14:33 22 April 2018
SNA Radio
    Konvoi der US-Militärtechnik in der nordsyrischen Provinz Manbij

    Abzug von US-Truppen aus Syrien: Washingtons Verbündete wollen keine Versöhnung

    © AFP 2018 / Delil Souleiman
    Kommentare
    Zum Kurzlink
    Igor Gaschkow
    271685

    Würde Trump die US-Truppen aus Syrien abziehen, hätte die Welt ein Riesenproblem weniger: Die Gefahr eines direkten Konflikts zwischen Russland und den USA wäre minimiert. Ausgerechnet Paris und London stellen sich aber gegen den Truppenabzug. Die West-Koalition, die gerade erst mit vereinten Kräften Syrien angegriffen hat, ist uneins.

    Die 2.000 Mann, die die USA in Syrien stationiert haben, kosten zu viel, ohne erkennbaren Nutzen zu bringen. Dies erklärte Donald Trump kurz vor dem Raketenschlag der West-Koalition gegen Syrien. „Stellt euch nur vor, wir haben innerhalb von 17 Jahren sieben Milliarden US-Dollar ausgegeben und im Gegenzug nichts als Tod und Verwüstung bekommen. Das ist doch schrecklich. Es ist an der Zeit, die Truppen abzuziehen“, so der US-Präsident.

    Bei Washingtons Nato-Verbündeten rief Trumps Erklärung kein Verständnis hervor. Überraschen sollte das nicht, denn in der West-Koalition gibt es derzeit niemanden, der für die US-Amerikaner in Syrien einspringen könnte. Frankreich hat vor wenigen Wochen erst abgelehnt, Truppen ins Kriegsgebiet zu entsenden. Syrische Kurden erklärten, Emanuel Macron habe ihnen versprochen, Bodentruppen an der Grenze zu Türkei zu stationieren, der Elysee-Palast bestätigte dies aber nicht.

    USA erpressen die Verbündeten

    „Weder Frankreich noch Großbritannien können die Vereinigten Staaten im Nahen Osten ablösen. Nach dem Ersten Weltkrieg unterstand Syrien einem französischen Protektorat. Eine Rückkehr französischer Truppen würde von den arabischen Gesellschaften als neuer Aufschwung des Kolonialismus verstanden werden“, erklärt der Politologe Alexej Makarkin vom Zentrum für Polittechnologie.

    Großbritannien sei noch weniger bereit, in Syrien für Ordnung zu sorgen, erklärt der Analyst: „Dass Teresa May den Raketenschlag gegen Syrien dem britischen Parlament zur Diskussion gar nicht erst vorgelegt hat, ist kein Zufall. Es war im Vorfeld klar, dass etliche Volksvertreter sich dagegen aussprechen würden. Das Parlament hatte schon 2013 einen Syrien-Angriff nicht mitgetragen. Im Vereinigten Königreich sind noch Erinnerungen an den gescheiterten Irak-Krieg von 2003 wach“, so der Experte.

    Aber Syrien ohne westliche Präsenz? Das kommt für Paris und London nicht in Frage. Für Saudi-Arabien und andere Golfstaaten übrigens auch nicht. Seit dem Beginn des Krieges in Syrien setzen sich die Erzfeinde Riad und Katar jeweils aus eigenen Gründen für den Sturz des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad ein.

    Und Trump wisse diese Situation zu nutzen: „Er möchte einfach, dass die Golfstaaten die Militärpräsenz der USA in der Region bezahlen. Sollte es kein Geld geben, gehe ich halt – so seine Drohung. Jetzt wartet er auf die Reaktion der Golfmonarchien“, sagt der Nahost-Experte Semjon Bagdassarow. Tatsächlich aber habe Trump gar nicht vor, die US-Truppen aus Syrien abzuziehen: „Er wird nichts dergleichen unternehmen.“

    Ähnlich schätzt der Politologe Makarkin die Lage ein: „Was Trump jetzt sagt, entspricht seinen Wahlversprechen. 2016 sprach er sich wirklich für den Abzug der Truppen aus dem Nahen Osten aus. Von Bedeutung ist aber nicht allein seine Position. Was zählt, sind zudem die Ansichten des US-Establishments, auch des militärischen. Einen raschen Abzug wird es also nicht geben, höchstens einen Teilabzug – wobei man nicht ausschließen kann, dass im Gegenzug neue Einheiten stationiert werden.“

    Was ist, wenn die USA doch gehen?

    Washingtons Militärpräsenz in Syrien hat einen weiteren Konflikt verschärft: den zwischen Arabern und Kurden. Nach der Befreiung der Stadt Rakka und ihrer Umgebung vom IS übernahmen kurdische Einheiten das Gebiet, die von den USA unterstützt werden. Die einheimische Bevölkerung ist jedoch größtenteils arabisch. Unter dem Druck der USA entstehen Spannungen.

    Der Abzug der US-Truppen würde eine Einigung zwischen der syrischen Regierung und den kurdischen Einheiten erleichtern. Überhaupt würde der Konflikt dann auf einer rechtlichen Grundlage ausgetragen: Schließlich hat Damaskus den USA bis heute keine Erlaubnis erteilt, einen Teil des syrischen Gebiets zu besetzen.

    * Die Meinung des Autors muss nicht mit dem Standpunkt der Redaktion übereinstimmen.

    Zum Thema:

    US-Journalisten dementieren Berichte über Chemiewaffen-Angriff in syrischem Duma
    Syrien-Angriff: Moskau begegnet US-Erklärungen mit Skepsis
    Skurrile Logik: Wegen US-Angriff in Syrien sorgt sich Kiew um "russische Bedrohung"
    Tags:
    Zuspitzung, Konflikt, Truppenabzug, Raketenschlag, Kurden, US-Armee, NATO, Alexej Makarkin, Emmanuel Macron, Theresa May, Donald Trump, Rakka, Großbritannien, Frankreich, Syrien, Russland, USA
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren