tags:
    Medien, Vorwürfe, Wahleinmischung, Fake-Berichte, Cyberangriffe, MH17-Absturz, Inlandsgeheimdienst der Russischen Föderation (FSB), Emmanuel Macron, Alexander Litwinenko, Sergej Skripal, Donbass, Ukraine, Frankreich, Großbritannien, USA, Russland
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