SNA Radio
    Julia Skripal, die Tochter des vergifteten Doppelagenten Sergej Skripal, beim Pressegespräch

    Die alte Angst vor Russland – neu belebt vom Gift der Lüge in „Qualitätsmedien“

    © REUTERS / Dylan Martinez
    Kommentare
    Zum Kurzlink
    Tilo Gräser
    175385

    Alte Propaganda-Weisheiten und „Fake News“ werden von jenen genutzt und verbreitet, die das anderen vorwerfen. Ein deutscher Journalist eines sogenannten Qualitätsmediums zeigt dies anschaulich. Was er Russland und dessen Präsident Wladimir Putin vorwirft, bleibt zwar ohne Beweise – doch leider nicht ohne Wirkung.

    Joseph Goebbels wird die Erkenntnis zugeschrieben, dass eine Lüge nur oft genug wiederholt werden müsse, damit sie als Wahrheit akzeptiert werde. Verständlicherweise will niemand etwas mit dem Propagandaminister des Deutschen Reiches zu tun haben – doch seine Methoden werden weiter fleißig angewandt, weil sie leider erfolgreich wirken. Dazu gehören die sogenannten Fake News, die als klassische Falschnachrichten älter sind als die aktuelle Aufregung um sie.

    Propaganda und „Fake News“ werden insbesondere russischen Medien wie Sputnik immer wieder vorgeworfen. Mit Vorliebe reden und schreiben davon Journalisten bundesdeutscher Medien, die sich gern als „Qualitätsmedien“ sehen. Gleichzeitig verbreiten sie seit Jahren selber das, was sie anderen vorwerfen.

    Ihre Leser, Hörer und Zuschauer lassen sich von den permanent wiederholten Giftspritzern erst betäuben. Dann glauben sie, was ihnen da erzählt wird und hinterfragen es nicht mehr. So wird die Angst vor Russland gehegt und gepflegt – damit das altbewährte und neubelebte Feindbild die Profite der Rüstungsindustrie sichern hilft.

    Steckt ein „kluger Kopf“ dahinter?

    Ein Beispiel von vielen dafür lieferte Konrad Schuller, Korrespondent der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ (FAS). Am letzten Sonntag warnte er in seiner Zeitung vor einem Ende der russlandfeindlichen Politik und der Sanktionen. Das drohe nach der letzten Wahl in Italien: Die siegreichen Parteien, die linke Fünf-Sterne-Bewegung und die rechte Lega, hatten angekündigt, den Konfrontationskurs gegenüber Russland nicht mehr mittragen zu wollen.

    Das machte manchem eine Heidenangst. So auch Schuller, der in der FAS vor einem „römischen Eurasien“ warnte. Ein besonderer Graus für ihn: Die „vereinigten Populisten“ Italiens würden Putin mögen und könnten die EU-Sanktionen kippen. Inzwischen wurden die Ängste erhört, indem Italiens Staatspräsident Sergio Mattarella die Notbremse zog und eine EU-kritische Regierung verhinderte. Nun soll ein EU-orientierter „Experte“ eine neue Regierung in Rom zusammenstellen.

    Das Interessante an Schullers Text in der FAS ist, wie er darin das Gift der Lüge in kleiner Dosis versprüht. So setzt es sich Stück für Stück in den Hirnen fest und wirkt lange – selbst in den vermeintlich klugen Köpfen, die angeblich hinter den Seiten der FAS und des Mutterblattes „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) stecken oder diese lesen.

    Wen interessieren Beweise?

    Schuller schreibt unter anderem von „Putins Angriff auf die Ukraine“. Den würden die Fünf-Sterne-Bewegung und die Lega als „lässliche Sünde sehen“, wie auch die „Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim“. Irgendwelche Beweise für die Vorwürfe gegen den russischen Präsidenten bringt der FAS-Autor nicht. Dafür entsetzt ihn: „Die Fünf Sterne haben sogar die russische Intervention in Syrien gelobt.“

    Da wird wiedergegeben, dass Bundestagsabgeordnete aus dem „parlamentarischen Kontrollgremium“ bei so viel Russlandfreundlichkeit in Rom um die deutsch-italienische Zusammenarbeit der Geheimdienste fürchten. Das sei gefährlich, falls „Moskau wieder in den Verdacht gerät, die Computernetze des Westens anzugreifen“. Und: „Was, wenn es wieder Attentate gibt wie das auf den gewesenen russischen Agenten Sergej Skripal und seine Tochter Julia?“ Schuller interessiert anscheinend nicht, dass solche Verdächtigungen gegen Moskau bis heute nicht im Ansatz belegbar sind – was sie umso perfider macht.

    Ebenso ungeniert wiederholt der vermeintliche Qualitäts-Journalist die Formeln von „Putins Krieg in der Ostukraine“ und von „Russlands Expansionspolitik“, gegen die sich Europa wehren müsse. Das hatte Schuller bereits eine Woche zuvor mit seinem Kollegen Peter Carstens in einem Beitrag zum Treffen von Kanzlerin Angela Merkel und Präsident Wladimir Putin getan. Russland habe „in der Ukraine einen Krieg vom Zaun gebrochen“, war da zu lesen, und auch von „Putins dynamischem Eroberungszug in der Ukraine“.

    Wer fragt nach Tatsachen?

    Die russische Verantwortung und die persönliche Kriegführung Putins werden beleglos in den Raum gestellt. Dagegen fehlt jedes Wort zur Tatsache, dass der Krieg in der Ostukraine von den neuen Machthabern in Kiew ausgelöst wurde. Kiew hatte im April 2014 die ersten Panzer losgeschickt, als sich im Donbass gegen den Putsch vom Februar 2014 Widerstand regte, der dabei auch Maidan-Methoden kopierte.

    Sitzung der Ermittlungskommission zum MH17-Absturz in der Ost-Ukraine (Archivbild)
    © Sputnik / Witalij Beloussow
    Wie eine Woche später blieb Schuller jeden Beweis für das, was er en passant behauptet, schuldig. Was der FAS-Korrespondent betreibt, ist das Versprühen des Giftes der Lüge, der „Fake News“ in kleineren oder größeren Dosen – genau das, was er und andere der russischen Seite vorwerfen.

    Der Begriff „Fake News“ bedeute „nichts anderes als ‚falsche Nachrichten‘“, hat der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages im Jahr 2017 festgestellt. Das wurde ergänzt: „In der seit dem Sommer 2016 verbreiteten Verwendung bezeichnet er jedoch absichtlich falsche Nachrichten, die eigens zum Zweck der viralen Verbreitung über das Internet und die sozialen Netzwerke produziert wurden. Ziel solcher Nachrichten ist, die Öffentlichkeit für bestimmte politische und/oder kommerzielle Ziele zu manipulieren.“

    FAS-Korrespondent Schuller hat diese Kriterien erfüllt – nicht zum ersten Mal, wie viele vor ihm und leider auch nach ihm. Im Interesse der so Betäubten und Vergifteten ist das nicht. Das war es schon nicht, als Goebbels diese Methoden anwandte.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Wem gehören die deutschen Medien? – Eine Nachforschung
    Informationskrieg, Lügen und Fake-News – Unabhängiger Journalist über US-Medien
    Lügenpresse – Fake News – Alternative Medien: Auf der Jagd nach Klicks
    Tags:
    Kriegstreiber, Kriegsvorbereitungen, Fake-News, Lückenpresse, Lügenpresse, Kritik, Krieg, Medien, Konrad Schuller, Sergej Skripal, Joseph Goebbels, Angela Merkel, Donbass, Syrien, Deutschland, Russland, Ukraine