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    Der südkoreanische Präsident Moon Jae-in (l.) und Nordkoreas Staatschef Kim Jong-un während des jüngsten Gipfels zwischen den beiden Ländern

    Nordkorea und USA: Abrüstungsdeal in Gefahr – Russland kann vermitteln

    © AFP 2018 / Korea Summit Press Pool
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    Igor Gaschkow
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    Erst müsst ihr vollständig abrüsten, dann werden wir sehen, was wir euch im Gegenzug anbieten wollen – so lässt sich Washingtons jüngst geäußerte Position im Umgang mit Pjöngjang formulieren. Russland ist hingegen an einer Vermittlerrolle interessiert. Gemeinsam mit Peking und Seoul könnte Moskau eine Lösung im Atomstreit bewirken – ohne die USA.

    Pjöngjang hat weitere Verhandlungen über sein Atomprogramm ausgesetzt und das bereits vereinbarte Treffen mit der südkoreanischen Staatsführung abgesagt. „Nordkorea möchte Sicherheitsgarantien. Einfach nur die Waffen abzugeben, ist für Pjöngjang keine Option. Kim Jong-un und seine Berater haben ja noch das Schicksal Gaddafis vor Augen, der seinerzeit auf sein Atomprogramm verzichtet hatte. Diesem Beispiel möchte in Nordkorea niemand folgen“, mahnt der Asienexperte Alexander Woronzow von der Russischen Akademie der Wissenschaften.

    Bevor die nordkoreanische Führung das für den 16. Mai anberaumte Treffen mit Seoul abgesagt hatte, hatte der Sicherheitsberater des US-Präsidenten, John Bolton, dem nordkoreanischen Staatschef angeboten, Nordkorea möge sein Atomwaffenarsenal abbauen und zur Entsorgung in die Vereinigten Staaten bringen, um den Erfolg des geplanten Gipfeltreffens in der südkoreanischen Hauptstadt zu garantieren. Im Gegenzug würde das Weiße Haus den US-Unternehmen erlauben, in Nordkorea tätig zu werden.

    Eine sehr provokative Erklärung angesichts dessen, dass Pjöngjang Washington weiterhin als militärische Bedrohung betrachtet. Der Asienexperte Woronzow verweist auf das gemeinsame Militärmanöver von Südkorea und den USA: Über 300.000 Mann seien daran beteiligt. „Das Manöver beunruhigt die Nordkoreaner und ruft bei ihnen Misstrauen hervor.“

    Den Vorschlag von John Bolton beantwortete das nordkoreanische Außenministerium denn auch mit den Worten:

    „Wir werden das Interesse an Verhandlungen verlieren, sollte das Weiße Haus uns in die Ecke treiben wollen“.

    Boltons scheinbar misslungener Vorschlag ist aber offenbar kein Missgeschick: „Trumps Berater, allen voran Bolton, provozieren das Scheitern der Verhandlungen ganz bewusst“, sagt der Politologe Dmiti Absalow vom Zentrum für strategische Kommunikation. „Sollte Nordkorea auf sein Atomprogramm wirklich verzichten, würden viele Vorhaben in der Pazifikregion nicht mehr gebraucht – vor allem das Raketenabwehrsystem in Japan und Nordkorea. Diese Systeme kosten Milliarden und bislang werden die Ausgaben mit der nordkoreanischen Bedrohung begründet. Es geht um Gewinne von US-Unternehmern, die die Republikaner sponsern“, sagt der Experte.

    Sollte die Skepsis in Pjöngjang die Oberhand gewinnen, könnte Russland – gemeinsam mit Südkorea, Japan und China – im Atomstreit vermitteln, so der Politologe Absalow. „Das bilaterale Format würde dann durch ein multilaterales abgelöst. Für Russland wäre es einfach perfekt, würden die Nordkoreaner eine Denuklearisierung vereinbaren, jedoch nicht mit den Amerikanern, sondern mit China, Südkorea und eben uns.“

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    Tags:
    Militärmanöver, Streit, Dialog, Verhandlungen, Atomprogramm, US-Außenministerium, US-State Department, John Bolton, Donald Trump, Muamar al-Gaddafi, Kim Jong-un, China, Japan, USA, Südkorea, Nordkorea
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