03:45 16 Dezember 2019
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    Wladimir Putin (i.d.Mitte) und Emmanuel Macron bei dem Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg

    Angebot an Macron und Merkel: „Öl-Euro“ schaffen – aber nur mit Putin machbar

    © AFP 2019 / Pool/ Dmitry Lovetsky
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    St. Petersburger Internationales Wirtschaftsforum (SPIEF) 2018 (25)
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    Laut westlichen Medien ist wohl das bisher wichtigste Ereignis des St. Petersburger Wirtschaftsforums die Tatsache, dass international anerkannte politische und wirtschaftliche Schwergewichte nach Russland gereist sind: Emmanuel Macron, Shinzo Abe, Christine Lagarde.

    Für ein paar Tage wurde Sankt Petersburg zur Plattform für jene, die die Richtlinien der Weltpolitik und der Weltwirtschaft bestimmen und Geld mit der Zusammenarbeit mit Russland bzw. mit Geschäften in Russland verdienen wollen. Es wurde offensichtlich, dass die angebliche Isolierung Russlands von der Weltgemeinschaft ein Mythos unbedarfter westlicher Propagandisten ist. Sie konnten nicht erklären, warum der Chef des französischen Ölriesen Total, Patrick Pouyanné, der Präsident der Zentralafrikanischen Republik, Faustin Archange Touadéra, und der Schriftsteller Nassim Nicholas Taleb nach Sankt Petersburg gekommen sind.

    Wenn es darum geht, zu zeigen, dass Russland einer der Pole der neuen multipolaren Weltordnung ist und man ohne Russland bei der Lösung wichtiger geopolitischer bzw. geowirtschaftlicher Fragen nicht auskommen kann, dann hat das Forum in der Metropole an der Newa bereits sein Ziel erreicht.

    Dabei sollte hervorgehoben werden, dass bei dem Treffen bereits mehrere interessante Vorschläge zu hören waren, deren Umsetzung das künftige Kräfteverhältnis in der Welt stark beeinflussen kann. So schlug der russische Wirtschaftsminister Anton Siluanow den europäischen Partnern eine Art „Barterhandel“ vor — „Die EU verzichtet auf die Unterstützung des US-Drucks auf Russland, und Russland hilft der EU bei der "Entdollarisierung“. Damit hat dieser Satz des hochrangigen russischen Beamten das klare Signal an die Europäer gesendet, gemeinsame Geschäfte mit dem Euro statt dem Dollar abzuwickeln.

    „Falls die europäischen Partner die Wirtschaftspolitik der USA gegenüber Russland nicht unterstützen werden, werden wir einen Ausweg darin sehen, die europäische Währung, europäische Infrastrukturorganisationen für Finanzaktionen, Zahlungen für Waren und Dienstleistungen zu nutzen, die heute oft mit Einschränkungen zu tun haben“, sagte Siluanow.

    Er erinnerte zudem daran, dass Russland bereits versucht, in Nationalwährungen mit anderen Ländern zu handeln. Anscheinend sind damit die GUS-Länder, der Iran und China gemeint.

    Der EU wurde anscheinend ein ziemlich umsetzbares Schema zur Schaffung des Öl-Euros angeboten, der den Petrodollar auf dem Weltmarkt oder zumindest in der östlichen Hemisphäre verdrängen kann. Die geopolitischen Folgen einer solchen Entwicklung sind kaum zu überschätzen.

    Haben Sie sich nie Gedanken darüber gemacht, warum das US-dominierte Finanzsystem sich eben auf den Öldollar stützt? Die USA produzieren keine Waren, ohne die man nicht auskommen kann und die also die Dollar-Nachfrage unvermeidlich fördern. Vielleicht könnten als solche Waren nur US-Prozessoren betrachtet werden, doch auch ihr Handelsumsatz ist nicht so hoch, zumal viele Länder der Dritten Welt sie gar nicht brauchen. Doch Öl brauchen alle. Indem die Amerikaner die ganze Welt dazu zwangen, für Öl (das übrigens nicht in den USA gefördert wurde) in Dollar zu zahlen, sicherten sie die ständige Nachfrage nach Dollar und sorgten dafür, dass der Verzicht auf das Dollar-System eine Wirtschaftskatastrophe wäre. Das ist kein amerikanisches Know-How, sondern ein ausgeklügeltes Schema, das bereits vom British Empire genutzt wurde – damals wollten die Briten alle glauben machen, dass Kupfer und andere Metalle, die für die industrielle Entwicklung notwendig waren, nur mit britischem Pfund und fast ausschließlich an der Londoner Börse gekauft werden könnten.

