20:19 17 Oktober 2018
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    CSU-Politiker Horst Seehofer (Archivbild)

    Der Männerbund des Heimatministers: Horst Seehofer und die Frauen

    © AFP 2018 / David Hecker
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    Marcel Joppa
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    Vor wenigen Tagen veröffentlichte das Bundesministerium des Inneren die Namen der neuen Führungsriege um Horst Seehofer. Ein Foto gab es auch – doch das wurde nach massiver Kritik nun ausgetauscht. Denn Seehofer wählte ausschließlich Männer in die Chefetage. Damit setzt sich eine Linie fort, die bei dem CSU-Chef tief verwurzelt ist.

    Horst Seehofer hat anscheinend zu Männern größeres Vertrauen als zu Frauen. Zumindest traut er dem männlichen Geschlecht ganz offensichtlich mehr Kompetenz zu. Am 23. März präsentierte der frisch gebackene Minister seine neue Führungsmannschaft im Bundesministerium des Inneren, für Bau und Heimat auf der offiziellen Homepage des BMI. Doch schon wenig später wurde das Foto dieser illustren Gruppe ausgewechselt.

    Um den CSU-Chef versammelten sich dort acht Herren, die den Minister künftig bei seiner Arbeit unterstützen sollen. Eine Frau sucht man auf dem Foto vergebens. Das fällt auf und sorgte für viel Kritik, nicht nur in den sozialen Netzwerken. Das neue Foto auf der Webseite zeigt nun ganz neutral die Fassade des Berliner Ministeriumsgebäudes.

    Dafür erntete das Ministerium viel Spott seitens der Bevölkerung. Doch die Frauenquote von 0,00 Prozent ist nicht neu, wenn es um Entscheidungen Seehofers geht. Bereits bei der Wahl, welche CSU-Persönlichkeiten die Partei als Bundesminister nach Berlin entsenden will, vermasselte die CSU der Union das selbstgesetzte Ziel von 50 Prozent Frauen in Führungsämtern. Mit Seehofer, Scheuer und Schmidt schafften gleich drei Herren den Sprung ins Ministeramt.

    Kritik auch aus den eigenen Reihen

    Einzig Dorothee Bär wechselte für die CSU immerhin als Staatsministerin von München in die deutsche Hauptstadt. Der Stellung von Frauen in ihrer Partei stellt sie auf Nachfrage kein gutes Zeugnis aus. Ohne Kritik an einzelnen Personen zu äußern, sagte sie in einem Interview mit dem Radiosender Bayern2:

    „Ich gebe ganz offen zu, dass wir tatsächlich an dem Thema Frauen und auch Frauen in der CSU noch arbeiten müssen. Wir haben halt auch relativ wenige Bundestagsabgeordnete, wir sind nur acht von 46. Das ist natürlich auch schon mal von der Grundlage her viel zu wenig.“

    SPD und CDU hatten ihre Ministerposten je zur Hälfte mit Frauen und Männern besetzt. Seehofers Nachfolger als Ministerpräsident in Bayern hat bei der Neubesetzung seines Landeskabinetts übrigens Mitte vergangener Woche für eine Überraschung gesorgt. Markus Söder entließ gleich fünf unter Seehofer etablierte Landesminister und ersetze sie durch eigene Kandidaten. Sein Kabinett sei deshalb jünger als das unter Seehofer – und das Kabinett mit dem größten Frauenanteil in der bayerischen Geschichte, so Söder.

    „Die Kraft, Frauen besser platzieren“

    Das Verhältnis Seehofers zur Frauenquote war schon immer eher schwierig. Noch im Juli forderte der damals amtierende bayerische Ministerpräsident seine Partei auf, mehr Frauen in Führungspositionen zu befördern:

    „Ich möchte, dass wir als CSU die innere Kraft haben, Frauen besser zu platzieren.“

    So Seehofer Anfang Juli 2017 bei einer Veranstaltung der Frauen-Union. Aber gut, was hätte er den damals anwesenden überwiegend weiblichen Gästen sonst auch sagen sollen. Anders als die meisten Parteien verzichtet die CSU auf eine Frauenquote. Sie hat lediglich vereinbart, dass Führungsämter in der Partei zu 40 Prozent von Frauen besetzt sein sollen. Davon ist die CSU aber vor allem auf Bundesebene meilenweit entfernt.

    Kompetenz ist entscheidend

    Dass Kompetenz und nicht das Geschlecht bei der Besetzung einer Spitzenposition ausschlaggebend sein sollte, steht wohl unbestritten fest. Dann hat die CSU aber entweder ein arges Kompetenzproblem seitens ihrer weiblichen Mitglieder, oder sie hat schlicht zu wenig weibliche Mitglieder. Generell scheint sie in jedem Fall die Frauen in den eigenen Reihen zu wenig zu fördern. Seehofer ist nicht der Einzige, der die wirklich wichtige Arbeit lieber den Herren der Schöpfung überlässt. Sein ehemaliger Generalsekretär und jetziger Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer tat es ihm gleich:

    Ach ja, eine Studie der weltweit führenden Personalberatung Russel Reynolds Associates von 2016 zeigt Erstaunliches: Wenn der Frauenanteil in Führungsgremien auf über 22 Prozent steigt, arbeiten alle Mitglieder fokussierter, kämpferischer und letztendlich erfolgreicher – auch die Männer. Und ein „erfolgreiches Arbeiten“, das wäre unseren Ministerien und der Bundesregierung in der Tat doch zu wünschen. Denn auch wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel als Frau an der Spitze des Landes steht, hält sich der Kampfgeist und der Mut zur Veränderung der gelernten Physikerin doch eher in Grenzen.

    Was also tun?

    Wie lautet das Fazit dieses aktuellen medialen Aufschreis? Das Ganze ist ein Spiegel der Verhältnisse innerhalb der Union allgemein und sicher auch eine Generationsfrage. Der öffentliche Spott darüber ist ein Ausdruck von genereller Kritik an den politischen Entscheidungsträgern hierzulande, die häufig nicht die Veränderungen in der Gesellschaft wahrnehmen oder Konsequenzen aus ihnen ziehen.

    Dieses Problem lässt sich sicherlich nicht von heute auf morgen beheben. Aber es ist ein Prozess, der mit jeder Bundes-, Landtags- und Kommunalwahl an Fahrt gewinnt – und auch an Fahrt gewinnen sollte. Eine Kanzlerin im Chefsessel der Republik reicht offensichtlich nicht aus, um sich dafür einzusetzen, mehr kompetenten Frauen im Land eine Chance zu geben. Vor allem nicht, wenn der CSU als Regierungspartei weiterhin die „Herdprämie“ wichtiger ist als ein glaubhafter Frauenanteil in Führungspositionen.

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    Tags:
    Frauenquote, Parlamentarismus, Innenminister, Sexismus, Parlament, Regierung, Mann, Frau, Heimatministerium, Innenministerium, CDU, CSU, Markus Söder, Horst Seehofer, Bayern