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    US-Präsident Donald Trump und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron (Archiv)

    Lyrische Stimmung in Washington: Macron und Trump versuchen sich als Gärtner

    © AFP 2018 / JIM WATSON
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    Wladimir W. Wahnowitz
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    „Initiative Europa“, „Make America great again“ – klingt alles gut, aber was kommt danach? Diese Frage quälte offensichtlich zwei Staatschefs am Montag so sehr, dass sie etwas Neues ausprobierten: den Gartenbau.

    Das Gold der Schaufeln glänzt in der prallen US-Sonne. Vier Hände schippen Erde in die freiheitsschwangere Luft. Die zugehörigen Männer tragen noch Anzüge – sie machen das zum ersten Mal.

    Zwei Präsidenten – zwei Schaufeln – ein Baum. Und eine Melania Trump, die wie eine Nymphe durchs Bild geistert, ständig auf der Suche nach der besten Stelle vor der Kameralinse. Wie konnte es dazu kommen?, fragt sich alle Welt.

    Einheit? Machtkampf? Pfadfinderspiele? – Expertenmeinungen

    „Ein Baum ist etwas Festes und Standhaftes und steht damit für die Stabilität der Länder“, sagt der renommierte Stupidologe Eckard Schwantzmesser. „Andererseits ist der Baum relativ dünn und schwächlich. Damit könnte er auch die Fragilität der Partner symbolisieren.“ Dann wieder, unterbricht er diesen Gedanken, komme der Baum aus Frankreich, und gepflanzt werde er in den USA. Damit soll er die Einheit dieser Länder zeigen. Aber, gibt Schwantzmesser zu bedenken: Der Baum komme aus Frankreich und werde den USA aufgezwungen. Damit zeigt er auch, wie gefährdet diese Einheit ist. „Es könnte alles bedeuten“, schließt der Experte.

    Der Bauarbeiter Heinz Grubenbauer, der bei solchen Gelegenheiten auch gern zu Rate gezogen wird, sagt: „Ich war auch bei den Pfadfindern. Aber zum Präsidenten hat mich deswegen noch keiner gemacht. Warum eigentlich nicht?“ Er tadelt kurz die Selbstsucht der weltweiten Eliten und verschwindet wieder in der Kanalisation.

    „Wir verfolgen solche Vorgänge mit der gebührenden Aufmerksamkeit“, sagt Grox Dementior, Vorsitzender des Ausschusses für interplanetare Aufbauhilfe. „Bislang halten wir ein Eingreifen von unserer Seite nicht für nötig. Eventuell löst sich die Sache von selbst. Dann brauchen wir gar keine Munition für unsere Invasion zu verschwenden.“

    Und so war es wirklich: Plötzliche Zukunftsängste

    Doch in Wirklichkeit verhält es sich ganz anders. Hier steht weder etwas für etwas, noch spielt hier jemand Pfadfinder – und die Außerirdischen können auch machen, was sie wollen. Nein, was die beiden Präsidenten da auf der Rasenfläche vor dem Weißen Haus wirklich trieben, heißt: Weitsicht.

    Denn durch asoziales Gebaren und Umweltverpestung mehr Jobs zu schaffen, ist zwar ein verzeihlicher Traum für einen Präsidenten. Doch nach über einem Jahr Regenten-Erfahrung stellte sich der US-Präsident die quälende Frage nach der Zukunft. Diese Frage nagte so sehr an Donald Trump, dass er seinen Kollegen aus dem Land der Aufklärung anrief.

    Es stellte sich heraus, dass Macron nach einem knappen Monat Präsidenterie bereits von derselben Frage geplagt wurde. Denn was, wenn es nicht klappt? Was, wenn er seinen Ruhestand nicht aus dem gemeinsamen Haus Europa finanzieren kann? Was, wenn seine Vision scheitert? Was, wenn Merkel geizt?

    Denn nach der Präsidentschaft kommt die Rente so sicher wie das Amen in der Kirche. Doch wie hoch sie sein wird, ist ebenso ungewiss. Und wenn man nichts Rechtes gelernt hat, muss man sich vielleicht sogar noch langweilen. Also trafen sich die beiden Staatschefs, um gemeinsam ein staatenübergreifendes Rentenprojekt zu besprechen. „Du besorgst den gedanklichen Teil, ich kümmere mich um die Social Media“, sagte Trump und legte auf.

    Grün wie Macron war, kam er pünktlich am Montag mit einem Baum angeflogen, der seine Jugend unter den Strahlen der sanften französischen Sonne verbracht hatte.

    Macron deutete auf das Bäumchen und erklärte sein Projekt: Wenn alle Stricke rissen, so der französische Schwärmer, könne man ja Tomaten anbauen, „so wie unsere Väter und deren Väter und deren …“ – „Wir haben hier auch Bäume – und bessere“, unterbrach ihn Trump, „du hättest deinen Strauch zuhause lassen können.“ „Da merkt man mal wieder, wie wenig Geschmack du hast, mon chéri“, entgegnete Macron. „Dieser Baum ist ein ganz besonderer französischer Baum. Siehst du, wie dezent seine grazilen Äste sich gen Himmel strecken?“

    Übung macht den Meister – Die Suche geht weiter

    Nach einer kurzen Grundsatzdebatte versuchten sich die beiden Staatenlenker an ihrem neuen Projekt. Aber die Männerhände waren nicht rau genug und passten nur zu gut zum Gold der Schaufeln: Gerade einmal fünf Ladungen Erde gönnten sie dem Bäumelein, dann gaben sie auf (wobei Macron mit drei Ladungen gegen Trump ganz klar siegte!). Den Herren bekam die Gartenarbeit nicht. So standen sie da, vom schrecklichen Bewusstsein erfüllt, dass sie fürs Erste nur Präsidenten zu sein hatten.

    Für Macron war das schon der zweite misslungene Versuch: Nur wenige Tage zuvor hatte Angela Merkel noch versucht, ihn für die Arbeit auf dem Bau zu begeistern.

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    Tags:
    Beziehungen, Aufklärung, Baum, Angela Merkel, Emmanuel Macron, Donald Trump, Deutschland, Frankreich, USA
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