    Um das Dollar-System herauszufordern müssen seine Opponenten gleich über mehrere Elemente verfügen, die man nur sehr mühsam in einem Staat finden kann. Einerseits braucht man ein sehr starkes Finanzsystem, das ziemlich offen für externe Akteure sein würde und dem andere Länder vertrauen würden. Andererseits braucht man die Kontrolle über Ressourcen, deren Verbrauch keine Option, sondern lebenswichtiges Bedürfnis für alle Teilnehmer des internationalen Handels ist. Zudem ist ein umfassender und finanzstarker nationaler Markt notwendig, der eine konkrete Währung nutzt. Darüber hinaus sollte es auch eine entwickelte Armee, die nicht nur ihr Territorium verteidigen, sondern auch die Militärstärke effektiv in anderen Regionen der Welt projizieren kann, um die Einflussgebiete des Dollar-Konkurrenten zu schützen und zu erweitern, geben. Falls es keinen solchen militärischen Schild gibt, wird jede konkurrierende Währungszone durch US-Flugzeuggruppen ohne großen Aufwand reduziert.

    China hat einen relativ umfassenden Binnenmarkt, doch das Finanzsystem hat kein besonderes Vertrauen in der Welt. Probleme in Sachen Offenheit bzw. Zugänglichkeit werden selbst von chinesischen Beamten zugegeben. Auch bei der Kontrolle über Ressourcen und Projizierung der Militärstärke gibt es in China Probleme.

    Die EU verfügt hingegen über ein entwickeltes Finanzsystem, es genießt großes Vertrauen in der Welt und hat zumal einen tiefen und finanzstarken europäischen Markt. Doch beim Thema Kontrolle über Ressourcen und Projizierung der Militärstärke ist es einfach eine Katastrophe. Die USA versuchen, diesen katastrophalen Zustand auf dem jetzigen Niveau zu halten, wobei iranische Öllieferungen an die EU verhindert werden, und versucht wird, die EU zum Übergang zu US-Flüssiggas zu zwingen.

    Russland verfügt leider nicht über einen tiefen und zahlungskräftigen Markt, der so attraktiv wie der Markt der EU, Chinas, der USA ist. Auch über ein entwickeltes Finanzsystem im globalen Ausmaß verfügen wir nicht. Dafür aber haben wir die wichtigsten Ressourcen sowie die Fähigkeit und die Entschlossenheit, die militärische Stärke zum Schutz der nationalen Interessen effektiv einzusetzen. Eine Synergie-Kooperation zwischen Russland und der EU bzw. zwischen Russland und China bzw. im Dreieck Russland-China-EU wäre wohl logisch. Logisch ist auch, dass selbst die Möglichkeit einer solchen Kooperation bei den USA auf großen Widerstand stößt.

    Jetzt muss die EU, genauer gesagt, die europäische politische und wirtschaftliche Elite eine Antwort auf die Frage des französischen Wirtschaftsministers Bruno Le Maire geben:

    „Wollen wir Vasallen sein, die sich den Entscheidungen der USA fügen, während wir uns an deren Rockzipfel klammern?“.

    Falls Europa in sich Kräfte finden sollte, Freiheit zu wählen, würde es den russischen Vorschlag kaum ablehnen.

    * Die Meinung des Autors muss nicht mit der der Redaktion übereinstimmen.

    * Die Meinung des Autors muss nicht der der Redaktion entsprechen.

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    Zusammenarbeit, Druck, Gaslieferungen, Ölvorkommen, Investitionen, Wirtschaftsforum, SPIEF, EU, Internationaler Währungsfonds (IWF), Shinzo Abe, Christine Lagarde, Emmanuel Macron, Wladimir Putin, USA, Japan, St. Petersburg, Frankreich, Russland